Pyrotechnik im Auswärtsblock Feuerwerk verletzt Nürnberg-Fans schwer

Gleißend helles Feuer erleuchtet den Auswärtsblock beim Bundesligaspiel in Bochum. Plötzlich stehen zwei Menschen in Flammen. Mit schweren Verbrennungen werden die beiden in Spezialklinken eingeliefert. Der Fall zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Fans verbotene Pyrotechnik in volle Stadien schmuggeln.
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Verletzte in Bochum: Feuer im Fanblock

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Gelb-roter Nebel steigt aus dem Gästeblock auf. Anhänger des 1. FC Nürnberg hängen Sekunden vor dem Anpfiff des Bundesligaspiels gegen den VfL Bochum am Zaun des Gästeblocks und peitschen ihr Team an. Eine alltägliche Szenerie, die an diesem Spieltag fatale Folgen hat.

Acht Menschen wurden durch das Abbrennen der Feuerwerkskörper verletzt, zwei von ihnen schwer. "Das war natürlich unrühmlich. Zwei Menschen haben schwerste Brandverletzungen an den unteren Gliedmaßen erlitten und sind in Spezialkliniken eingeliefert worden. Das ist sehr heftig", sagte Bochums Vorstandsmitglied Ansgar Schwenken nach dem Spiel, das 0:0 endete.

Immer wieder wird Pyrotechnik in deutschen Stadien eingesetzt, obwohl das Feuerwerk streng verboten ist. Und immer wieder werden Unbeteiligte verletzt. Dies hat in den vergangenen Jahren innerhalb der Fanszene für heftige Diskussionen gesorgt. Zuletzt diskutierte auch Deutschlands größte Fußball-Fanvereinigung, die HSV-Supporters, in ihrer Mitgliederzeitung "Supporters News" mit mehrseitigen Beiträgen über dieses Thema. Diese Debatte kann stellvertretend für die Stimmung unter deutschen Fans stehen.

Da sind auf der einen Seite die Befürworter, die zumeist den Ultra-Szenen angehören. Sie berufen sich auf die stimmungssteigernde Wirkung der feurigen Effekte und verweisen auf Italien, wo das Abbrennen von Leuchtfeuern zu einer Art Selbstverständlichkeit geworden ist. Zugleich bemängeln sie die Doppelmoral der Medien, die Feuerwerk in einem Moment als "südländische Atmosphäre" loben, im nächsten Moment aber die Zündler zu Schwerverbrechern verurteilen würden.

Temperaturen über tausend Grad

Die Gegner von Pyrotechnik führen in erster Linie die gesundheitlichen Risiken an. Die Handfackeln, die in etwa so dick sind wie ein mittelstarker Edding und so lang wie ein Trommelstock, entwickeln Temperaturen von weit über tausend Grad. Sobald die Brennstäbe unkontrolliert in Menschenmengen gezündet werden, sind schwerste Verbrennungen - wie im Fall der Nürnberg-Fans in Bochum - keine Seltenheit. Zudem entwickelt sich giftiger Rauch, der gerade bei Besuchern mit Atemwegserkrankungen zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann.

Ein möglicher Kompromissvorschlag seitens der Befürworter, die Feuer vor der Kurve kontrolliert abbrennen zu lassen, wurde vom DFB aus eben diesen Gründen bislang abgelehnt. Wer trotzdem im Stadion zündelt, muss mit drastischen Strafen rechnen - von hohen Geldbußen für die beteiligten Vereine bis hin zu jahrelangen Stadienverboten für die Zündler. Doch das hält viele der Ultra-Fans nicht davon ab. Zumal es recht einfach für eine Gruppe ist, mithilfe von Pyrotechnik Aufmerksamkeit zu erwecken. Denn das Material kann jeder Volljährige problemlos im Internet bestellen, beispielsweise auf Tifosi-Seiten in Italien.

Doch wie gelangt es an den strengen Sicherheitsvorkehrungen vorbei ins Stadion? In diesem Punkt haben die Fans in den vergangenen Jahren erstaunliche Kreativität entwickelt. Früher galt der Hosenschritt als eine der sichersten Schmuggelstellen, weil in diesem Bereich bei der Leibesvisitation kaum kontrolliert wurde. Doch das hat sich durch immer höhere Sicherheitsauflagen verändert.

FCN-Sportchef Bader: "Da fehlt mir jedes Verständnis"

Mittlerweile sind die Pyro-Befürworter dazu übergegangen, ihr Material bereits Tage vor dem Spiel in den Arenen zu verstecken - in alten Stadien beispielsweise unter gelockerten Steinplatten von Stehtraversen. Eine weitere beliebte Alternative ist das Schmuggeln von Pulver. Dieses kann unter dicker Oberbekleidung problemlos am Ordnungsdienst vorbeigeschleust werden, weil es oberflächlich kaum zu ertasten ist. Im Stadion wird das Pulver dann meist hinter größeren Zaunfahnen gezündet, damit die Täter später schwieriger zu identifizieren sind.

So hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Vorfall am Samstag im Bochumer Stadion zugetragen. Laut VfL-Vorstand Schwenken sei Magnesiumpulver abgebrannt worden, das praktisch nicht zu löschen sei. Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader zeigte sich von den eigenen Anhängern verärgert. "Da fehlt mir jedes Verständnis. Das ist dumm und gefährlich", so Bader, der hofft, dass "die Verletzten wieder auf den Damm kommen und die Polizei aussagekräftige Bilder hat".

Dem 1. FC Nürnberg droht nun eine hohe Geldstrafe. Bereits im April 2008 waren Club-Anhänger negativ aufgefallen. Beim Bundesliga-Gastpiel in Frankfurt waren immer wieder Feuerwerkskörper aus dem Gästeblock auf den Platz geworfen worden. Der DFB verurteilte Nürnberg damals zu 50.000 Euro Geldbuße.

Strafe hin oder her - die Diskussionen werden weitergehen. Ebenso wie die gefährlichen Pyro-Shows in den Stadien.

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