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AC Milan: Boateng hat genug

Foto: MAX ROSSI/ REUTERS

Rassistische Beleidigung gegen Boateng "Das geht nicht spurlos an mir vorbei"

Kevin-Prince Boateng wird weltweit gefeiert, seine Courage bejubelt: Der Fußballstar hatte in Italien einen Spielabbruch herbeigeführt, nachdem ihn gegnerische Fans rassistisch bepöbelt hatten. Nun denkt der AC-Mailand-Profi darüber nach, das Land zu verlassen.

Hamburg - Fußballprofi Kevin-Prince Boateng denkt nach den rassistischen Anfeindungen gegen ihn über persönliche Konsequenzen nach, sogar ein Abschied aus dem italienischen Fußball kommt für den Ghanaer in Frage: "Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Ich werde jetzt drei Nächte darüber schlafen und mich nächste Woche mit meinem Berater Roger Wittmann treffen. Dann muss man schauen, ob es weiter Sinn macht, in Italien zu spielen", sagte der 25-Jährige vom AC Mailand der "Bild"-Zeitung.

Er sei über den Vorfall wütend, traurig und schockiert gewesen, sagte Boateng: "Dass so etwas im Jahr 2013 noch passiert, ist eine Schande - nicht nur für Italien, sondern für den Fußball auf der ganzen Welt. Ich wollte ein Zeichen setzen für die ganze Welt, dass es so nicht weiter geht."

Schon am Vortag hatte Boateng betont, immer wieder so handeln zu wollen. "Egal, ob Freundschaftsspiel, Ligaspiel oder Champions League - ich würde wieder vom Feld gehen. Ich bin traurig und wütend, dass ich derjenige sein musste, der etwas unternimmt", sagte er im Interview mit dem Fernsehsender CNN.

Vor und während des Testspiels hatten Patria-Fans Boateng und weitere dunkelhäutige Milan-Spieler beleidigt. Daraufhin schoss Boateng in der 26. Minute den Ball in Richtung der Zuschauer, zog sein Trikot aus und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten dem Ghanaer, das Spiel wurde anschließend abgebrochen.

Für den Spielabbruch bekamen Boateng und der AC Mailand länderübergreifend viel Zuspruch. Silvio Berlusconi, Besitzer des AC Mailands, gratulierte dem, Spieler telefonisch zu seinem Verhalten. "Ich garantiere, dass in allen Spielen, in denen wir solche Erfahrungen machen, Milan das Feld verlassen wird", sagte der frühere italienische Ministerpräsident der Nachrichtenagentur Ansa. "Inspirierend" nannte die englische Tageszeitung "Daily Telegraph" den Milan-Profi.

Laut Polizei konnten die Täter mit Hilfe von Video-Aufzeichnungen aus dem Stadion in Busto Arsizio bereits identifiziert werden. Ein Fan hat die rassistischen Sprechchöre zugegeben, gegen vier weitere wird ermittelt. Der Vorwurf laute Aufhetzung zu rassistischem Hass, erklärte Staatsanwalt Mirko Monti. Den Tätern drohen Stadionverbote von fünf Jahren und weitere Verfahren.

Der Präsident des italienischen Fußballverbanden FIGC, Giancarlo Abete, bat derweil um ein Treffen mit Italiens Polizeichef Antonio Manganelli, um Maßnahmen gegen Rassismus in Fußballstadien zu diskutieren.

psk/sid