Rüdiger über Schweigen bei Rassismus "Diese Leute sollten mitbestraft werden"

Antonio Rüdiger sieht beim Rassismus im Fußball eine negative Entwicklung. Für den deutschen Nationalspieler sind jene, die wegschauen oder schweigen, Teil des Problems: "Sie sind Mittäter."
Antonio Rüdiger sagt: "Ich will akzeptiert werden, wie ich bin. Ohne Vorurteile, so wie andere Menschen auch"

Antonio Rüdiger sagt: "Ich will akzeptiert werden, wie ich bin. Ohne Vorurteile, so wie andere Menschen auch"

Foto:

Andy Rowland / imago images / PRiME Media Images

Nach Ansicht des deutschen Fußballnationalspielers Antonio Rüdiger machen sich auch jene Personen strafbar, die nicht gegen Rassismus vorgehen und derartige Äußerungen ignorieren. "Wenn Menschen rassistisch angegriffen werden, erlebt man komischerweise nur selten Zivilcourage bei den Leuten drumherum", sagte der Abwehrspieler des englischen Erstligisten FC Chelsea dem DFB-Journal. "Für diese Leute habe ich ganz klare Worte: Sie sind Mittäter. Ganz einfach. Meines Erachtens sollten diese Leute mitbestraft werden."

Der 27-Jährige beschreibt besorgniserregende Entwicklungen im Fußball. "Um ehrlich zu sein, ist es meines Erachtens schlimmer geworden. In Stuttgart damals habe ich da nie etwas erlebt, auch während meiner Jahre als Juniorenspieler so ab 2005 in Berlin gab es keinen Vorfall. Als ich nach Italien ging, wurde es schon schlimmer."

Rüdiger hat kein Verständnis für rassistisches Verhalten. "Ich weiß einfach nicht, was einen Menschen reitet, im Stadion solche Laute von sich zu geben. Oder andere Menschen rassistisch zu beleidigen. Da fehlen mir die Erklärungen."

"Wer Rassismus deckt oder schweigend toleriert, der ist auch Teil des Problems"

Antonio Rüdiger

Im Gespräch mit dem SPIEGEL hatte Rüdiger erzählt, was rassistische Beleidigungen in ihm auslösen. "Ich glaube, dass sich niemand in diese Situation reinfühlen kann, der das noch nie erlebt hat. Gegen Tottenham habe ich mich unfassbar allein gefühlt", sagte der 27-Jährige über einen Vorfall im Dezember 2019. "Ja, die netten Worte von vielen Seiten taten gut. Aber am Ende hat es keine Konsequenzen gegeben. Es wird nur geredet, doch ich glaube an Taten. Diese Erfahrung hat mir bestätigt, was ich schon lange denke: Beim Thema Rassismus sind wir dunkelhäutigen Spieler allein."

Für die Täter forderte er harte Strafen: "Die Täter muss man so bestrafen, dass es ihnen richtig wehtut. Dass sie es nie vergessen. Denn sie wissen gar nicht, was sie uns mit Affenlauten antun."

sak
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.