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Götze-Wechsel zum FC Bayern Angriff aus München

Mario Götze in Lederhosen: Borussia-Dortmund-Manager Watzke reagiert säuerlich auf den Abgang seines Top-Talents. Er sieht die systematische Schwächung der Konkurrenten als Strategie der Bayern - und will jetzt wenigstens Lewandowski halten.

Hamburg - Der Seitenhieb folgte am Ende. "Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben", kommentierte Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, den Wechsel von BVB-Profi Mario Götze zum FC Bayern. Die Pressemitteilung endete mit den Worten: "Vom FC Bayern München hat sich bis zum heutigen Tag in dieser Angelegenheit kein Offizieller bei Borussia Dortmund gemeldet."

Es klang, als seien die Dortmunder nicht wirklich glücklich mit dem Vorgehen des FC Bayern, zumal sie das größte Talent des deutschen Fußballs verlieren. Watzke, der sich dem Vernehmen nach beim Transfer von Marco Reus zum BVB übrigens auch nicht bei dessen vorherigem Club Borussia Mönchengladbach gemeldet haben soll, sieht im Götze-Transfer ein System der Münchner: "Ich glaube, dass Bayern seit vielen Jahren das gleiche Erfolgsschema verfolgt. Dazu gehört auch, den Konkurrenten zu schwächen", sagte Watzke der "Sport Bild".

Der BVB-Boss versicherte: "Wir kalkulieren Angriffe aus München ein. Allen Solidaritätsaussagen zum Trotz. Wir versuchen uns aber mit unseren Mitteln zu wehren. Unsere Spieler müssen dann entscheiden, welcher Verein das bessere Paket darstellt", sagte der 53-Jährige, ist sich jedoch auch sicher: "Bayern wird weiter an die Top-Talente herangehen."

In Dortmund hoffen sie, dass zumindest Torjäger Robert Lewandowski, an dem der FC Bayern auch interessiert ist, noch eine Saison gehalten werden kann. "Es ist mein absoluter Wunsch, dass er nächste Saison beim BVB spielt", sagt Watzke. Der Vertrag des Polen läuft nach der kommenden Saison aus. Lewandowski hat bereits angekündigt, spätestens dann den BVB verlassen zu wollen.

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Für Horst Heldt, Manager von Dortmunds Erzfeind Schalke 04, kommt der Wechsel von Götze nicht unerwartet. "Für mich ist das keine Überraschung. Damit habe ich gerechnet." Dass die Bayern nun noch dominanter werden könnten, ist für Heldt keineswegs gesagt: "Es können immer nur elf Spieler spielen. Und die jetzt dabei sind, sind auch schon gut."

Mit gemischten Gefühlen hat Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, auf den Transfer reagiert. "Aus Sicht des FC Bayern halte ich das für eine geniale Idee, weil Mario Götze das größte deutsche Fußballtalent ist. Wenn ich Verantwortlicher bei Bayern wäre, hätte ich das auch gemacht", sagte Bruchhagen, gab aber auch zu bedenken: "Aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga geht der Transfer aber nicht ganz konform mit den zuletzt geäußerten Gedanken von Uli Hoeneß." Damit spielt auf die vom Bayern-Präsidenten geäußerte Sorge vor spanischen Verhältnissen an, also die Dominanz von zwei Clubs - Bayern und Dortmund - in der Bundesliga.

Vor anderthalb Jahren hatte Watzke noch gesagt, für "kein Geld der Welt" werde man Götze verkaufen. Das war im September 2011, der FC Arsenal hatte damals gerade 40 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler geboten. Nur ein paar Monate später, im April 2012, verlängerte Götze seinen Vertrag vorzeitig bis 2016, darin festgeschrieben war eine Ausstiegsklausel, sofern ein Club 37 Millionen Euro für Götze hinblättert. Der FC Bayern wird sicherlich pünktlich zahlen.

ham/sid/dpa