Rauswurf japanischer Fußballzuschauer in Leipzig Love, Peace and Racism

Rassismus im Stadion: Eine Zuschauergruppe wurde bei einem Bundesligaspiel in Leipzig des Stadions verwiesen – offenbar nur, weil sie aus Japan kommt. Der Erklärungsversuch von RB Leipzig ist fragwürdig.
Choreografie der RB-Fans vor dem Spiel gegen Leverkusen

Choreografie der RB-Fans vor dem Spiel gegen Leverkusen

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Robert Michael/ dpa

Für das Bundesliga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Sonntag hatten die Fans von RB Leipzig eine Choreografie vorbereitet. Die Kurve präsentierte ein Herz, ein Peace-Symbol und, die Buchstaben "RBL" in Regenbogenfarben. Jeder sei bei RB willkommen, "unabhängig von Glaube, Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Identität", hieß es begleitend auf der Leipziger Website .

Was sich zu Beginn der Partie auf den Zuschauerrängen ereignete, war das Gegenteil dieser Message: Der Leipziger Sicherheitsdienst verwies eine japanische Reisegruppe aus dem Stadion, aus Sorge vor dem Coronavirus, hieß es. Diesen Vorfall bestätigte Leipzig inzwischen. Nur: Ob jemand mit Sars-CoV-2 infiziert ist, lässt sich nicht anhand von Erkältungssymptomen erkennen, weder von Medizinern noch von Fußball-Ordnern. Weil zudem rund um das Leverkusen-Spiel kein Fall bekannt geworden ist, in dem der Sicherheitsdienst weiße Zuschauer des Stadions verwies, liegt dieser Schluss nahe: In Leipzig wurde offenbar rein nach biologischen Merkmalen entschieden, dass die Gruppe gehen musste - und damit auf rassistische Weise. 

Menschen mit asiatischer Abstammung erleben seit dem Aufkommen des Coronavirus vermehrt Rassismus. Der Fall in Leipzig wirkt jedoch besonders gravierend. Hier tritt das Racial Profiling offen zutage. "Love, Peace and Racism" kommentierte der Journalist Andreas Rüttenauer bei Twitter.

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In einer RB-Stellungnahme hieß es, dass der Sicherheitsdienst angehalten gewesen sei, "Personengruppen gemäß den Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts (…) aus potenziellen Risikogebieten verstärkt zu kontrollieren." Leider sei "im Zuge der großen Verunsicherung, die aktuell auch bei uns um dieses Thema besteht, in der Auslegung gegenüber unseren japanischen Gästen ein Fehler unterlaufen." Konkret bezieht sich der Klub auf ein Papier  namens "Allgemeine Prinzipien der Risikoeinschätzung und Handlungsempfehlung für Großveranstaltungen". 

Doch diese Erklärung ist fragwürdig. Das Dokument, auf das RB sich bezieht, dreht sich nur an einer Stelle um die Region, aus der Menschen kommen. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um den Ausschluss von Personengruppen, sondern um die Risiko-Einschätzung im Vorfeld von Veranstaltungen. Ob "Menschen aus Regionen mit gehäuftem Auftreten von Covid-19-Fällen" bei einem Event zu erwarten seien, könne helfen, das Risiko im Vorhinein zu ermitteln. Eine Hilfe bei der Frage, ob eine Veranstaltung stattfinden oder abgesagt werden sollte. 

Den Ausschluss von Menschen aufgrund ihrer Herkunft gibt das Papier nicht her. Das RKI zählt mögliche Maßnahmen auf, um das Übertragungsrisiko zu verringern. Von einem Ausschluss ist aber nur einmal die Rede: als es um "Personen mit akuten respiratorischen Symptomen" geht, also Menschen, die unter Atemwegsbeschwerden leiden. Darauf, dass die Gruppe Japaner unter sichtbaren Symptomen litt, weist bislang nichts hin.

Eine SPIEGEL-Anfrage ließ RB unbeantwortet und kündigte eine zweite Stellungnahme an. Die kam am späten Montagabend . Dort hieß es, man habe sich bei der betroffenen Gruppe entschuldigt. Der Sicherheitsdienst habe falsch gehandelt. Man stehe für Toleranz und gegen Rassismus.

Nach SPIEGEL-Informationen handelte das Leipziger Sicherheitspersonal dabei keineswegs auf eigene Faust. Es setzte Anweisungen des Operating-Teams des Klubs um, die im Rahmen einer regulären Besprechung vor dem Leverkusen-Spiel gemacht wurden. Seither soll im Verein helle Aufregung herrschen. Die zweite Mitteilung darf man wohl als Versuch werten, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Noch etwas lässt RB schlecht aussehen. Die Personengruppen, die man aufgrund der RKI-Empfehlung verstärkt habe kontrollieren wollen, käme laut Leipzig "aus potenziellen Risikogebieten". Vier solche Risikogebiete  führt das RKI bislang an. Japan gehört nicht dazu.