Rasen-Rowdys Der Fieseste der Fiesen

Schumachers Check gegen Battiston, Augenthalers Sense gegen Völler: Es gibt Fouls, die ewig in schlechter Erinnerung bleiben. Das Fußballmagazin "11 FREUNDE" hat die Top Ten der üblen Treter zusammengestellt. Nun können Sie wählen und den Oberrüpel küren.
Von Lukas große Klönne

Die Hübschen können so hässlich spielen: Wenn man Francesco Totti in einem Restaurant sieht, würde man ihm am ehesten den Job am Piano zutrauen. Doch der Ex-Nationalspieler gibt den Ton im Mittelfeld beim AS Rom an - und das schon seit 1993 als Profi.

Dabei gilt der ehemalige Nationalspieler als versierter Techniker. Der Frauenschwarm mit dem stattlichen Pomadeverbrauch kann aber auch anders. Das bekam der Leverkusener Carsten Ramelow in einem Champions-League-Duell vor drei Jahren zu spüren.

Auch auf der Insel neigt mancher zu übertriebener Härte. Da ist es ab und an eine Wohltat, wenn es im Streitfall bei ein paar Backpfeifen vom Gegenspieler bleibt. So geschehen zwischen einem Newcastle-Akteur und einem Aggressor von Aston Villa.

Diese und andere Einlagen gehören zu den Top Ten der fiesen Szenen, an die das Magazin "11 Freunde" erinnert - aber sehen Sie selbst (und küren Sie den fiesesten unter ihnen):

Nummer 1: Harald "Toni" Schumacher

Harald "Toni" Schumacher

(Deutschland - Frankreich 8:7 nach Elfmeterschießen, 8. Juli 1982, WM-Halbfinale)

Den Hintern vorneweg warf sich Deutschlands Torwart Toni Schumacher nach einer Stunde Spielzeit in den heraneilenden Patrick Battiston, eine lebensgefährliche Aktion, die Battiston zwei Zähne kostete und eine Gehirnerschütterung einbrachte. Schumachers unsäglicher Kommentar: "Dann zahl' ich ihm seine Jacketkronen." Battiston, der kurzzeitig das Bewusstsein verlor, konnte im WM-Halbfinale nur zehn Minuten spielen. Er war in der 50. Minute eingewechselt worden, ehe ihn Schumacher erlegte.

Nummer 2: Francesco Totti

Francesco Totti

(AS Rom - Leverkusen 1:1, 3. November 2004, Champions League)

Eigentlich ein harmloser Zweikampf, plötzlich aber sprang Roms Stürmer Francesco Totti per Schlusssprung hoch und perforierte mit beiden Beinen den Rücken des auf dem Boden liegenden Bayer-Spielers Carsten Ramelow. Ein weiterer Sprung, eine halbe Pirouette und Totti war wieder gelandet.

Nummer 3: Lee Bowyer und Kieron Dyer

Lee Bowyer und Kieron Dyer

(Newcastle - Aston Villa 0:3, 2. April 2005, Premier League)

Mitten im Spiel gaben sich die Mannschaftskameraden Lee Bowyer und Kieron Dyer heftige Ohrfeigen und mussten von Mitspielern und sogar gegnerischen Akteuren auseinandergezerrt werden. Für Bowyer, den Provokateur, gab es sieben Spiele Sperre. Zusätzlich verhängte dessen Club Newcastle United gegen den Rüpel eine Geldstrafe von 200.000 Pfund.

Nummer 4: Werner Liebrich

Werner Liebrich

(Deutschland - Ungarn 3:8, 20. Juni 1954, WM-Vorrunde)

Anlässlich Ferenc Puskás' Ansage, Werner Liebrich als Strafe für seine rabiate Spielweise zu tunneln, malträtierte Liebrich Puskás' Sprunggelenk. Der Ungar kam erst zum Finale wieder auf die Beine. Fit war der beste Spieler der Welt da noch lange nicht. Deutschland gewann in Bern 3:2 und wurde erstmals Weltmeister.

Nummer 5: Josip Simunic

Josip Simunic

Der Berliner Abwehrspieler Josip "Jo" Simunic wähnte sich in einer Bruce-Lee-Verfilmung. Der Karate-Tritt ins Gesicht des Bremers Christian Schulz wurde von Schiedsrichter Herbert Fandel mit der Höchstnote gewürdigt. Simunic flog mit einer Roten Karte vom Platz.

Nummer 6: Rüstü Reçber

Rüstü Reçber

Mit der Gelassenheit eines Shaolin-Mönches erlegte Nationaltorwart Rüstü Reçber via Scherenschlag den Engländer Kieron Dyer. Noch schöner allerdings, wie Rüstü anschließend den herumirrenden Ball per missglücktem Fallrückzieher entsorgte.

Nummer 7: Klaus Augenthaler

Klaus Augenthaler

(Bayern München - Werder Bremen 3:1, 23. November 1985, Bundesliga)

Klaus Augenthaler senste den davongeeilten Bremer Rudi Völler humorlos um. Der Werder-Stürmer fiel wegen eines Adduktorenanrisses fünf Monate aus. Bayern-Coach Udo Lattek sah Völler als Temposünder, dieser sei "zu schnell gewesen".

Nummer 8: Roy Keane

Roy Keane

(ManU-ManCity 1:1, 21. April 2001, Premier League)

Die Mutter aller Fouls. Roy Keane traf im Manchester-Derby den Norweger Alf Inge Håland auf Kniehöhe, der darauf durch die Luft flog und hart aufschlug. Anschließend beugte sich Keane herunter zu Håland und beschimpfte diesen: "Du verdammtes Schwein." Es war ein klassisches Revanchefoul. 1997 hatte Håland (damals bei Leeds) Keane in einem Zweikampf so hart attackiert, dass dieser acht Monate aussetzen musste. Zudem hatte er den auf dem Boden liegenden Keane beschuldigt, eine Verletzung zu simulieren. Dies konnte der hitzköpfige Ire seinem Gegenspieler nicht durchgehen lassen, auch wenn er sich für die Rache lange Zeit ließ. Håland musste ebenfalls monatelang pausieren. Keane gestand später in seiner Autobiografie, vorsätzlich gehandelt zu haben. Heute ist er Trainer, vergangene Saison stieg er mit Sunderland in die Premier League auf. Håland beendete 2002 seine Karriere als Fußballprofi.

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