Reaktionen zum Urteil "Dieses Urteil ist gerecht"

Enttäuschung in Berlin, Zustimmung in Düsseldorf: Nach dem DFB-Urteil zum Einspruch von Hertha BSC sind die Reaktionen wie erwartet verschieden. Aus der Politik kommt weitestgehend Zustimmung.

Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Fymuth: "Ich bin erleichtert und froh"
DPA

Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Fymuth: "Ich bin erleichtert und froh"


Christoph Schickhardt (Anwalt Hertha BSC): "Alle haben gesehen, dass das ein irreguläres Spiel war. Das war am Ende kein Fußballspiel mehr. Das Gericht hat von einem positiv besetzten Platzsturm gesprochen. Das ist ein lustiger Begriff für das, was wir gesehen haben. In diesem Urteil und in diesem Verfahren hat das Sportgericht nicht den selbstgebildeten Ansprüchen genügt."

Peter Frymuth (Fortunas Vorstandsvorsitzender): "Ich bin erleichtert und froh, dass die Spielwertung, so wie ausgetragen, bestehenbleibt. Für mich war für das Urteil die Klarheit der Schiedsrichteraussagen entscheidend. Aus unserer Sicht ist dieses Urteil gerecht."

Paul Jäger (Fortunas Finanzvorstand): "Das Urteil geht in die richtige Richtung, die Tendenz ist korrekt. Aber vor Gericht und auf hoher See bist du allein in Gottes Hand. Das gilt auch in der Berufung. Auf den Verein kommt natürlich was zu. Es gab ja harsche Kritik am Ordnungsdienst. Da ist ja was dran. Das Problem ist, dass unsere Fans sich zwar gefreut haben, aber leider zu früh. Wir haben einen hochprofessionellen Ordnungsdienst, und von daher gehe ich davon aus, dass wir das in den Griff bekommen."

Marco Reus (Deutscher Nationalspieler): "Was in Düsseldorf passiert ist, war schon extrem überflüssig. Solche Szenen hat es im deutschen Fußball noch nie gegeben. Natürlich ist es klar, dass die Freude riesig ist, dass der eigene Verein nach unzähligen Jahren wieder in die erste Liga aufsteigt. Aber das ist noch lange kein Grund, um so auszurasten. Da sind ja Väter mit ihren zehn-, elfjährigen Söhnen aufs Feld gelaufen. Die sollten doch eigentlich Vorbilder für ihre Kinder sein und ihnen nicht noch helfen, solche Grenzen zu brechen. Die Kinder wussten teilweise gar nicht, wie ihnen geschah, ihre Väter haben sie einfach an der Hand auf den Rasen gezogen. Das ist echt unverantwortlich und irre. Das schadet ja nicht nur dem Fußball, sondern auch der Gesellschaft."

Klaus Riegert (CDU-Sprecher im Sportausschuss des Deutschen Bundestags): "Ich würde mir generell wünschen, wenn solche Spiele auf dem Rasen und nicht am grünen Tisch entschieden werden. Es ist ärgerlich, dass einige Fans den Schlusspfiff nicht abwarten konnten. So ein juristisches Urteil hat immer einen Beigeschmack. Ich glaube nicht, dass Herthas Gang vor das Bundesgericht Erfolg haben wird."

Martin Gerster (SPD-Sprecher im Sportausschuss des Deutschen Bundestags): "So gerne ich in der Hauptstadt weiterhin einen Bundesliga-Club gesehen hätte, so sehr respektiere ich dieses Urteil. Nachdem der Schiedsrichter von einigen Hertha-Spielern tätlich angegriffen wurde, ist eine neue Diskussion über die Grundwerte des Sports wie Fairness und Sportsgeist unverzichtbar."

Viola von Cramon (Grünen-Sprecherin im Sportausschuss des Deutschen Bundestags): "Dass der Einspruch von Hertha BSC Berlin abgewiesen wurde, nehme ich zur Kenntnis. Die Einzelheiten weiß das Sportgericht am besten zu beurteilen. Die Antwort kann jetzt nicht Kriminalisierung der Fans durch noch mehr Videotechnik und zudem mehr Polizei heißen. Sondern Prävention."

Eberhard Gienger (CDU-Vertreter im Sportausschuss des Deutschen Bundestags): "Meine persönliche Meinung war ursprünglich, dass das Spiel wiederholt werden sollte. Hertha wurde durch den Spielabbruch aus dem Rhythmus gebracht und benachteiligt. Allerdings glaube ich auch, dass sich das wohl aggressive Auftreten einiger Hertha-Spieler gegenüber Schiedsrichter Wolfgang Stark negativ ausgewirkt hat."

