Rassistische Übergriffe Fifa droht mit Zwangsabstieg

Die rassistischen Anfeindungen gegen den Fußballspieler Adebowale Ogungbure ziehen weitere Kreise. Heute hat sich der Fußball-Weltverband zu den Vorkommnissen geäußert und harte Sanktionen angekündigt, sollten die Vereine nichts gegen fremdenfeindliche Vorfälle unternehmen.


Leipzig - Fifa-Generalsekretär Urs Linsi verwies im Zusammenhang mit den Übergriffen auf den Spieler des Oberligisten Sachsen Leipzig auf den neuen Strafenkatalog des Verbandes hin, der auch in den unteren Spielklassen gilt. Danach drohen Vereinen Punktabzug, Platzsperren oder sogar der Zwangsabstieg.

Linsi hat in dieser Woche einen Brief an alle Verbände verschickt, in dem er die Umsetzung der neuen Regel fordert. Als Zeitvorgabe gilt der 1. Juli. Anlass der Regelverschärfung waren vor allem rassistische Vorfälle in Spanien und Italien. "Aber natürlich werden wir auch darauf achten, dass so etwas in der vierten deutschen Liga bestraft wird", sagte Linsi dem "Tagesspiegel". Bislang waren Sanktionen gegen Rassismus von der Oberliga abwärts Sache der Landesverbände und nicht des DFB.

Der nigerianische Stürmer Ogungbure war am vergangenen Samstag bei der Oberliga-Begegnung beim Halleschen FC von der Tribüne rassistisch beleidigt worden und hatte auf die permanenten Provokationen mit dem Hitlergruß reagiert. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Spieler wegen des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole wurde inzwischen von der Staatsanwaltschaft Halle eingestellt, weil Ogungbures Verhalten als Protest und nicht als Verherrlichung einer verbotenen Organisation gewertet wurde.

"Es war nicht das erste Mal, dass ich beschimpft wurde. Doch bislang habe ich mich auf mein Spiel konzentriert. So schlimm wie in Halle war es aber noch nie. Das tut weh", sagte Ogungbure. Furcht vor weiteren Übergriffen hat der 24-Jährige vor dem Heimspiel der Leipziger am Sonntag gegen Plauen nicht. "Ich kenne keine Angst. Ich habe immer versucht, gegen Rassismus zu kämpfen, und werde das auch weiterhin machen. Ich bin stolz, dass der Verein und unsere Fans dabei hinter mir stehen. Hier habe ich eine Familie gefunden", sagte der Nigerianer.

mig/dpa/ddp/sid



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