Rätselhafte Rückkehr Zidane hört auf die Stimmen

Zinedine Zidane hat das Geheimnis seiner Rückkehr in die französische Nationalmannschaft gelüftet: Nicht der Druck der Sponsoren sei dafür verantwortlich, sondern ein geheimnisvoller Moment im nächtlichen Schlafzimmer.


Fußballspieler Zidane: "Ich war wie gelähmt von dieser Kraft"
AFP

Fußballspieler Zidane: "Ich war wie gelähmt von dieser Kraft"

Paris - Vor einigen Tagen kündigte Zidane sein Comeback an. Er werde wieder in der französischen Nationalmannschaft spielen. Nun hat er verraten, was zu dieser Entscheidung führte: Es war nicht der Druck der Sponsoren, wie orakelt worden war. Eine mysteriöse Stimme habe ihn dazu aufgefordert, sagte Zidane der französischen Fachzeitung "France Football".

"Ich wollte keine große Sache daraus machen. Aber was mir passiert ist, das ist wirklich mysteriös und unerklärlich, man könnte sagen: irrational", wird Zidane zitiert. "Eines Nachts gegen drei Uhr morgens bin ich plötzlich aufgewacht und habe mit irgendjemandem gesprochen. Ich habe niemandem davon erzählt, auch nicht meiner Frau." Anschließend habe Zidane seine Entscheidung: Und die konnte nur Rückkehr heißen. "Das ist ein Rätsel, ja, aber es ist müßig, die Lösung zu suchen. Ich selbst kann mir diese Begegnung nicht erklären. Die Person existiert, aber sie ist so weit entfernt... Ich war dann einige Stunden mit ihr allein, und da ist die Entscheidung gefallen. Ich habe so etwas nie gekannt; ich war wie gelähmt vor dieser Kraft, die mein Verhalten leitete. Dann hatte ich die Eingebung: Ich muss zurück zu den Quellen. In dem Augenblick hat sich eine Kraft meiner bemächtigt, der ich mich nicht entziehen konnte. Ich musste dieser Stimme gehorchen."

Leben als Eremit angekündigt

Dass er nur auf Druck seiner Sponsoren in die Nationalmannschaft zurückgekehrt ist, weist Zidane zurück: "Wenn ich lese, Adidas, Orange, Canal plus, TF1 oder gar der Präsident der Republik hätten mich unter Druck gesetzt, dann macht mich das sauer. Wenn das so weitergeht, bin ich in der Lage, doch noch alles hinzuschmeißen. Wenn ich wieder für Frankreich spiele, dann nur, weil ich es will."

Der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000 kündigte an, sich in dieser Saison nur dem Fußball zu widmen und "fast wie ein Eremit" zu leben: "Die Kontakte mit der Presse werden auf das Notwendigste beschränkt. Ich werde meine karitativen Aktionen und Werbeauftritte stark einschränken. Ich habe in den letzten Monaten meinen Fußball und damit mich verloren. Ich will noch einmal eine tolle Saison hinlegen."

Der Weltklassespieler, den Nationaltrainer Raymond Domenech auch gleich wieder zum Kapitän bestimmte, soll die Franzosen noch zur WM 2006 in Deutschland führen. Die Mannschaft liegt derzeit in der WM-Qualifikationsgruppe vier mit zehn Punkten nur auf Platz vier hinter Irland (13 Zähler), der Schweiz (12) und Israel (11). Nach Zidane hatten sich auch Claude Makelele vom englischen Meister FC Chelsea und Lilian Thuram vom italienischen Rekordchampion Juventus Turin zum Comeback in der Nationalelf entschieden.



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