RB Leipzigs Niederlage gegen RB Salzburg "Das Original ist da!"

Die Zuschauer pfiffen, der Trainer wetterte: Für RB Leipzig hätte das Europa-League-Duell mit dem Schwesterklub kaum schlechter laufen können. Salzburg feierte mehr als nur drei Punkte.
Von Stephan Uersfeld
Leipzigs Dayot Upamecano (2.v.l.), Yvon Mvogo (2.v.r.), Kevin Kampl (r.)

Leipzigs Dayot Upamecano (2.v.l.), Yvon Mvogo (2.v.r.), Kevin Kampl (r.)

Foto: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ralf Rangnick hatte schlechte Laune. "Wir hätten hier heute auch fünf oder sechs Tore bekommen können", sagte der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig nach der 2:3-Niederlage im ersten Europa-League-Spiel der Saison. "Die Mentalität in der ersten Halbzeit war unterirdisch. Ich entschuldige mich bei den Zuschauern". Nun ist Rangnick nach verlorenen Spielen grundsätzlich nicht gut gelaunt. Diesmal aber tat es womöglich besonders weh. Der Gegner war schließlich Schwesterklub RB Salzburg.

Wie viel Brisanz im Duell der beiden auf Initiative des Brauseherstellers Red Bull gegründeten Klubs steckt, war bei Leipzig offenbar nicht zu allen in der Mannschaft durchgedrungen. Rangnick sprach von einem Totalausfall auf vielen Positionen und zweifelte, dass alle verstanden hatten, was da auf sie zukommt. Rangnick hatte es, sagte er, und deswegen spiegelte er die Salzburger Formation, sodass auf dem Rasen viele direkte Duelle entstanden. "Wir wollten zeigen, dass wir auf den Positionen besser besetzt sind als der Gegner." Nur gelingen wollte es ihnen nicht.

"Wir wollten intensiver spielen als sie"

Als Rangnick nach 45 Minuten korrigierend eingriff, gleich drei Wechsel vornahm und von Vierer- auf Dreierkette umstellte, lag seine Mannschaft bereits 0:2 zurück. Salzburg trat leidenschaftlich auf, diszipliniert und organisiert. "Wir wollten intensiver spielen als sie", sagte Trainer Marco Rose: "Wir haben das sehr gut hinbekommen."

Den beiden Treffern durch Munas Dabbur (20. Minute) und Amadou Haidara (22.) gingen eklatante Fehler der Leipziger voraus. Noch vor der Halbzeit wurde die Zuschauer ungeduldiger. Sie pfiffen jetzt. So ein Aufritt sei "nicht akzeptabel", sagte Rangnick. Zumindest der sechsköpfigen Fraktion der Ex-Salzburger in Leipziger Reihen attestierte Rangnick, dass sie das Spiel gewinnen wollten. Dem Rest nicht: "Ich stelle mich sonst gerne vor die Jungs. Aber heute fällt mir das schwer."

Spieler und Offizielle beider Lager versuchten, das Aufeinandertreffen der RB-Teams auf das Sportliche zu reduzieren, aber das war zwecklos. Nicht nur die meisten neutralen Zuschauer und empörte Fußballromantiker sahen es anders, auch die mitgereisten Salzburger Fans.

Fanmarsch vor dem Anpfiff

Diese Aufregung im Vorfeld allein: Wir gegen uns, titelten die Zeitungen. Rasenballsport Leipzig gegen Red Bull Salzburg. RB Leipzig gegen FC Salzburg. Der eine Verein nach dem Brausegiganten benannt, aber nach aktueller Uefa-Rechtsprechung nicht mehr so maßgeblich von ihm abhängig. Der andere, nicht nach ihm benannte, schon. Leipzig ist eine Red-Bull-Tochter, aber auch ein Verein, der alle Zulassungsbedingungen der DFL erfüllt. Er ist ein Verein, der mit den Financial-Fair-Play-Auflagen der Uefa kämpft.

Rasenballsport-Trainer Rangnick ist seit 2015 nicht mehr Sportdirektor der Salzburger, Vorstandschef Oliver Mintzlaff ist nicht mehr Head Of Global Soccer des Konzerns. Vereinsgründer Dietrich Mateschitz jedoch ist weiter eng mit beiden Vereinen verzahnt.

Schon bereits weit vor dem Spiel hatten sich die angereisten Salzburger-Fans in der Leipziger Innenstadt versammelt, Fanmarsch vom Richard-Wagner-Platz. Signalisieren, wer man ist, wofür man steht, dass der eigene Klub zuerst dagewesen ist.

Etwa 500 Fans waren mit dem Sonderzug aus Österreich angereist, weitere 350 hatten sich über Vereinskanäle um Tickets bemüht. So standen sie da: Die Ultras hinter ihren Blockfahnen. Sie hatten sogar Rauchtöpfe dabei. Der Rest ein Stück abseits, sich mal am Springbrunnen mit Matchday-Schals und mal vor dem harten Kern stehend fotografierend.

Salzburger Fans

Salzburger Fans

Foto: Stephan Uersfeld

Vereint sind sie in ihrer Wut auf Rangnick, der vor seiner Station in Leipzig Sportdirektor in Salzburg war. Ihm galten die Schmähgesänge. Er habe den Verein, der 2005 den Salzburger Traditionsklub Austria übernommen hatte, mit seiner Transferpolitik beinahe zerstört, sagen Salzburger Fans vor Ort.

Dann marschierten sie los. Sie trugen RR Hater-Shirts, andere präsentierten klare Anweisungen: "Kniet Nieder, ihr Bauern! Das Original Ist Da!" Im Stadion legten sie nach: "Ohne Salzburg wärt ihr gar nicht hier." Es geht um die Transfers und Rangnicks Art, wie er sie gegen Salzburger Interessen durchsetzt. Bald könnte das wieder geschehen.

Dieser Haidara, sagte ein Leipzig-Fan anerkennend, der könne schon was. Der Mittelfeldspieler könnte im Winter nach zwei Transferperioden ohne Wechsel von Salzburg nach Leipzig in die Bundesliga transferiert werden.

Manch einer in Österreich hofft auf Widerstand. Darauf, dass sich Salzburg von Rangnicks Griff befreit. Für die Hoffnungsvollen wäre es der Beginn einer neuen Fußballtradition. Aus sportlicher Sicht hat man dazu am Donnerstag den Grundstein gelegt.

RB Leipzig - RB Salzburg 2:3 (0:2)
0:1 Dabbur (20.)
0:2 Haidara (23.)
1:2 Laimer (70.)
2:2 Poulsen (82.)
2:3 Gulbrandsen (89.)
Leipzig: Mvogo - Laimer, Upamecano, Konaté, Mukiele (46. Halstenberg) - Ilsanker - Sabitzer, Kampl - Cunha - Bruma (46. Demme), Augustin (46. Poulsen)
Salzburg: Walke - Lainer, Ramalho, Pongracic, Ulmer - Samassekou - Haidara, Schlager (86. Junuzovic) - Wolf - Yabo (71. Minamino), Dabbur (83. Gulbrandsen)
Zuschauer: 25.000
Schiedsrichter: Andreas Ekberg
Gelbe Karten: Poulsen / Pongracic, Haidara, Schlager

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