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Frankfurt gegen Kaiserslautern: Scharmützel vor dem Stadion

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Randale in Frankfurt Das hässliche Spiel

Das torlose Remis zwischen Frankfurt und Kaiserslautern war in jeder Beziehung hässlich. Die Anhänger lieferten sich gewalttätige Auseinandersetzungen, das Spiel war äußerst schwach. Der Nachmittag zum Abgewöhnen passte zur Rückrunde beider Teams.

Zyniker werden sagen, Eintracht Frankfurt und der 1. FC Kaiserslautern können froh sein, dass Anhänger beider Teams beim 0:0 randalierten. So lenkt die Gewalt von dem ab, was beide Teams auf dem Feld zeigten.

Bereits vor dem Spiel waren Randalierer mit Feuerwerkskörpern aufeinander losgegangen. Zwei Stunden vor dem geplanten Anpfiff zogen Kaiserslautern-Fans die Notbremse eines mit 900 Personen besetzten Sonderzuges und lieferten sich ein Scharmützel mit Eintracht-Anhängern. Böller, Leuchtraketen, Flaschen und Steine flogen, sagte ein Polizeisprecher. Der Sonderzug wurde stark beschädigt, etliche Scheiben gingen zu Bruch. Zwischen Bahnhaltepunkt und Stadion gab es den Angaben des Sprechers weitere Übergriffe.

Mehrere Hundertschaften der Polizei versuchten, die Randalierer getrennt voneinander zum Stadion und wieder zurück zum Bahnhof zu geleiten. Sechs Polizisten wurden leicht verletzt. Acht Eintracht-Anhänger wurden bis Spielende in Gewahrsam genommen. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung eingeleitet. Von 350 weiteren Frankfurter Fans stellte die Polizei die Personalien fest.

Der Bereich am Bahnhof wurde ebenso gesperrt wie die Bahnstrecke zwischen Mainz und Frankfurt. Erst ab 14.50 Uhr konnten wieder Züge fahren.

Frankfurt in der Rückrunde ohne Tor

Durch die Sperrung kamen zahlreiche Zuschauer nicht rechtzeitig ins Stadion. Der Anpfiff der Partie wurde um eine Viertelstunde von 15.30 auf 15.45 Uhr verschoben. In der Frankfurter Arena zündeten Lauterer Krawallmacher Feuerwerkskörper und rissen Sitze aus den Verankerungen.

Als dann endlich gespielt wurde, setzte sich der Rückrundentrend der Eintracht fort - wieder kein Tor, wieder kein Sieg. Die Frankfurter Misere lässt sich in wenigen Zahlen zusammenfassen: 723, 79 und 2.

  • Seit 723 Minuten wartet die Eintracht auf ein Tor. Noch nie in der Geschichte der Bundesliga konnte sich eine Mannschaft vor dem Abstieg retten, die so lange ohne Torerfolg war.
  • 79 Tage sind seit dem letzten Sieg vergangen. Das war am 18. Dezember im letzten Hinrundenspiel gegen Borussia Dortmund. Damals traf Theofanis Gekas zum entscheidenden 1:0.
  • Und gerade einmal zwei Punkte hat das Team in acht Partien geholt - die mieseste Rückrundenausbeute der Liga. So sieht die Bilanz eines Absteigers aus. Der Vorsprung auf Platz 16, den Kaiserslautern belegt, beträgt nur noch drei Punkte.

Während draußen die Fans pfiffen, hob der in dieser Saison schon aussortierte Frankfurter Stürmer Ioannis Amanatidis in den Katakomben zum Rundumschlag an. "Wir müssen endlich aufwachen. Es kann nicht sein, dass fast die Hälfte der Rückrunde vorbei ist und wir noch kein Tor geschossen haben", sagte Amanatidis. "Viele sind sich über die Situation nicht im Klaren, wir dürfen nicht nur reden. Da muss mehr Körpersprache her."

Amanatidis' Ausbruch war die emotionalste Darbietung eines Frankfurter Spielers an diesem Nachmittag. Sätze wie die des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen ("Die Lage ist sehr bedrohlich") wirken wie schon tausendmal gehört. Geändert hat sich nichts.

Skibbe sieht "ein Kopfproblem"

Es wirkt auch nicht gerade ermutigend, dass Trainer Michael Skibbe nur sagt, er sei nicht ratlos. Skibbe diagnostiziert "ein Kopfproblem" bei seinem Team. Nach der Vorrunde lag Frankfurt auf Platz sieben und träumte von einem Platz in der Europa League. Und jetzt auf einmal Abstiegskampf. Einige konnte damit nicht umgehen, so Skibbe: "Der Druck, der auf den Spielern lastet, ist nicht wegzudiskutieren. Einige konnten damit nicht umgehen." Noch genießt der 45-Jährige, der in Frankfurt einen Vertrag bis Juni 2012 besitzt, aber offenbar das Vertrauen der Führungsetage.

Aber viele solcher Leistungen sollte sich Skibbes Team nicht mehr erlauben. Wie beim 0:2 gegen in Unterzahl spielende Stuttgarter zeigten Führungsspieler wie Kapitän Patrick Ochs, Pirmin Schwegler und Alexander Meier eine erschreckend schwache Leistung.

Und Frankfurt hatte sogar Glück, am Ende den zweiten Rückrundenpunkt geholt zu haben. FCK-Stürmer Srdjan Lakic schob zwei Minuten vor Spielende den Ball am leeren Tor vorbei. "So eine Chance mache ich sonst mit geschlossenen Augen rein", sagte Lakic. Er war bei den Lauterer Fans in Ungnade gefallen, weil er nach der Saison nach Wolfsburg wechselt.

Mit Material von sid und dpa
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