RB Leipzig Aufstieg, jetzt!

Bundesliga, so schnell wie möglich: Nur der Aufstieg zählt für Ralf Rangnick und RB Leipzig als Erfolg. Der Trainer und Manager wirkt trotzdem locker wie selten zuvor. Sein Projekt ist akribisch vorbereitet.

RB-Leipzig-Trainer und Manager Rangnick: "Wir wollen in die Bundesliga"
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RB-Leipzig-Trainer und Manager Rangnick: "Wir wollen in die Bundesliga"

Von Ullrich Kroemer, Leipzig


Es ist eine Weile her, dass die Glückshormone bei Ralf Rangnick derart verrückt gespielt haben wie derzeit. Vor dem Start der zweiten Liga an diesem Wochenende sagte der neue Cheftrainer von Ligafavorit RB Leipzig: "Dass ich das letzte Mal mit einer Truppe so viel Spaß hatte, war 2008 in Hoffenheim."

Mit einer Ansammlung "von Hochbegabten zusammenzuarbeiten und zu sehen, welche Entwicklungsschritte möglich sind", treibt den Fußballlehrer Rangnick heute noch genauso an wie damals. "Ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, nachher wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen und zuvor in der Videoanalyse das Spiel vorzubereiten", sagte Rangnick ungeduldig vor der Auftaktpartie beim FSV Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Seit knapp fünf Wochen steht Rangnick nun zusätzlich zu seinem Job als Sportdirektor wieder nahezu jeden Tag in Trainingsklamotten auf dem Platz. Mitarbeiter sagen, dass er sich bei seiner 13. Station als Cheftrainer bislang so locker präsentiert habe wie selten in seiner Karriere zuvor.

Karaoke zu "Football's coming home"

Bei der feierlichen Saisoneröffnung mit den Fans am vergangenen Sonntag versuchte sich der Teammanager sogar als Entertainer. Genau wie alle Spieler stellte sich auch Rangnick vor den 6000 staunenden Anhängern kostümiert auf eine Bühne und intonierte gemeinsam mit den Fans einen Karaoke-Song. Eine schräge Parade zwischen Karneval, Schlager-Move und Castingshow. Rangnick versuchte sich im Trikot der englischen Nationalmannschaft an "Football's coming home" von den Three Lions. Erdacht und akribisch vorbereitet hat den Schabernack nicht etwa die Marketingabteilung von Red Bull, sondern Rangnick persönlich.

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Ralf Rangnick: Von Backnang ins Brauseimperium
"Wir wollten bei der Präsentation der Spieler mal etwas anderes machen und auch die Mannschaft aktiv einbeziehen", erklärte Rangnick. "Teambuilding hat dabei eine große Rolle gespielt - allein wenn ich überlege, was in der Umkleidekabine beim Anziehen der Kostüme und beim Schminken los war." Seine anfangs noch skeptischen Spieler machten mit. "Wenn man sich auf der Bühne zum Affen macht, schweißt das zusammen", sagte Zugang Stefan Ilsanker. Selbst die Teampräsentation nutzte Rangnick, um die Mannschaft ihrem Saisonziel näherzubringen.

"Wir wollen in die Bundesliga, und wir wollen es so schnell wie möglich", sagt Rangnick vor dem Ligastart unmissverständlich. "Die Erwartungshaltung von außen kann gar nicht größer sein als unsere eigene." 15,6 Millionen Euro hat RB Leipzig für seine Neuzugänge ausgegeben. Dazu kommen fünf Spieler vom Red-Bull-Stammklub aus Salzburg, für die Rangnick vor dieser Spielzeit keine Ablöse zahlen musste.

Der Marktwert der insgesamt zehn Neuen beträgt addiert über 22 Millionen Euro, der des gesamten Kaders knapp 40 Millionen. Die Zahlen dokumentieren die Ausnahmestellung, die Rangnicks Elf in der kommenden Saison in der Liga haben wird. "Das Niveau in der Mannschaft ist deutlich gestiegen", sagt auch der neue Kapitän Dominik Kaiser.

18 Millionen Euro - nur für die Gehälter

Doch es greift zu kurz, das Projekt RB Leipzig auf Millionen zu reduzieren. Rangnick überzeugte seine neuen Spieler nicht mit großen Gehältern; das gesamte Team verdiene nicht mehr als 18 Millionen Euro pro Jahr, heißt es aus RB-Kreisen. Kein Spieler - auch nicht Stürmerstar Davie Selke - bekomme deutlich mehr als eine Million Euro per annum. Spielern, die die strenge Gehaltshygiene gefährdet hätten, sagte Rangnick ab.

Bei einem Fantreffen gab Leipzigs Vordenker preis, dass er etwa Kevin Kampl aus Salzburg zu Borussia Dortmund ziehen ließ und nicht nach Sachsen lotste, weil der um deutlich mehr Gehalt pokerte. Dazu achtet Rangnick akribisch darauf, dass keine Berateragentur zu viel Einfluss auf seinen Kader bekommt. Höchstens zwei, maximal drei Spieler pro Agentur lautet seine Maxime.

