Rätselhafter Fußballer-Tod Ungarn-Coach Matthäus tief bestürzt

Außer Trauer und Bestürzung hat der tödliche Zusammenbruch des ungarischen Fußball-Nationalspielers Miklos Feher von Benfica Lissabon im Meisterschaftsspiel bei Vitoria Guimaraes auch Streit um die Todesursache ausgelöst. Der 24-jährige Schützling von Lothar Matthäus soll an einem Herzinfarkt gestorben sein.


Tod im Stadion: Fehers Mitspieler schlagen die Hände über ihren Köpfen zusammen
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Tod im Stadion: Fehers Mitspieler schlagen die Hände über ihren Köpfen zusammen

Lissabon - Feher war am Sonntagabend kurz vor Ende der Partie zusammengebrochen und anschließend in einem nahe gelegenen Krankenhaus gestorben. Im Stadion schrien einige Mitspieler vor Entsetzen, auf den Tribünen weinten die Zuschauer.

Auch die ungarische Verbandsführung und Nationaltrainer Lothar Matthäus waren geschockt, als sie heute morgen die Schreckensnachricht erhielten. "Wir sind alle sehr berührt. Das ist ein Schicksalsschlag für uns alle. Da tritt alles andere in den Hintergrund", sagte der 150-malige deutsche Nationalspieler und fügte an: "Seine Familie verdient jede Unterstützung. Uns beschäftigt jetzt, was wir machen und wie wir helfen können."

Benfica-Stürmer Feher: "Normalerweise können Mediziner einen Herzinfarkt behandeln"
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Benfica-Stürmer Feher: "Normalerweise können Mediziner einen Herzinfarkt behandeln"

In der 60. Minute eingewechselt, war der 1,86 Meter große und 84 Kilogramm schwere Benfica-Star kurz vor dem Abpfiff auf Grund eines Herzinfarktes auf dem Rasen zusammengesunken. Sanitäter und Ärzte leisteten Soforthilfe und behandelten Feher mit einem Defibrillator (Elektroschock-Gerät). Auf dem Weg ins Krankenhaus und in der Klinik versuchten die Ärzte vergeblich, den Spieler wiederzubeleben. "Bis 23.11 Uhr wurde versucht, ihn zu reanimieren, aber ohne Erfolg", teilte ein Krankenhaus-Sprecher mit. Eine Autopsie soll am Montag genauen Aufschluss über die Todesursache geben.

Während Uefa-Arzt Domingos Gomes die ärztliche Versorgung von Feher im Stadion von Guimaraes lobte ("Alles verlief schnell genug"), übte Gilberto Madail, Präsident des portugiesischen Fußball-Verbandes, Kritik an der medizinischen Ausstattung des Personals in der Arena. Die Gerätschaft der Sanitäter in Guimaraes kam Madail ungewöhnlich vor. "Normalerweise können Benfica-Mediziner mit ihren Geräten einen Herzinfarkt behandeln", so Madail.

Auch Camacho ließ seinen Tränen freien Lauf


Im Stadion von Guimaraes, in dem im Juni auch EM-Spieler stattfinden werden, hatte der Zusammenbruch des Ungarn am Sonntag großes Entsetzen ausgelöst. Einige Spieler liefen hilflos umher, andere hielten sich die Hände vors Gesicht und weinten vor Verzweiflung. Auch Benfica-Coach José Antonio Camacho, Spaniens ehemaliger Nationaltrainer, ließ seinen Tränen freien Lauf.

Feher gehörte auch zur Auswahl der ungarischen Nationalmannschaft, die seit diesem Jahr von Matthäus betreut wird. In 18 Länderspielen erzielte der in Tatabanya geborene Stürmer sechs Tore. "Ich kenne ihn seit vier Jahren, damals spielte er noch in der U21. Er hatte keine Herzprobleme", sagte Ungarns Mannschaftsarzt Dezso Lejko.

Innerhalb von nur sieben Monaten starb damit zum zweiten Mal ein Profi-Fußballer während einer Begegnung. Im Juni vergangenen Jahres war Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foé beim Halbfinale des Konföderationen-Cups gegen Kolumbien in Lyon ebenfalls auf dem Spielfeld zusammengebrochen und wenig später gestorben. Die Autopsie hatte ergeben, dass Foé einem Herzversagen erlegen war.



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