Trainer-Entlassung bei RB Leipzig Die Welt ist nicht genug

FC Bayern statt Sandhausen, Dortmund statt Aue: Bei RB Leipzig denkt man in höheren Sphären. Die Trennung vom bedächtigen Trainer Alexander Zorniger ist daher nur logisch. Stagnation ist in der Philosophie des Vereins nicht vorgesehen.
Ex-Partner Zorniger, Rangnick: Stagnation ist nicht vorgesehen

Ex-Partner Zorniger, Rangnick: Stagnation ist nicht vorgesehen

Foto: Bongarts/Getty Images

Der Trainer Alexander Zorniger hat mit RB Leipzig 2013 den Aufstieg in die dritte Liga geschafft. Anschließend hat er die Mannschaft ohne Umschweife in die zweite Fußballbundesliga geführt. Dort steht das Team als Neuling derzeit auf einem guten Platz sieben. Der Rückstand zum sicheren Aufstiegsplatz zwei beträgt gerade einmal sechs Punkte. Bei jedem anderen Verein würde der Trainer dafür gefeiert. Er wäre Zorniger, der Aufstiegsheld.

Aber RB Leipzig ist kein Verein wie jeder andere.

Beim Red-Bull-Verein denkt man anders, größer. Viel größer. Konzernboss Dietrich Mateschitz und Sportdirektor Ralf Rangnick, sie wollen in Leipzig das ganz große Rad drehen. Dieser Verein hat nicht allein in der Winterpause fast zehn Millionen Euro für Neuverpflichtungen ausgegeben, um dann anschließend bei Erzgebirge Aue zu verlieren.

Aue, Sandhausen, Aalen - das sind Sphären, aus denen RB sich so schnell als möglich verabschieden will. Der FC Bayern, der VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund - das sind die Gegner, mit denen Leipzig sich messen will, messen muss. Je früher, desto besser. Mateschitz selbst hat erst in dieser Woche das Wort "raschestmöglich" benutzt.

Mit der Ankündigung, Rangnick, bislang ja auch noch maßgeblich mit dem Salzburger Red-Bull-Team befasst, werde sich künftig ausschließlich um Leipzig kümmern, hat Mateschitz ein klares Signal gesendet. Leipzig soll das Fußball-Vorzeigeprojekt des Konzerns werden. In Leipzig, in dieser über Jahrzehnten darbenden Fußballregion, regiert das Projekt Ehrgeiz. Und das wird durch niemanden besser verkörpert als durch Ralf Rangnick.

Warten will man bei Red Bull nicht länger, das gehört nicht zum Konzept des ständigen Mehr. Warten ist Stagnation, genug ist nicht genug. Die zweite Liga, diese vermeintlich dreckige Proletarier-Liga, in der RB Woche für Woche in den Stadien angepöbelt wird, in der die Anhänger der Gegner sich gar zu monströsen Nazi-Vergleichen versteigen wie gerade in Aue - das ist eine Liga, für die sich RB letztlich zu fein ist. In der Bundesliga, bei den Big Sellern, zwischen Bayern und Bayer, da wähnt man sich mental zu Hause.

Ein längeres Verweilen in der zweite Liga, wie es dem bedächtigen Zorniger vorschwebt - nein, das ist wirklich nicht das, was beim RB Leipzig, diesem Vereinskonstrukt mit seiner Handvoll an Mitgliedern, angesagt ist. Es muss immer höher gehen, angemessen der Werbekampagne des Konzerns, in dem so viel von Fliegen und Höhenluft die Rede ist.

Von daher war es nur folgerichtig, sich von Zorniger zu trennen. Genauso wie es von Zornigers Seite logisch war, diesen Kurs, der nicht mehr der seine war, nicht länger mitzutragen. Und es wäre jetzt nur konsequent, den im Wartestand befindlichen Thomas Tuchel zu verpflichten. Tuchel, seit seinem Ausstand in Mainz für nahezu alles vom Amt des Bundestrainers bis hin zum Schalke-Coach im Gespräch - auch er ist das Prinzip Ehrgeiz. Es ist das Prinzip Leipzig.