Randale in Lens Uefa droht mit harten Sanktionen

Die schweren Ausschreitungen während des Champions-League-Matches zwischen Lille und Manchester haben die Uefa auf den Plan gerufen. Der französische Club muss mit Strafen rechnen, da wohl fehlende Sicherheitsvorkehrungen die Tumulte begünstigten. Doch auch die Uefa wird kritisiert.

Hamburg - Alex Ferguson stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben: "So etwas habe ich noch nie gesehen. Das war eine absolute Schande", stammelte der Coach von Manchester United nach der "Nacht, die Europa beschämte" ("The Sun"). Nach dem seiner Ansicht nach umstrittenen 1:0-Siegtreffer von Ryan Giggs (83.) hatte Trainer Claude Puel vom OSC Lille seine Mannschaft aufgefordert, das Spielfeld aus Protest zu verlassen, von den Tribünen prasselten Wurfgegenstände nieder.

Zuvor war bereits die Polizei mit Tränengas und Pfefferspray gegen die Fans im offenbar überfüllten Gästeblock vorgegangen. Fernsehbilder lassen vermuten, dass Ordner die Tore geöffnet hatten, um Anhänger von Manchester United, die Tickets für den Lille-Block hatten, Zugang zu den eigenen Anhängern zu gewähren.

Heute forderte Englands Sportminister Richard Carbon bereits Sanktionen seitens der Europäischen Fußball-Union (Uefa). "Zahlreiche Spiele in der Champions League finden in Stadien statt, die nicht einmal den minimalen Standards der Uefa entsprechen. Man muss der Uefa die Frage stellen, warum sie erst am Spieltag die Stadien prüft", sagte Carbon. Die Uefa kündigte heute eine Untersuchung der Vorkommnisse an. Den Franzosen drohen nach Einschätzung der Uefa dabei harte Sanktionen. "Wir wissen nicht, welche Strafen der Disziplinar-Ausschuss aussprechen wird, aber wenn sie was gegen Lille aufbringen, könnten das harte Strafen sein", sagte Uefa-Sprecher Rob Faulkner. Die Partie war wegen fehlender Sicherheitsstandards bereits von Lille nach Lens verlegt worden.

Zudem protestierten die französischen Gastgeber wegen des umstrittenen Siegtreffers Ryan Giggs mittlerweile offiziell gegen die Spielwertung.

Dieser Protest soll am kommenden Freitag verhandelt werden, um sich die Möglichkeit eines Wiederholungsspiels offenhalten zu können. Das bestätigte ein Uefa-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Mit den Zwischenfällen, die sich vorrangig im Gästeblock zugetragen hatten, befasst sich der Disziplinarausschuss der Uefa bei seiner nächsten Sitzung am 22. März. "Mögliche Verletzungen der Sicherheitsanweisungen der Uefa durch den Gastgeber sowie die angeblich unsachgemäße Behandlung von Fans" sollen dort untersucht werden.

"Es war der Wahnsinn. Die Polizisten haben uns an den Zäunen kleben gesehen und gesagt, dass sie die Tore nicht öffnen. Dann haben sie Hunde auf uns losgelassen und auf uns eingeschlagen. Als dann Tränengas gesprüht wurde, ist das Chaos ausgebrochen", berichtete ein ManU-Fan, der seine Video-Aufnahmen aus dem Fan-Block an den Club schicken will. Beinahe hätte es nach Medien- und Augenzeugenberichten eine Massenpanik gegeben.

Zwei United-Anhänger wollten sich auch englischen Medienberichten zufolge während der Partie aus dem überfüllten Block befreien, wurden von den Sicherheitskräften aber zurückgehalten. Anschließend heizten französische Polizisten mit Tränengas das Chaos offenbar zusätzlich an. ManU-Keeper Edwin van der Sar bekam das Gas ebenfalls ins Gesicht und klagte nach Spielschluss über Sehstörungen.

Der Stein des Anstoßes für den Rückzug des OSC war ein Freistoß, den Giggs schnell ausgeführt und damit Lille-Keeper Tony Sylva auf dem falschen Fuß erwischt hatte. Der Ball segelte in den Torwinkel, der niederländische Schiedsrichter Eric Braamhaar gab den Treffer. Die Franzosen protestierten und machten sich anschließend auf den Weg in die Katakomben, weil der Ball nach ihrer Meinung noch nicht freigegeben war. Das muss er laut Regelwerk aber auch nicht.

all/sid/dpa

Mehr lesen über