Bayern-Star Rafinha Deutscher Pass reicht nicht für den DFB

Rafinha in der deutschen Nationalmannschaft? Das wäre eine Lösung für die Probleme auf der rechten Abwehrseite. Aber der gebürtige Brasilianer kann trotz deutschen Passes wohl nicht für Joachim Löw auflaufen. Die Fifa hat etwas dagegen.

Bayernstar Rafinha: Ab sofort mit deutschem Pass
Bongarts/Getty Images

Bayernstar Rafinha: Ab sofort mit deutschem Pass


Rafinha, Profi beim FC Bayern München, besitzt seit Dienstag einen deutschen Pass. Bundestrainer Joachim Löw hat seit Jahren Probleme, die Außenverteidiger-Position, auf der der gebürtige Brasilianer spielt, exzellent zu besetzen. Was läge also näher, als Rafinha jetzt zum DFB zu berufen? So einfach ist das allerdings nicht.

Die Statuten der Fifa stehen dem im Wege. Die besagen, dass Rafinha gar nicht berechtigt sei, für Deutschland zu spielen. Der Grund: Der heute 30-Jährige hat 2005 bei der U20-Weltmeisterschaft Spiele für sein Heimatland Brasilien absolviert. Hätte er damals bereits auch die deutsche Staatangehörigkeit besessen, so hätte er das Recht zu wechseln. Da er diese aber erst jetzt, zehn Jahre später, bekommen hat, verfällt laut Fifa-Statuten das Wechselrecht.

In dem entsprechenden Passus heißt es: "Das Wechselrecht kann nur beansprucht werden, wenn der Spieler von seinem heutigen Verband noch in keinem A-Länderspiel eines offiziellen Wettbewerbs eingesetzt wurde (Voll- oder Teileinsatz) und er zum Zeitpunkt des ersten Voll- oder Teileinsatzes in einem Länderspiel in einem offiziellen Wettbewerb seines bisherigen Verbands bereits im Besitz der Staatsbürgerschaft des Verbands war, für dessen Verbandsmannschaft er die Spielberechtigung erlangen will."

Auch wenn hier explizit von A-Länderspielen die Rede ist, hat die Fifa in der Vergangenheit auch offizielle Turniere der Nachwuchsteams in diesen Passus mit einbezogen. Die U20-WM gilt als offizieller Wettbewerb. Der gebürtige Brasilianer Diego Costa kann so für Spanien auflaufen, obwohl er bereits Freundschaftsspiele für Brasiliens A-Team absolviert hat.

Im Fall Rafinha gibt es ein Präzedenzbeispiel mit dem Argentinier Rubens Sambueza, um den sich Mexikos Nationalmannschaft bemüht hatte. Sambueza hatte 2001 allerdings für die U17 Argentiniens gespielt und war erst 2013 mexikanischer Staatsbürger geworden. Die Fifa untersagte Mexiko daraufhin, den Spieler für sich einzusetzen.

aha



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Seite 1
spon_2937981 09.12.2015
1.
Mir ist ja egal, ob R. für den DFB spielen darf. Fraglich, ob Löw ihn berufen würde. Aber warum darf die FIFA ihre Regeln auslegen, wie sie will? Wenn da A-Spiele steht. dann dürfen auch nur A-Spiele gelten...
malcom1 09.12.2015
2. Deutscher Pass
Die Entscheidung der FIFA halte ich für richtig. Den sonst könnte KATAR eines Tages Fußballweltmeister sein. Durch den Zusammenkauf von Spielern. Siehe Handball-WM oder die Leichtathletik. Keniater = Kateer. Sagt man so für Einwohner von Katar?
Stäffelesrutscher 09.12.2015
3.
Das sind zwei Regeln. Regel 1: Wenn Du für Land X ein A-Pflichtspiel bestritten hast, darfst Du nie für Verband Y spielen, selbst wenn Du dabei auch schon die Staatsangehörigkeit von Y hattest. Regel 2: Wenn Du für Land X ein Pflichtspiel, egal in welcher Mannschaft/Altersgruppe bestritten hast und zu diesem Zeitpunkt schon die Staatsangehörigkeit von Y hattest, dann darfst Du (irgendwann) in der Nationalmannschaft von Y spielen. Und nun möge die FIFA bitte die Regularien auf die 1934 für Italien aufgelaufenen Argentinier anwenden. Da ist dann der WM-Titel futsch (der sowieso schon wegen der Manipulationen in drei aufeinanderfolgenden KO-Spielen abzuerkennen gewesen wäre).
erst nachdenken 09.12.2015
4.
Das ist schon richtig so. Wie viele Spieler hätten wohl sonst einen Pass aus Katar & Co? Dann könnte sich ja jedes Land den WM-Titel erkaufen.
spon_2937981 09.12.2015
5. @Stäffelesrutscher
Danke für die Erklärung. Habe daraufhin den zitierten Passus nochmal aufmerksam gelesen, und da steht das gleiche. :-) Im ersten Satz der Regel (bis zum 'und') ist von A-Länderspielen die Rede. Im zweiten Satz (nach dem 'und') nur von 'Länderspielen', also unabhängig von der Alters-/ Leistungsstufe. Ist also nur vermeintlich ein Widerspruch. Bitte klarstellen, SPON!
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