Leipzigs Sieg gegen Hoffenheim Werner beinhart

RB gegen Hoffenheim - für viele Anhänger von Traditionsklubs ist es das Plastikduell der Bundesliga. Eine Halbzeit lang gab es aber tollen Angriffsfußball zu sehen - mit Leipzigs erstem Nationalspieler?
Timo Werner

Timo Werner

Foto: Jens Meyer/ AP

Ausgangslage: Für Traditionalisten, und davon gibt es in der Bundesliga bekanntlich ziemlich viele, ist es DAS Hass-Duell. Brause- gegen Dorfklub, Mateschitz gegen Hopp oder als Gegenentwurf des Top-Spiels in Spanien: "El Plastico". Wer die Bundesliga abgeklärter schaut, dürfte mehr Vorfreude entwickeln. Bayern-Verfolger RB Leipzig, der bisher beste Aufsteiger der Geschichte, trifft auf die noch ungeschlagene TSG Hoffenheim. Beide Mannschaften, mit unterschiedlichen Spielphilosophien ausgestattet, stehen für Spektakel, für Pressing, für offensiven Fußball und für Tore.

Das Ergebnis: Leipzig siegt 2:1 und hat nun schon zehn Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten Eintracht Frankfurt.

Startaufstellungen
RB Leipzig: Gulásci - Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg - Ilsanker, Demme - Samitzer, Keita - Werner, Poulsen.
TSG Hoffenheim: Baumann - Süle, Vogt, Hübner - Kaderabek, Demirbay, Amiri, Zuber - Kramaric, Wagner.

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Erste Hälfte: Wer gedacht hat, TSG-Trainer Julian Nagelsmann würde wegen der Pressing-Qualitäten der Leipziger auf den typischen, ruhigen Spielaufbau seiner Mannschaft verzichten und stattdessen lange Pässe auf Stoßstürmer Sandro Wagner anordnen, der sah sich getäuscht. Beide Tore resultierten aus dieser Weigerung, sich anzupassen. Zunächst positiv, als die Hoffenheimer nach einem Ballgewinn am eigenen Strafraum einen über Sebastian Rudy, Kerem Demirbay, Nadiem Amiri und Andrej Kramaric vorgeführten Weltklasse-Konter fuhren und Amiri am Ende nur noch ins leere Leipziger Gehäuse einschieben musste (18. Minute). Aber auch negativ, weil Nagelsmanns Defensive nach einem Ballverlust im Abwehrdrittel unsortiert wirkte, der Ball über Umwege und Naby Keita zu Timo Werner kam, der Torwart Oliver Baumann mit der Fußspitze überwand (38.).

Zweite Hälfte: Das Spiel hatte zunächst weniger Tempo, Hoffenheim kontrollierte das Geschehen besser. Nach der Roten Karte für Sandro Wagner (60.), der wegen eines groben Foulspiels gegen Stefan Ilsanker vom Platz gestellt wurde, wurde Leipzig wieder dominanter, nutzte die wenigen Torchancen jedoch nicht. Das Siegtor fiel durch ein vom eingewechselten Fabian Schär abgefälschten Weitschuss von Marcel Sabitzer (77.).

Bundestrainer Joachim Löw in Leipzig

Bundestrainer Joachim Löw in Leipzig

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Bundestrainerbesuch: Bundestrainer Joachim Löw ließ sich das Spitzenspiel des Rückrundenauftakts nicht entgehen, erstmals war er im Leipziger Stadion zu Gast. Zu beobachten gab es genug für Löw: Die Hoffenheimer Rudy und Niklas Süle gehören schon zu Kreis der Nationalelf, Nadiem Amiri und Leipzigs Willi Orban gelten als Kandidaten. Und dann ist da noch das vom Boulevard angeheizte Stürmer-Duell Werner (elf Tore) vs. Wagner (zehn). Der Sieger hieß , nicht nur wegen des Tores, Timo Werner. Sechsmal schoss der 20-Jährige auf das Hoffenheimer Tor, sprintete aus seinem Team am häufigsten und könnte in dieser Form Leipzigs erster Nationalspieler werden. Zumal er nach den Anfeindungen wegen seiner Schwalbe gegen Schalke mentale Stärke bewiesen hat und seitdem nun seinen dritten Treffer erzielt hat.

Schieber: Wagner war kaum ins Spiel der Gäste eingebunden, hatte keine nennenswerte Offensivaktion und musste nach seinem Platzverweis das Ende der Partie im Spielertunnel beobachten. Die Rote Karte, auf die Wagner sehr fair reagierte, war zwar unstrittig, fiel aber in einer Phase, als sich die Zuschauer in Leipzig vermehrt auf Schiedsrichter Wolfgang Stark eingeschossen hatten und die Stimmung immer aufgeheizter wurde. Stark ließ sich davon aber nicht beeindrucken und entschied alle relevanten Szenen richtig.

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Erkenntnis des Spiels: Schon klar, beim "El Plastico" geht es um fehlende Tradition, um erkaufte Erfolge. Den Vorwurf, Plastikfußball zu spielen, müssen sich RB und Hoffenheim jedoch nicht gefallen lassen. Es war ein würdiges Spitzenspiel und in Leipzig wird es immer wahrscheinlicher, dass in der kommenden Saison die Champions-League-Hymne erklingt.