Real-Stürmerstar Benzema Der kleine Zidane

Fünf Jahre Real Madrid, fünf Jahre Zweifel - dann der Durchbruch: Karim Benzema hat etwas länger gebraucht für seine Wandlung vom Sorgenkind zum Superstar. Den Karrieresprung hat der Franzose einem großen Landsmann zu verdanken.

REUTERS

Von


SPIEGEL ONLINE Fußball
Was soll man nur von diesem Karim Benzema halten? Es gibt im Weltfußball wohl nur wenige Spieler, über die sich Fußballfans in den vergangenen Jahren so herrlich zerstreiten konnten. Hoffnungslos überschätzt? Einer der besten Stürmer der Welt? Irgendwas dazwischen? Benzema hat fünf Jahre lang bei Real Madrid die Antwort offengelassen. Um sie in dieser Spielzeit zu geben.

Madrid sieht derzeit den besten Karim Benzema, den es bislang gab. 17 Treffer in 31 Ligaspielen, vier Tore in der Champions League - Benzema gehört zu den wenigen im Real-Kader dieser Spielzeit, die bisher alle Partien in der Primera Division mitgemacht haben. Wenn Superstar Cristiano Ronaldo im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals bei Borussia Dortmund (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) tatsächlich verletzungsbedingt fehlen sollte, setzen sie bei Real an diesem Dienstag vor allem auf den Franzosen. Und sie können es erstmals in fünf Jahren ruhigen Gewissens tun.

Der 26-Jährige hat in dieser Saison den vielleicht größten Leistungssprung unter all den Real-Stars gemacht. Und das hat er vor allem einem Landsmann zu verdanken. Einem, der so war, wie Benzema ist.

"Zidane ist wie ein großer Bruder zu mir"

"Zinedine Zidane ist der Schlüssel zu meinem Erfolg, er ist wie ein großer Bruder zu mir", hat Benzema in einem Interview mit uefa.com begründet, warum es so gut bei ihm läuft. Zidane, der wohl größte Fußballer, den Frankreich je hatte. Trotz eines Michel Platini, trotz eines Just Fontaine. Zidane, der wie Benzema algerische Wurzeln hat, aus ähnlichen Verhältnissen stammt, der weiß, wie es ist, wenn plötzlich der große Ruhm da ist. Ein Schweiger wie Benzema. Und einer, der aus eigener Erfahrung Verständnis dafür hat, wenn ein Spieler hin und wieder ausrastet.

Zidane, einst der Galaktischste unter den Galaktischen in Madrid um David Beckham und Luís Figo, ist seit dieser Saison Assistenzcoach von Cheftrainer Carlo Ancelotti mit der klaren Maßgabe, sich auch um Benzema zu kümmern. Der Stürmer hatte sich im Lauf seiner Madrider Jahre das Image des Sorgenkindes zugelegt. Zwar hat er Jahr für Jahr zuverlässig Tore gemacht - 55 waren es in vier Jahren bis zum Beginn dieser Spielzeit -, aber Benzema hatte die Aura eines unerfüllten Versprechens.

Für 35 Millionen Euro hatte ihn Real 2009 von Olympique Lyon losgeeist, Benzema war damals 21 Jahre jung und schon Torschützenkönig in Frankreich, hatte schon vier französische Meisterschaften erlebt, Profi in der Ligue 1 wurde er mit 17, Nationalspieler mit 19. Ein Jahrhunderttalent hatte man an der Angel, da war man sich in Madrid sicher.

Keiner, der die Spielfelder beherrscht, die er betritt

Was dann kam, hat rund um Bernabéu manche enttäuscht. Benzema wurde nicht der Wunderstürmer, den man in ihm sehen wollte. Er wurde keiner, der die Spielfelder in Europa beherrscht, wenn er sie betritt. Kein Ibrahimovic, kein Ronaldo. Nur ein Mittelstürmer, der Tore erzielt.

