Ramos statt Aubameyang Matchwinner aus internen Gründen

Adrián Ramos war der einzige Torschütze - und trotzdem nicht der Mann des Abends. Die Show stahl ihm Pierre-Emerick Aubameyang, der unerwartet aus dem Kader geflogen war. Alles Wichtige zum Spiel des BVB.


Die Ausgangslage: War angenehm unkompliziert. Würde der BVB (sieben Punkte) auch in seinem zweiten Gruppenspiel gegen Sporting (drei Punkte) siegen, stünde er vorzeitig im Achtelfinale. Kein Wenn, kein Aber. Von seinen vergangenen sieben Spielen hatte Dortmund allerdings nur ein einziges gewonnen: das erste Duell zwei Wochen zuvor in Lissabon (2:1). Kein schlechter Zeitpunkt also, um mit Raphaël Guerreiro und Gonzalo Castro die beiden Dortmunder Top-Vorbereiter wieder zur Verfügung zu haben. Beide standen in der Startformation, die dafür eine andere Überraschung bereithielt.

Die Startformationen:
BVB: Bürki - Ginter, Sokratis, Bartra, Raphaël Guerreiro - Weigl - Pulisic, Castro, Götze, Dembélé - Ramos.
Sporting: Rui Patrício - Paulo Oliveira, Rúben Semedo, Coates, Zeegelaar - William Carvalho, Bruno César - Schelotto, Ruiz, Gelson Martins - Castaignos.

Das Ergebnis: 1:0 (1:0). Der BVB qualifizierte sich für das Achtelfinale der Champions League. Hier geht's zum Spielbericht.

Das Rätsel des Abends: Pierre-Emerick Aubameyang hatte in allen drei bisherigen Spielen der Gruppenphase getroffen - stand gegen den portugiesischen Vizemeister aber überraschend nicht einmal im Kader! "Aus internen Gründen", gaben die Verantwortlichen bekannt. "Das hat der Trainer so entschieden, das ist absolut in Ordnung", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch bei Sky. Nur "bis morgen", vervollständigte Trainer Thomas Tuchel, er habe keine andere Wahl gehabt, die Entscheidung sei bereits am Dienstagnachmittag gefallen. Mehr mit Substanz gab es dazu nicht. Auch der Kurzzeitsuspendierte selbst hielt sich bedeckt. Modisch und auch sonst. (Stichwort: Mantel des Schweigens.)

Die erste Hälfte: Nach dem ganzen Aubameyang-Trubel sah der erste Abschnitt zunächst nach einer vergleichsweise entspannten Angelegenheit für den BVB aus: Stellvertreter Adrián Ramos brachte den BVB gleich mit seinem ersten Torschuss in Führung, köpfte eine Flanke von Matthias Ginter ins lange Eck (12. Minute). Christian Pulisic nagelte den Ball nach einem Doppelpass mit Mario Götze spektakulär an die Torlatte (34.), hätte außerdem bereits nach drei Minuten einen Elfmeter bekommen müssen. Ousmane Dembéle (42.) und Guerreiro (45.) vergaben weitere richtig gute Möglichkeiten zum 2:0. Wahrscheinlich aus internen Gründen.

Zwei Gesichter: Die Dortmunder zeigten auch in dieser Hälfte wieder Licht und Schatten. Einerseits durch sehenswerten Kombinationsfußball, wenn zunächst auch nur über die rechte Seite. Offensiv war es wieder das variable Spiel mit vielen Verlagerungen, Überladungen und spielerischen Lösungen. Defensiv passte allerdings nicht alles: Sportings Gelson Martins hatte gleich zweimal den Ausgleich auf dem Fuß (27./31.), zwischen der 20. und der 35. Minute war der BVB viel zu passiv.

Adrián Ramos erzielt das 1:0 (12. Minute).
REUTERS

Adrián Ramos erzielt das 1:0 (12. Minute).

