Real gegen Atlético Ellbogen- und Erbsenzählerei

Ein schönes Spiel war das wahrlich nicht. Immerhin fand das Madrider Stadt-Duell mit Real am Ende einen verdienten Sieger. Nur in puncto Ellbogen konnte Atlético wirklich mithalten.
Siegtorschütze Hernández (l.): Vor der Verlängerung bewahrt

Siegtorschütze Hernández (l.): Vor der Verlängerung bewahrt

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Ausgangslage des Spiels: Siebenmal hat Real Madrid in dieser Saison versucht, den Stadtrivalen zu schlagen. Siebenmal hat das nicht geklappt. Und da waren Karim Benzema, Luka Modric, Gareth Bale und Marcelo mit von der Partie. Alle fehlten im Rückspiel. Ziemlich viele Vorteile also für die begnadeten Zerstörer von Atlético.

Ergebnis des Spiels: 1:0. Für Real. Javier Hernández erzielte in der 88. Minute den Siegtreffer und bewahrte das Publikum dankenswerterweise vor einer Verlängerung. Dass der kleine Mexikaner auf den Spitznamen Chicharito hört und dies auf Deutsch 'kleine Erbse' bedeutet, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, weil es immer Erwähnung findet, wenn es um den 26-Jährigen geht. Sky-Kommentator Marcel Reif machte aus der Erbse zwar versehentlich eine Bohne, aber das interessiert im Grunde ja auch nicht die Erbse.

Die erste Halbzeit: Im Gegensatz zum Hinspiel floss kein Blut, sodass man sich auf das Zählen der Ellbogen-Attacken konzentrieren konnte. Torchancen gab es auch, nämlich eine. Cristiano Ronaldo scheiterte am starken Gäste-Torwart Jan Oblak. Atlético hielt sich weitgehend in der eigenen Hälfte auf.

Die zweite Halbzeit: Wie die Erste. Nur am Ende mit einem Tor. Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych hatte zuvor noch Atlético-Offensivmann Arda Turan mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Der Türke hatte gleich zweimal dermaßen ungeschickt dazwischengelangt, dass dem Referee keine Wahl blieb. Hätte Turan seinen Ellbogen benutzt, wäre er wohl unbeschadet davon gekommen. Brych sah diese Attacken nicht als gelbwürdig an. Also: Finaler Ellbogen-Count 2:4. Die einzige Statistik, in der Atlético am Ende vorne lag.

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Szene des Spiels: Da auf dem Platz nicht so extrem viel passierte, verlagert sich die Szene des Spiels an die Seitenlinie. Wie Real-Trainer Carlo Ancelotti im intimen Zwiegespräch mit seinen Spielern die Hand vor den Mund hielt, um der Armada von Lippenlesern keine Chance zu geben, ist schon eindrucksvoll. Schadet aber seinem Coolness-Faktor.

Bester Mann des Spiels: Wahrscheinlich Marcel Reif. Dessen Laune von Minute zu Minute sank. Ein klassisches Marcel-Reif-Spiel, wenn sich der Reporter vom fehlenden Niveau der Partie persönlich beleidigt fühlt. Dann ist der Sky-Mann in Hochform.

Simeone des Spiels: Das war schon ein wenig enttäuschend. Normalerweise ist der Atlético-Coach ein Zappelphilipp an der Seitenlinie, der gegnerische Coach und der Vierte Offizielle sind seine natürlichen Feinde. Aber diesmal blieb ihm angesichts der fast durchweg passiven Vorstellung seines Teams nur wie der Mutter des Zappelphilipps: stummes Entsetzen.

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Abwesender des Spiels: Ohne Luka Modric, der Real wohl auch im Halbfinale nicht zur Verfügung steht, fehlt dem Real-Spiel das Frühlingshafte, die Leichtigkeit. Das kann, mit Verlaub, auch Toni Kroos nicht auffangen. Der mühte sich immerhin um Struktur, aber das darf man von einem Weltmeister ja auch verlangen.

Duell des Spiels: Torwart Oblak gegen elf Königliche. Im Hinspiel hat er die Real-Stürmer zur Verzweiflung gebracht, diesmal hielt die Oblak-Aura nur 88 Minuten. Dennoch: Der Slowene hat sich mit diesen beiden Spielen in der Fußballwelt nachhaltig in Erinnerung gebracht.

Zitat des Spiels: "Man kennt sich, man schätzt sich, man haut sich auf die Socken." Reifs Spielbilanz. Dem ist wenig hinzuzufügen.

Erkenntnis des Spiels: Real Madrid steht wieder einmal im Halbfinale. Und die Bayern sollten nach diesem Abend für die Runde der besten Vier eher den FC Barcelona fürchten als den Titelverteidiger. Wahrscheinlich verlieren sie dann gegen Juventus Turin.