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doc 123 21.05.2012
1. Natürlich....
Zitat von sysopDPAEnttäuschung in Berlin, Zustimmung in Düsseldorf: Nach dem DFB-Urteil zum Einspruch von Hertha BSC sind die Reaktionen wie erwartet verschieden. Aus der Politik kommt weitestgehend Zustimmung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,834275,00.html
.. ist dieses Urteil richtig (gerecht, was ist das denn für ein Ausdruck). Einzige Konsequenz kann doch wohl künftig NUR sein, diese letztlich abstrusen Entscheidungsspiele über Auf- und Abstieg wieder abzuschaffen. Hertha BSC gehörte schon alleine auf Grund der fussballerischen Qualität, die über eine ganze Saison nachgewiesen wurde, in die 2. Liga. Ansonsten kann man NUR immer wieder darauf hinweisen, dass es schon abstrus anmutet, dass die Emotionalität im Fussball einerseits gewünscht wird, denn sonst wäre schon längstens ein Videobeweis etc. zur Objektivierung von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter etc. eingeführt worden. Will man aber nicht. Dann werden sämtliche Stadien in Fussballstadien umgebaut, um den Fan auch NUR nahegut an das Spiel/die Spieler heranzubringen. Ohne Zäune, ohne Laufbahn und dann wundert man sich, dass die Fans ihrer Emotionalität freien Lauf lassen und ungehemmt aufs Spielfeld stürmen, in einer, gerade in der Aufstiegssaison äußerst emotionalen Situation. Düsseldorfs Fans sind keine Hooligans sondern offensichtlich echte Edelfans und wenn es den DFB- und DFL-Verantwortlichen nicht einmal gelingt, Maßnahmen zu ergreifen, die JEDEM erkenntlich machen, das ein Spiel tatsächlich zu Ende ist, dann gehörten diese Verantwortlichen entsprechend abgestraft und nicht der "normale" Fan. Glückwunsch an Düsseldorf für den Aufstieg!
spon-facebook-10000070594 21.05.2012
2. Verursacher Fortuna Düsseldorf
Einzig und alleine der Veranstalter, und dies ist hier Fortuna Düsseldorf trägt die Verantwortung für dieses Dilemma. Der Verein hätte dafür sorgen müssen,dass die Zuschauer nicht auf den Platz ,und schon gar nicht vorzeitig rennen. Bestraft wurde aber Hertha BSC. Was soll nun daran gerecht sein ?
Konradii 21.05.2012
3. Eine sportliche Entscheidung!
Zitat von sysopDPAEnttäuschung in Berlin, Zustimmung in Düsseldorf: Nach dem DFB-Urteil zum Einspruch von Hertha BSC sind die Reaktionen wie erwartet verschieden. Aus der Politik kommt weitestgehend Zustimmung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,834275,00.html
Das größte Meisterschaftsfinale war? Richtig, als 2001 Schalke Deutscher Meister wurde, nachdem in Hamburg die HSV-Fans nach 90 Minuten den Platz gestürmt hatten, um zu feiern, dass Barbarez den Bayern die Meisterschaft versaut hat... Große Erfolge auf internationaler Ebene? Richtig, jeder erinnert sich noch an den CL-Sieg der Bayern 1999 und gerade erst vor ein paar Tagen 2012. Beide male wurden die Partien nachdem Bayern-Fans friedlich den Platz gestürmt hatten für 20 Minuten unterbrochen. Nachdem die Partien dann für 90 Sekunden wiederangepfiffen wurden, ist nichts mehr passiert... Die letzten Minuten eines Fußballspiels haben eigentlich keine Bedeutung. Wollen wir uns wirklich damit zufrieden geben, dass Fans darüber entscheiden, ob wir eine spektakuläre Schlußphase erleben? Wäre Düsseldorf heute ohne das Eingreifen der Fans "nur" der "Aufsteiger der Herzen". Wir wissen es nicht...das Spiel wurde nicht sportlich beendet. Der Sport wurde durch die Entscheidung des Sportgerichts (mal wieder) mit Füßen getreten. Dabei ist dafür doch eigentlich der Ball da.
haltetdendieb 21.05.2012
4. Anderer Prozess - anderer Raum
"Allerdings glaube ich auch, dass sich das wohl aggressive Auftreten einiger Hertha-Spieler gegenüber Schiedsrichter Wolfgang Stark negativ ausgewirkt hat." Ich glaube leider auch, dass es wie Herr Gienger meint hier eine Vermischung verschiedener Fakten gab bei der Urteilsfindung. Dass die Hertha-Spieler die Pfeife, im wahrsten Sinne des Wortes, beleidigt haben, hatr nichts mit der Situation auf dem Platz zu tun. "Ein positiv besetzter Platzsturm". Das wäre es dann auch wenn Pauli-Hooligans die Tribüne der Rechten Rostocker stürmen! Ein in Augen des DFB Sportgerichts "positiver Platztsturm", da der DFB sich in einer großen Kampagne gegen Rassismus wendet. Da sind die Richter wohl ins Tüddeln gekommen und haben einiges durcheinander gebracht, sach ich ma so naiv!
Bob Andrews 21.05.2012
5.
Zitat von spon-facebook-10000070594Einzig und alleine der Veranstalter, und dies ist hier Fortuna Düsseldorf trägt die Verantwortung für dieses Dilemma. Der Verein hätte dafür sorgen müssen,dass die Zuschauer nicht auf den Platz ,und schon gar nicht vorzeitig rennen. Bestraft wurde aber Hertha BSC. Was soll nun daran gerecht sein ?
Inwiefern wurde Hertha denn bestraft? Waren es nicht Hertha-Fans, die vorher Spieler, Schiedsrichter und Ordnungskräfte tätlich angegriffen und mit Bengalos beworfen haben. Hertha wäre bestraft worden (allerdings regelkonform), wenn der Schiedsrichter nach diesen Angriffen in der 60. Minute, also nach dem 2:1 für Düsseldorf, das Spiel abgebrochen und für Düsseldorf gewertet hätte. So aber hatten die Hertha Spieler noch alle Zeit bekommen, die ihnen zustand, um das Spiel noch herumzureissen. Dass diese dazu nicht in der Lage waren, ist genausowenig das problem des Schiedsrichters, wie die Tatsache, dass die Fortuna-Spieler durch die Bengalo-Angriffe der Hertha-Fans aus dem Spielfluss gebracht und um weitere Chancen beraubt wurden.
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