SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. September 2004, 15:58 Uhr

Real Madrid

Coach Camacho will nicht mehr

Wer dachte, für Real Madrid könnte es nach dem 0:3-Debakel in Leverkusen nur noch aufwärts gehen, hat sich geirrt. Auch das Ligaspiel bei Espanyol Barcelona ging verloren. Beide Real-Torhüter verletzten sich, zwei Spieler wurden vom Platz gestellt, Ronaldo verschoss einen Elfmeter - dann bot Coach Camacho seinen Rücktritt an.

Real-Stars Ronaldo (r.) und Owen: "In dieser Mannschaft steckt kein Leben mehr"
AFP

Real-Stars Ronaldo (r.) und Owen: "In dieser Mannschaft steckt kein Leben mehr"

Barcelona - Drei Tage nach der Champions-League-Pleite in Leverkusen verlor Real Madrid auch sein Punktspiel der Primera División bei Espanyol Barcelona mit 0:1. Trainer José Antonio Camacho wirkte ratlos, nachdem seine personellen Umstellungen nicht zum Erfolg geführt hatten. Raúl und David Beckham wurden auf die Ersatzbank verbannt, während Zinedine Zidane und Luis Figo wegen Verletzungen fehlten.

"In dieser Mannschaft steckt kein Leben mehr", zog das Sportblatt "As" ein bitteres Fazit, "wenn Camacho so weitermacht, wird er nicht mehr lange bleiben." "Die Medizin war schlimmer als die Krankheit", urteilte die Zeitung "ABC" über das Rezept Camachos. Das Sportblatt "Marca" sieht das Team "in einem freien Fall ins Leere".

Dabei hatte unter dem neuen Trainer alles anders werden sollen. Camacho, in seiner aktiven Zeit ein eisenharter Verteidiger, sollte den müden Stars Beine machen. Er repräsentiert das Gegenteil des gescheiterten Vorgängers Carlos Queiroz: Camacho läuft an der Seitenlinie auf und ab, er schreit, schwitzt und gestikuliert, während der Portugiese sich allenfalls schweigend den Schlipsknoten zurecht rückte.

Der Habitus des Trainers scheint jedoch die einzige Änderung bei Real zu sein. Auf dem Platz unterscheidet sich die Mannschaft in nichts von dem Team, das am Ende der Vorsaison ein Spiel nach dem anderen verlor und alle Titel verspielte. Bei Espanyol war Real nach dem 0:1 durch Maxi (41.) nur noch darauf aus, ein Debakel wie in Leverkusen abzuwenden.

Die Partie im Olympiastadion von Barcelona hatte für Real von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden. Torwart Iker Casillas verstauchte sich beim Aufwärmen einen Finger und musste durch César ersetzt werden. Dieser parierte zwar zwei Elfmeter, aber bei einer Parade verletzte er sich am Knie, musste jedoch bis zum Abpfiff durchhalten. In der 50. Minute verschoss auch Ronaldo einen Strafstoß. Der zwölf Millionen Euro teure Einkauf Michael Owen enttäuschte bei seinem ersten Spiel von Anfang an völlig und wurde nach einer Stunde gegen Fernando Morientes ausgewechselt.

"Dieses Spiel war eine Ansammlung von Fehlern und verpassten Chancen. Es wurde reichlich Blödsinn gemacht", kommentierte Camacho verbittert. Auch auf seinen 25 Millionen Euro teuren Verteidiger Walter Samuel war der Coach nicht gut zu sprechen. Der Argentinier wurde in der 74. Minute nach wiederholtem Foulspiel vom Platz gestellt. Zu allem Überfluss leistete sich Michel Salgado in der Nachspielzeit noch eine Tätlichkeit gegen Ivan de la Pena und sah ebenfalls die Rote Karte.

Der spanische Radiosender "Cadena Ser" berichtete, dass Camacho noch am Abend der Niederlage seinen Rücktritt anbot. Reals Präsident Florentino Perez lehnte die Annahme der Demission jedoch ab und bat den ehemaligen Nationalspieler, seinen Entschluss zu überdenken. Camacho war bei seiner ersten Amtsübernahme 1998 nach nur drei Wochen wegen Differenzen mit dem damaligen Präsidenten Lorenzo Sanz zurückgetreten.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung