Paris-Matchwinner Ángel di María Der Rache-Engel

Einst spielte er für Manchester United, doch bei seiner Rückkehr in der Champions League mit Paris Saint-Germain wurde Ángel di María ausgebuht. Der Argentinier antwortete sportlich - und auch unhöflich.
Aus Manchester berichtet Benjamin Knaack
Ángel di María

Ángel di María

Foto: JASON CAIRNDUFF/ Action Images via Reuters

Ángel di María ist ein schneller Angreifer, der seinen Gegnern gerne davonläuft, sie mit seinen unberechenbaren Haken auf die falsche Fährte lockt. Alles wirkt kontrolliert, trotz der Hochgeschwindigkeit. Doch wenn der Gegenspieler ihm einen Schubser gibt, dann verliert selbst Di María die Kontrolle über seinen Laufweg.

Auf der Jagd nach dem Ball in Richtung der Seitenlinie bekam Di María von Manchester Uniteds Kapitän Ashley Young (der Glück hatte, für die Aktion nicht Gelb-Rot gesehen zu haben) einen Check mit angelegten Arm und knallte in den Metallzaun, der auf dieser Seite die Fanränge vom Spielfeld trennt. Di María sackte zu Boden, hielt sich die Schulter und musste einige Minuten lang behandelt werden. Doch er konnte weiterspielen - zum Glück für Paris Saint-Germain.

Denn Angel di María war in diesem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League der Reservemotor der PSG-Offensive, nachdem der Doppelzylinder Neymar/Edinson Cavani mit Fuß- sowie Hüftverletzung ausgefallen war.

Der Argentinier Di María, der eine konstante, aber im Vergleich unauffällige Saison spielt (sieben Tore) hatte maßgeblichen Anteil daran, dass das Team von Thomas Tuchel im Old Trafford von Manchester einen 2:0-Auswärtssieg einfuhr - und nun große Chancen auf das Viertelfinale hat.

Die Tore schossen zwar andere - Presnel Kimpembe und Kylian Mbappé - aber Di María hatte zu beiden Toren die Vorlage gegeben. Beim 1:0 trat der 30-Jährige einen Eckball an den zweiten Pfosten, wo Kimpembe frei zum Schuss kam. Beim 2:0 spielte er dann seine ganze Schnelligkeit aus: Nach einem Konter sprintete er auf der linken Seite Richtung Strafraum und passte hart und präzise in die Mitte, wo Mbappé nur noch einzuschieben brauchte.

Und das waren nicht seine einzigen starken Aktionen im Spiel: Ständig beschäftigte er die United-Abwehrspieler mit seinen kurzen, schnellen Antritten, mit seinen Haken und gefährlichen Pässen. Bereits in der sechsten Minute hatte er einen Fernschuss nur Zentimeter neben den rechten Winkel gesetzt.

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Champions League: Hartes Hinspiel

Foto: PHIL NOBLE/ REUTERS

Nicht immer gelangen seine Versuche, Mbappé und Teamkollegen in Szene zu setzen. Auch Di María spielte mal einen Pass ins Aus - in der ersten Hälfte gelang ihm längst nicht so viel wie im zweiten Durchgang. "Ich bin froh, dass er sein Selbstbewusstsein nicht verloren hat. Es war nicht leicht für ihn, er hat direkt vor mir gespielt und viele leichte Bälle verloren. Deshalb hatte er eine harte Zeit", sagte PSG-Coach Tuchel nach der Partie.

Doch dann kam eben die zweite Hälfte und in dieser zeigte Di María neben seinen beiden Torvorlagen auch noch Szenen wie die, als er in der eigenen Hälfte den Ball in Hüfthöhe zugespielt bekam und ihn volley in den Lauf von Mbappé spielte, der nur kein Tor schoss, weil Manchester-Keeper David De Gea seinen Lupfer mit einem starken Reflex stoppte.

Dass Di María ausgerechnet gegen Manchester United sein wohl bestes Saisonspiel zeigte, hatte einen gewissen Charme: Der Argentinier stand hier ein Jahr unter Vertrag. Er war 2014 als teuerster Spieler der Premier League für 75 Millionen Euro zu United gewechselt. Unter Louis van Gaal kam er aber in 25 Spielen nur auf drei Tore und zehn Vorlagen, bevor er zu PSG wechselte.

Buh-Rufe für Ex-Spieler Di María

Die Manchester-Fans sind seitdem auf Di María überhaupt nicht gut zu sprechen - ihrer Meinung nach hat er bei seinem Aufenthalt in Manchester nicht seine beste Leistung abgerufen und am Ende seinen Wechsel forciert. Ihre Abneigung ließen die Manchester-Fans Di María spüren, bei jeder Ballberührung wurde er ausgebuht - wenn er sich nahe der Tribüne aufhielt, riefen sie ihm noch ein paar deutlichere Worte zu.

Di María und die United-Fans

Di María und die United-Fans

Foto: PHIL NOBLE/ REUTERS

Di María gab seine Antwort einerseits sportlich, andererseits auch mit Aktionen abseits des Fußballs: Eine Flasche, die aufs Spielfeld geworfen wurde, nahm er in die Hand und tat so, als wolle er daraus trinken, bevor er sie wegschleuderte. Laut "Daily Mirror " und ESPN UK  soll er zudem nach dem 1:0 "Fuck off" zu den United-Anhängern gerufen haben.

Besonders demütigend war dann wieder eine andere Szene: Paris führte bereits 2:0, da tricksten sich Di María und Mbappé wenige Meter vom United-Strafraum entfernt die Bälle zu - eine Vorführung, die von den PSG-Fans lautstark gefeiert wurde. "Er ist ein sehr kompetitiver Spieler. Wenn man ihn reizt, macht ihn das nicht schwächer", sagte Tuchel, der von dem Empfang der Fans für Di María "überrascht" war.

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Für das Rückspiel in drei Wochen stehen die Chancen für die Pariser um Di María auf ein Weiterkommen sehr gut: Zwar werden Neymar (sicher) und Cavani (wahrscheinlich) immer noch fehlen. Doch auch Manchester United muss auf seinen besten Mann verzichten: Paul Pogba kassierte wenige Minuten vor dem Abpfiff Gelb-Rot. "Sie waren eine Stufe besser als wir", sagte Manchester-Trainer Ole Gunnar Solskjaer.

Am knappsten fasste die englische Tageszeitung "Sun" das Spiel aus United-Sicht zusammen - mit einem Wort: "DiSaster".

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Manchester United - Paris Saint-Germain 0:2 (0:0)
0:1 Kimpembe (53.)
0:2 Mbappé (59.)
United: De Gea - Young, Bailly, Lindelöf, Shaw - Herrera, Matic, Pogba - Lingard (45.+4 Alexis Sánchez), Rashford (84. Lukaku), Martial (46. Mata)
PSG: Buffon - Kehrer, Thiago Silva, Kimpembe - Dani Alves, Marquinhos, Verratti (75. Paredes), Bernat - Draxler, di María (81. Dagba) - Mbappé
Zuschauer: 74.054
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Gelbe Karten: Young, Lindelöf, Herrera, Shaw / Kimpembe, Draxler, Bernat, Alves
Gelb-Rot: Pogba (89.)

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