Rapolder-Interview "Kult um Podolski tut körperlich weh"

Nach der knappen Niederlage gegen den FC Bayern geht Kölns umstrittener Trainer Uwe Rapolder in die Offensive. Im Interview spricht der 47-Jährige über den Unterschied zwischen Armen und Beinen, den Rummel um seinen Star Lukas Podolski und seinen Ärger über die Medien.


Frage:

Herr Rapolder, trotz der 1:2-Niederlage gegen Bayern München war bei Ihrer Mannschaft ein Aufwärtstrend erkennbar. Wir beurteilen Sie die Leistung Ihrer Mannschaft?

Uwe Rapolder: Meine Mannschaft hat alles gegeben. Dass wir spielerisch nicht mit den Bayern mithalten können, war klar. Kämpferisch kann ich den Spielern aber nichts vorwerfen. Die Mannschaft ist mit Ihrer Aufgabe gewachsen. Es tut sehr weh, dass nichts Zählbares herausgesprungen ist.

Frage: Welche positiven Kenntnisse nehmen Sie aus dem Spiel mit?

Trainer Rapolder: "Bin kein Experimentierfeld für trivial-psychologische Ausflüge"
DPA

Trainer Rapolder: "Bin kein Experimentierfeld für trivial-psychologische Ausflüge"

Rapolder: Kampfgeist und Einstellung haben gestimmt. Es war wichtig, dass wir nach dem 1:2 noch einmal zurückgekommen sind und uns Chancen erarbeitet haben. Wir wurden für unseren Einsatz aber nicht belohnt.

Frage: Sie sprechen auch das Handspiel von Lucio in der Schlussminute an. Fühlen Sie sich vom Schiedsrichter benachteiligt?

Rapolder: Es gab vier, fünf Handspiele im Spiel. Alle Zuschauer im Stadion haben das gesehen. Es gibt Beine und Arme. Den Unterschied sollte man schon erkennen.

Frage: Lukas Podolski kam gegen die Bayern zu keinem Torschuss. Wie beurteilen Sie seine Leistung?

Rapolder: Das ist natürlich für eine hängende Spitze zu wenig, und das muss man auch sagen dürfen. Kritik an Lukas wird hier immer wie ein Großangriff aufgefasst. Der Kult um Podolski tut mir inzwischen körperlich weh. Ich erwarte von ihm, dass er für die Mannschaft arbeitet und ab und zu zum Abschluss kommt. Wir erwarten keine Wunderdinge.

Frage: Wunderdinge gab es in der jüngsten Vergangenheit von der gesamten Mannschaft nicht zu sehen. Wie sehen Sie Ihre eigene Position nach der sechsten Niederlage in Serie?

Rapolder: Ich habe meine Position vorher nicht geschwächt gefühlt, genauso sehe ich mich nun nicht gestärkt. Ich hoffe, dass alle nun den Mut und die Kraft haben, diese Situation zu bewältigen. Manchmal geht man aus einer Krise auch gestärkt heraus.

Frage: Wie beurteilen Sie die Kritik, die in den letzten Wochen an Ihre Position aufgekommen ist?

Rapolder: Ich bin fast 50 Jahre alt und muss mir ständig von 25 Jahre alten Journalisten anhören, was ich ändern muss. Ich bin kein Experimentierfeld für trivial-psychologische Ausflüge von irgendwelchen Leuten. Ich würde mir wünschen, dass in Deutschland der Trainer ein bisschen geschützt wird, er trägt ja am Schluss eh die Verantwortung.

Aufgezeichnet von Stefan Tabeling, sid



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