Die zweite Hälfte: Hatte längst nicht mehr das Tempo des ersten Durchgangs. Roman Bürki parierte gegen Martins (49.), musste bei den Versuchen von Bruno César und Adrien Silva nicht einmal mehr eingreifen (52./66.). Dortmund verwaltete den knappen Vorsprung, hatte selbst seine beste Chance durch einen Freistoß des eingewechselten André Schürrle (76.). Ein schmaler Mittelweg zwischen Kämpfen und Verschleppen. Ein Spiel so über die Zeit zu bringen, gilt gemeinhin ja aber auch als Zeichen von Qualität.

Unerwartete BVB-Hilfe: Weil Real Madrid bei Legia Warschau trotz einer 2:0-Führung überraschend nur ein 3:3 holte, geht der BVB nun sogar als Spitzenreiter in das Rennen um den Gruppensieg. Zu den kompletten Ergebnissen und Tabellen geht es hier.

Meteorologe des Abends: Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis. Spieler verwechseln ist eine Sache, aber Monate? Wirklich?!

Erkenntnisse des Spiels: Die erste ist eigentlich keine. Dass Thomas Tuchel sich auf Adrián Ramos verlassen kann, hat der Angreifer nämlich bereits in der Vorsaison mit mehreren wichtigen Toren bewiesen. Spannender ist dagegen, dass beim BVB nach vier sieglosen Bundesligaauftritten offenbar ein anderer Wind über das Dortmunder Trainingsgelände fegt. Tuchel stellt im Zweifel sein Regelwerk über seine Stars. Das ist an sich schon wertvoll - doppelt natürlich, wenn es gut geht.

Offene Frage des Spiels: Was mögen das bloß für interne Gründe sein?



insgesamt 79 Beiträge
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52iger 03.11.2016
1.
Versteh ich nicht wie Auba dem die Show stehlen kann wenn er nicht spielt ? Medieninteresse allein ist noch keine Show. Die filmen den weil er mit seinem Ferrari aus der Tiefgarage fährt,als ob das was Besonderes wäre. Dass der BVB ihn kurzfristig gestrichen hat das kann interne disziplinarische Gründe haben, ja und ? Vielleicht Training verschlafen oder die Nacht durchgefeiert ? Ramos war für mich der Mann des Abends, vor allem hat er sich davon nicht irre machen lassen .
Kati_P 03.11.2016
2. Unfassbar - die Journalisten heutzutage
Da ist Ramos der Spieler des Spiels und dann schreibt ihr, dass er das nicht ist: warum? Weil ihr das so beschließt. Weil für euch Journalisten der Sport nicht das Wichtigste am Sport ist, sondern die Haarfarbe, das Auto, die Geliebte, der Diskobesuch, der eingewachsene Zehnagel oder whatever. Schade! Echt Schade! Für mich ist der Spieler des Spiels aber Ramos! Vielleicht mit Glück in der Startelf - aber sicher nicht unverdient!
IntelliGenz 03.11.2016
3. Aubameyang
. . hatte sich doch im Bundesligaspiel davor ziemlich übel verletzt . . . .schon vergessen? Interne Gründe mal ganz banal : Er wurde geschont, damit seine Blessuren heilen können
wastl300 03.11.2016
4. Wichtig
Aubameyangs Kleidung. Ohne diese Information könnte ich den Tag gar nicht starten.
The Project 03.11.2016
5. Was hat Tuchel ......
..... nur aus dieser Mannschaft gemacht? Schachfiguren, die sich nur nach dem Schema Tuchel über den Platz bewegen dürfen? Wer sich nicht daran hält, wird sofort an die Seitenlinie gebeten, um ihm an seine wahre Position auf dem Feld, anschaulich auf einem kleinen Zettel, zu erinnern. Diese Pep 2.0 Imitation hat es geschafft, innerhalb von einem viertel Jahr die jungen Talente, wie Dembélé, Guerreiro, Emre Mor, dermaßen zu verunsichern, dass sie sich nicht mehr trauen, Ihre Fähigkeiten auf dem Platz zu zeigen. Nur noch Sicherheitspässe spielen, keine 1 zu1 Situationen gehen, nur damit das "System Tuchel" funktionieren soll. Aubameyang baut bereits offensichtlich seinen Absprung vor. Götze und Castro waren gestern auch nicht gerade von Ihren Auswechselungen angetan. Wie lange kann sich Tuchel, gerade aus Sicht der 100 Millionen Investition in junge Spieler, noch halten?
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