Nach Rassismus-Vorfall in Italien Stadionverbot bis 2030 gegen Hellas-Ultra

Weil er "schwer gegen die ethischen Normen und Prinzipien des Klubs verstoßen" habe, wurde ein führender Ultra von Hellas Verona für mehr als zehn Jahre gesperrt.

Schon wieder: In Italien sind rassistische Beleidigungen im Fußballstadion an der Tagesordnung. Zuletzt traf es Italiens Starstürmer Mario Balotelli
SIMONE VENEZIA/EPA-EFE/REX

Schon wieder: In Italien sind rassistische Beleidigungen im Fußballstadion an der Tagesordnung. Zuletzt traf es Italiens Starstürmer Mario Balotelli


Nach den jüngsten rassistischen Entgleisungen gegen den italienischen Stürmer Mario Balotelli hat der Verein Hellas Verona gegen einen führenden Fan-Vertreter ein mehr als zehnjähriges Stadionverbot verhängt. Luca Castellini, einer der Anführer der sogenannten Ultras, sei bis zum 30. Juni 2030 suspendiert, teilte der Verein mit. Er habe mit seinen Äußerungen schwer gegen die ethischen Normen und Prinzipien des Klubs verstoßen.

Castellini hatte am Montag laut Medienberichten gesagt, Balotelli könne nie ein richtiger Italiener sein. Der Spieler wurde als Sohn ghanaischer Eltern in Italien geboren. Auf die Frage, ob er Rassist sei, sagte Castellini, dass auch Verona einen "Neger" habe und dass dieser nach seinem Tor am Sonntag von den eigenen Fans bejubelt worden sei. Er bezog sich dabei auf den in Italien geborenen kolumbianisch-stämmigen Eddi Salcedo.

Am Sonntag hatten Verona-Fans beim Heimspiel gegen Balotellis Brescia Calcio den Gäste-Stürmer mehrfach mit Affenlauten und rassistischen Rufen beleidigt. In der 54. Minute stoppte Balotelli während eines Angriffs den Ball, nahm ihn in die Hände und schoss ihn in Richtung eines Fanblocks der Gastgeber. Anschließend wollte der 29-Jährige den Platz verlassen. Mitspieler und Gegner überredeten Balotelli aber weiterzuspielen. Verona gewann 2:1, Balotelli erzielte in der 85. Minute den Anschlusstreffer.

Fan-Kurve beim nächsten Heimspiel geschlossen

Balotelli war zudem von der Politik angegriffen worden. Eine Gruppe Veroneser Stadträte hatte die Stadtverwaltung aufgefordert, gegen den Spieler vorzugehen, weil er dem Image der Stadt geschadet habe. "Der Bürgermeister und die Anwaltskanzlei der Gemeinde sollten rechtliche Schritte gegen den Fußballspieler und alle diejenigen einleiten, die Verona angreifen, indem sie es zu Unrecht diffamieren", hieß es in dem Antrag. "Es ist nicht mehr fair, dass Verona auf die Anklagebank gesetzt wird, wenn, wie in diesem Fall, nichts passiert ist."

Vom Serie-A-Disziplinargericht ist Verona am Dienstag zu einem Teilausschluss der Fans für das kommende Heimspiel verurteilt worden. Hellas muss die betroffene Kurve beim nächsten Heimspiel schließen. Der Ausschluss betrifft rund 3500 Anhänger. Die Staatsanwaltschaft Verona wolle zudem mithilfe der Aufnahmen von Überwachungskameras diejenigen Anhänger identifizieren, die Balotelli verunglimpft hatten.

In den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche rassistische Vorfälle in Italien gegeben. Im September war Inters Starzugang Romelu Lukaku während eines Auswärtsspiels bei Cagliari Calcio mit Affenlauten und rassistischen Schmährufen beleidigt worden. Lukaku selbst hatte via Twitter Vereine und Verbände dazu aufgefordert, dagegen vorzugehen. Daraufhin hatten Fans seines eigenen Klubs Inter den Rassismus relativiert: In Italien gehöre es nun mal zum Fußball dazu, den Gegner mit allen möglichen Mitteln fertigzumachen.

sak/dpa



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