Benzema war nie ein Spieler, der es verstanden hat, sich außerhalb des Platzes gut zu verkaufen. Schüchtern wirkt er, in sich gekehrt, ein groß gewordener kleiner Junge, einer, der die Medien scheut. Noch mehr, seit er 2010 gemeinsam mit seinem Landsmann Franck Ribéry in die Affäre um eine minderjährige Prostituierte geriet. Schlagzeilen machte er zudem, als er in Madrid mit seinem Auto von der Polizei gestoppt wurde. In einer Zone, wo Tempo 100 erlaubt ist, war er mit 216 Stundenkilometern erwischt worden. Es gab bei Real Anlass, sich um Karim Benzema zu sorgen.

Unter Trainer José Mourinho pendelte Benzema zudem zwischen Platz und Ersatzbank hin und her. Der Portugiese rotierte in der Stürmerfrage, brachte mal Benzema, mal dessen argentinischen Konkurrenten Gonzalo Higuain. Erst als Mourinho weg war und auch Higuaín den Club Richtung Neapel verlassen hatte, bekam Benzema den Raum und das Vertrauen, groß aufzuspielen.

Sein zurückhaltendes Temperament, das ihm lange im Wege stand, hilft ihm jetzt, die Rolle neben Alpha-Stürmer Cristiano Ronaldo zu finden. Benzema lässt Ronaldo nach wie vor glänzen, er nimmt ihm nichts weg. Im Gegenteil: Der Franzose tut, was er in den vergangenen Jahren eher ungern betrieb. Er ackert auch außerhalb der Strafräume, hat das Kombinationsspiel entdeckt. Mal legt er Ronaldo die Bälle vor, mal ist es umgekehrt.

Mourinho hat über Benzema mal den Satz gesagt, der Franzose sei "kein Hund, er ist eine Katze", was durchaus abwertend gemeint war. Ein Schleicher im Strafraum, kein Beißer. Der sich elegant verdrückt, wenn es wehzutun droht. Statt die Zähne zu fletschen.

Zidane hat Benzema das Bellen beigebracht.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kahabe 08.04.2014
1. Falls
es denn heute Abend für "uns" sowas wie einen Ansatz von einem Wunder geben würde, wäre es Benzema, der es im Ansatz zerstört. Eben nicht CR 7, falls er denn spielt. Da kann der Lewan dann noch so viele Tore schießen.
stürmisch 08.04.2014
2.
Bei der Anzahl an Chancen sind die 17 Saisontore eher mager. Des Weiteren nimmt er sehr wohl Ronaldo einiges weg. Er spielt zu egoistisch und zerstört einige Spielsituationen. Natürlich ist er ein Top-Stürmer, aber der beste Mittelstürmer ist zurzeit Luis Suarez und diesen möchte ich auch nächste Saison bei Real Madrid sehen. PS: Khedira sollte sich einen neuen Verein suchen. An dem vorhandenen Spielermaterial für das Mittelfeld kommt er nicht mehr vorbei.
phenomen 08.04.2014
3. Nein...
...Nein,nein,nein,nein. Bitte vergleicht einen Spieler nicht mit einem der Größten aller Zeiten (für viele sogar DER Größte) nur weil er in dieser Saison mal KONSTANT gut spielt. Spätestens wenn er sich bei der WM das blaue Trikot überziehen wird, wird er wieder enttäuschen.
widower+2 08.04.2014
4. Nein!
Zitat von stürmischBei der Anzahl an Chancen sind die 17 Saisontore eher mager. Des Weiteren nimmt er sehr wohl Ronaldo einiges weg. Er spielt zu egoistisch und zerstört einige Spielsituationen. Natürlich ist er ein Top-Stürmer, aber der beste Mittelstürmer ist zurzeit Luis Suarez und diesen möchte ich auch nächste Saison bei Real Madrid sehen. PS: Khedira sollte sich einen neuen Verein suchen. An dem vorhandenen Spielermaterial für das Mittelfeld kommt er nicht mehr vorbei.
Der beste Mittelstürmer ist derzeit Radamel Falcao! Und den bekommt Real nicht!
koka_banana 08.04.2014
5. Der momentan
beste Stürmer heisst Diego Costa. Sonst wär Athletico Madrid nicht Tabellenführer in Spanien. Khedira ist sowieso der ÜBERBEWERTETE Mittelfeldspieler der Welt. Der hat noch nie was bei Real Madrid zu suchen gehabt. Real braucht keine neuen Spieler, da müssen nur die Legionärs Egos in Einklang gebracht werden
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.