RB-Leipzig-Profi Selke: Perspektive statt vieler Scheine
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Statt mit Scheinen lockte der Sportdirektor Akteure wie den Türken Atinc Nukan mit Entwicklungsperspektiven. Ein Nein kann Rangnick dabei nur schwer akzeptieren. Als Nukan bereits drei- oder viermal abgesagt hatte, flog Rangnick persönlich in die Türkei, um den 1,96-Meter-Mann in einem langen Gespräch umzustimmen und von Besiktas Istanbul loszueisen. Anfang Juli hatte Rangnick seinen Kader nahezu komplett, um sich hauptsächlich auf die Trainingsarbeit konzentrieren zu können.

Das Ziel des Mannes aus Backnang bei Stuttgart ist es nicht nur, Spieler für den laufenden Spielbetrieb zu entwickeln, sondern den Red-Bull-Klub auch für die kommenden Jahre vorzubereiten. Der neue Slogan "Jetzt für die Zukunft", mit dem Mitarbeiter in der Leipziger Arena drei Tage vor dem Start der neuen Runde den Teambus verzierten, passt gut dazu.

"Unser Fußball ist einzigartig"

Entwickeln sich die Talente wie geplant, kann Rangnick im Falle des Aufstiegs einen Großteil der Spieler auch in der Bundesliga oder gar für höhere Aufgaben gebrauchen. Einkalkuliert seien dabei auch die Regeln des Financial Fairplay, wie RB-Insider sagen. Falls Rangnicks Team in drei Jahren in der Europa- oder Champions League dabei sein sollte, müssen die Einnahmen die Ausgaben ausgleichen. Der Klubentwickler Rangnick, der seinen Vertrag kürzlich bis 2019 verlängert hatte, denkt mittel- und langfristig.

Ob Rangnick tatsächlich nur ein Jahr Trainer des Marketingklubs sein wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Bislang plant er noch, sich im kommenden Sommer wieder auf den Posten als Sportdirektor zu beschränken. "Ich glaube nach wie vor, dass es besser ist, wenn ich mich danach wieder voll auf das Amt als Sportdirektor konzentriere", sagt Rangnick. Neben seinem eigenem Befinden hängt die Entscheidung auch davon ab, ob RBL, anders als 2015, einen Wunschkandidaten für den Trainerjob verpflichten kann. Mit der Trainerfrage will sich Rangnick jedoch erst ab 1. Januar 2016 wieder beschäftigen.

Durch das neue 4-2-2-2-System mit zwei Stürmern und zwei extrem offensiven Mittelfeldspielern darf man Rangnicks Gegenpressing-Fußball schneller, kombinationsstärker und attraktiver erwarten als in der vergangenen Saison. "Unser Fußball ist in der Liga einzigartig", sagt Kapitän Kaiser.

Beim Auftakt gegen den FSV Frankfurt gehe es genau wie in der gesamten Saison nur darum, das vorhandene Potenzial annähernd abzurufen, sagte Ralf Rangnick jüngst auf einer Podiumsdiskussion. Gelingt das, dürfte sein Glückshormonlevel am Ende der Saison noch deutlich höher sein als aktuell.



insgesamt 101 Beiträge
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tom2373 24.07.2015
1. Na Kunststück, wenn man
15,6 Mios in neue Spieler investiert hat und der gesamte Rest der Liga sich gerade mal zusammengenommen 10,2 Millionen leisten konnte....
LauschenIstTerror 24.07.2015
2. Die falsche Überschrift
Seine Ziele sollte man nicht zu hoch stecken, sonst heißt die Schlagzeile: "Burnout, bald!"
ge1234 24.07.2015
3. Financial Fair Play?
So so, die Einnahmen müssen die Ausgaben decken! Ist ja auch nicht besonders schwer, wenn die Ausgaben bei RB Salzburg und nur die Einnahmen bei RB Leipzig verbucht werden!
thunderstorm305 24.07.2015
4. Das soll ein typischer Fußballverein sein?
Der Kader ist größer als der stimmberechtigte Teil der Mitglieder. Gerade einmal 14 Mitglieder stimmen bei einer Jahreshauotversammlung ab. Und dafür müssen sie schon mal 800 Euro an Mitgliedsbeiträgen zahlen. So hält man den Verein unter Kontrolle. Es gibt noch andere Fakten die eine Teilnahme des Vereins an der Bundesliga zweifelhaft erscheinen lassen. Hier versucht Red Bull einen weiteren Fußballverein aufzubauen. Spieler werden ablösefrei ausgeliehen, was natürlich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil erzeugt. So gesehen hoffe ich, dass dieser sogenannte Verein da bleibt wo er ist. Oder sogar absteigt.
mmmouse 24.07.2015
5. Retortenverein
Und die Fans von 35 anderen Vereinen (mindestens) drücken die Daumen, dass dieser Retortenhaufen auch dieses Jahr wieder scheitert. Vielleicht sollten es die Leipziger machen wie die Salzburger, und ihren vom Brausehersteller gekaperten Verein einfach neugründen.
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