Prozess gegen Werder-Ärzte Klasnic lehnt Vergleich ab

Er will "Gerechtigkeit": Ivan Klasnic hat ein Vergleichsangebot über mehr als 350.000 Euro zurückgewiesen. Der frühere Werder-Profi wirft zwei Medizinern des Clubs vor, aufgrund falscher Behandlung lebenslang auf Medikamente angewiesen zu sein. Ein Urteil ist in weiter Ferne.


Hamburg - Fußballprofi Ivan Klasnic hat im Zivilprozess gegen Ärzte seines ehemaligen Vereins Werder Bremen erneut einen Vergleichsvorschlag abgelehnt. Der frühere Werder-Stürmer ging am Freitag bei der mündlichen Verhandlung im Landgericht Bremen nicht auf das Angebot des Vorsitzenden Richters Uwe Boysen ein. Der Vorschlag belief sich auf mehr als 350.000 Euro. Damit kommt es nun zu einem Beweisbeschluss, der den beteiligten Parteien am 8. Mai zugestellt werden soll. Mit einem Urteil ist frühestens in einem Jahr zu rechnen.

Fußballprofi Klasnic mit Ehefrau: "Mir geht es um Gerechtigkeit"
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Fußballprofi Klasnic mit Ehefrau: "Mir geht es um Gerechtigkeit"

Klasnic, der aus Frankreich angereist war, geht es in dem Streit nach eigenen Aussagen nicht ums Geld. "Mir geht es um Gerechtigkeit", sagte der Stürmer des FC Nantes. Er klage weiter, "um wirklich zu hören, dass die Ärzte mich falsch behandelt haben", so Klasnic. Der kroatische Nationalspieler will ein Urteil, damit "ich die Sache abschließen und in Ruhe schlafen kann".

Beklagt sind zwei Mediziner und zwei Reha-Einrichtungen von Werder Bremen. Klasnic, der ein Jahr nicht seinem Beruf nachgehen konnte, verlangt Schmerzensgeld und Ersatz für entgangenen Gewinn in einer Gesamthöhe von rund 1,1 Millionen Euro.

Der kroatische Nationalspieler macht vor allem Werder-Mannschaftsarzt Götz Dimanski dafür verantwortlich, dass er ein Jahr lang keinen Fußball spielen konnte und lebenslang medizinisch behandelt werden muss. Dimanski und ein weiterer Mediziner hätten nach Klasnic' Ansicht anhand von vorliegenden Blutwerten viel früher erkennen müssen, dass er Nierenprobleme habe.

Werder-Ärzte weisen Vorwürfe zurück

Die Werder-Ärzte bestreiten hingegen den Vorwurf, Fehler und Versäumnisse bei der Behandlung der Nierenerkrankung begangen zu haben. In den vergangenen Monaten hatten die Streitparteien keinen außergerichtlichen Vergleich gefunden.

"So sehr mich menschlich das Schicksal des Patienten bewegt, ist es dennoch keine Frage, dass ich mich zur Wehr setzen muss, wenn Vorwürfe kommen, die absolut ungerechtfertigt sind", sagte Dimanski am Freitag. Zu den Vergleichsvorschlägen erklärt der Team-Arzt: "Ich bin nicht Herr des Verfahrens, sondern meine Haftpflichtversicherung."

Nach einem gescheiterten Versuch war dem inzwischen 29 Jahre alten Klasnic im März 2007 im zweiten Anlauf eine Niere implantiert worden. Acht Monate nach der schweren Operation gab der Stürmer am 24. November 2007 sein Bundesliga-Comeback, verließ Werder aber am Ende der Saison. Als Transplantationspatient muss Klasnic lebenslang medizinisch behandelt werden.

fsc/dpa



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