Rassismus Platzsperre für Lazio Rom

Weil die rassistischen Pöbeleien der Lazio-Anhänger zuletzt nicht mehr einzudämmen waren, darf der italienische Meister sein nächstes Heimspiel nicht in Rom austragen.


Spruchbänder in der Nordkurve beim römischen Derby: Lazio-Fans beschimpfen die AS Roma als "Neger-Mannschaft"
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Spruchbänder in der Nordkurve beim römischen Derby: Lazio-Fans beschimpfen die AS Roma als "Neger-Mannschaft"

Rom - Der italienische Fußball-Meister und -Pokalsieger Lazio Rom will mit aller Härte gegen seine radikalen Anhänger vorgehen. Vor und während des Stadtderbys gegen den AS Rom (2:2) am vergangenen Wochenende hatten zahlreiche Tifosi mit rassistischen Spruchbändern erneut eine Eskalation im Stadion provoziert. Lazio-Präsident Sergio Cragnotti bezeichnete die Banner mit übelsten rassistischen Aussprüchen als eine Schande.

Im Zuge des neuen Gesetzes gegen Rassismus wurde Lazio von der Disziplinarkommission des italienischen Verbandes mit einer Platzsperre für ein Spiel belegt und muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 60.000 Mark entrichten. Der neue Spielort für das "Heimspiel" am 6. Mai gegen Bari steht noch nicht fest.

"Es ist bedrückend"


Bereits am Montag hatte Cragnotti als ersten demonstrativen Schritt eine Klage gegen jene Tifosi eingereicht, die die Spruchbänder ausgerollt hatten. "Es ist bedrückend, der Club hat in den letzten Jahren stark an Prestige gewonnen, doch diesem Wachstum entspricht kein qualitativer Sprung der Anhänger. Das große Fest des Stadtderbys ist vor und während des Spiels beschmutzt worden", sagte der Lazio-Präsident verärgert und fügte hinzu: "Alle wissen, bei wem wir uns für das Stadionverbot bedanken müssen".

Jüdische Anhänger verließen aus Protest das Stadion


Während der 90 Minuten buhten Lazio-Fans die farbigen Spieler des AS Rom aus. Vor allem die Brasilianer Cafu und Aldair sowie auch der Franzose Jonathan Zebina wurden ausgepfiffen. Auch die jüdische Gemeinschaft in Rom erklärte sich über die rassistischen Äußerungen der Lazio-Tifosi entrüstet. Mehrere Lazio-Anhänger jüdischer Abstammung verließen am Sonntag aus Protest den Stadion. "Man muss hart eingreifen, doch die Situation wird sich nur dann bessern, wenn die Extremisten aus dem Stadion verbannt werden. Es ist nicht schwierig, sie zu identifizieren", erklärte ein Mitglied der jüdischen Gemeinschaft, das anonym bleiben wollte.



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