Künftiges Frauenteam von Real Madrid Die Bald-Galaktischen

In Spanien wächst das Interesse am Fußball der Frauen, nur ein Klub fehlte bislang: Real Madrid. Der Einstieg des Rekordmeisters steht nun bevor, erste Stars wurden verpflichtet. Die Erwartungen sind enorm.

Auf dem Weg nach Madrid: Die Schwedinnen Sofia Jakobsson (l.) und Kosovare Asllani
Robert Cianflone Getty Images

Auf dem Weg nach Madrid: Die Schwedinnen Sofia Jakobsson (l.) und Kosovare Asllani

Von Florian Haupt, Barcelona


Der Name des spanischen Fußballerstligisten aus Madrid heißt übersetzt so viel wie SC Hacke, und sein Wappen zeigt einen Fußballschuh mit Stilettoabsatz. Noch. Denn bald wird CD Tacón nicht mehr CD Tacón heißen, sein Emblem wird keinen stilisierten Schuh mehr zeigen, sondern das Logo von Real Madrid.

Seit Jahren wurde Reals Präsident Florentino Pérez gedrängt, ein Frauenteam zu gründen. Nach dem Zuschauerrekord bei der Partie zwischen Atlético Madrid und dem FC Barcelona im vergangenen März (60.739 Fans) und dem Aufstieg der spanischen Nationalelf zu relevanter Größe mit etlichen Jugendtiteln fehlte nur noch der Klub der Klubs zum neuen Glück von Spaniens Fußballerinnen.

Vergangene Saison gelang Tacón im fünften Jahr seines Bestehens der Aufstieg in die erste spanische Liga. Es wird wohl bloß noch ein weiteres Jahr dazukommen. Wären die Statuten nicht, könnte Real ab sofort an den Start gehen, doch die nächste Mitgliederversammlung im Herbst muss dem Kauf von Tacóns Lizenz noch zustimmen. Angesichts der Allmacht von Pérez ist das reine Formsache, eine nennenswerte Opposition im Verein gibt es nicht mehr.

Die ersten Galácticas wurden bereits verpflichtet

Schon jetzt trainiert die Mannschaft auf Reals Trainingscampus im Vorort Valdebebas. Auch die ersten Galácticas sind verpflichtet. Unter anderem die schwedischen WM-Dritten Kosovare Asllani und Sofia Jakobsson haben unterschrieben, dazu Thaisa, die bei der WM im Achtelfinale für Brasilien gegen Frankreich ein Tor erzielte. Zum Ligaauftakt debütieren sie am 8. September gleich beim FC Barcelona.

Bereits seit diesem Montag kickte Tacón jedoch mit den Teams von Real Betis, Athletic Bilbao und Tottenham Hotspur um die Trofeo Carranza im südspanischen Cádiz, das Spiel gegen Athletic endete 0:1. Die Teilnahme allein verrät viel über Spaniens gewachsene Liebe zum Fußball der Frauen, denn das Carranza ist eines der ältesten und populärsten Sommerturniere des Landes - wurde aber bisher immer mit Männerteams gespielt.

Real selbst hat es sechsmal gewonnen, Barça dreimal, Atlético zehnmal, auch Benfica Lissabon und brasilianische Topvereine wie Flamengo oder Corinthians stehen in der Siegerliste. Dass die 65. Ausgabe nun Barrieren bricht, mag einerseits davon begünstigt werden, dass Cádiz, Spaniens Karnevalhochburg, eine progressive Stadtregierung hat. Liegt andererseits aber auch am Budget, wie Stadtrat David Navarro der "Marca" erklärte: "Im heutigen Fußballbusiness werden Millionen für Testspiele außerhalb Europas kassiert. Bei solchen Gagen kann Cádiz nicht mehr mithalten."

Sogar von Betrug ist die Rede

Stichwort "Gagen": Wie das Portal "El Confidencial" zuletzt mehrfach berichtete, soll Tacón vergangene Saison mindestens 14 Spielerinnen ihre Monatsgehälter zwischen 300 und 1600 Euro vorenthalten haben. Sogar von Betrug ist die Rede, weil sie laut Vertrag bei der Sozialversicherung angemeldet gewesen sein sollten, was in Wirklichkeit nicht geschehen sei. Als die Spielerinnen die Missstände bei der Gewerkschaft AFE anzeigten, habe diese zunächst den standesgemäßen Rechtsbeistand angeboten, doch zu vertuschen und abzuwiegeln begonnen, als der vom spanischen Fußballverband gewünschte Einstieg Real Madrids absehbar wurde.

Manchen Spielerinnen sei sogar gedroht worden, sie würden in der königlichen Zukunft des Klubs keine Rolle spielen, sollten sie ihre Klagen aufrechterhalten. Es sei zu bezweifeln, so "El Confidencial", dass Pérez sich für Tacón entschieden hätte, wäre er über diese Vorgänge in Kenntnis gewesen.

Tacón hat diese Vorwürfe bis heute nicht kommentiert, so wie die Verantwortlichen ohnehin just ab dem Moment aus der Öffentlichkeit verschwanden, als die Neugier durch die Übernahmevereinbarung mit Real am größten wurde. Eine Spielerin soll bislang zumindest einen Großteil ihres Gehalts bekommen haben; ob die angeblichen Schulden bei den restlichen Spielerinnen inzwischen beglichen sind, ist nicht bekannt. Pressekonferenzen gab es nicht, die Internetseite ist im Umbau, alle Verpflichtungen wurden nur kurz über die sozialen Netzwerke angekündigt.

Die "Galácticas" selbst waren da mitteilungsfreudiger, auf ihren persönlichen Seiten feierten sie sich als Spielerinnen von Real Madrid, die sie noch gar nicht sind. "Eine große Ehre, Teil des größten Klubs der Welt zu sein", schrieb Jakobsson zu einem Foto von sich im weißen Leibchen. Auch Asllani posierte in Blütenweiß und schrieb: "Ein Traum, das schönste Trikot der Welt zu tragen". Sie meinte nicht das von Tacón.

Aber der Klub soll ja sowieso bald Geschichte sein - jedenfalls so es sich Pérez und seine Mitgliederversammlung nicht noch anders überlegen. Für die Zukunft muss dann gelten, was der Präsident schon vor einigen Jahren zum Thema Fußball der Frauen sagte: "Real Madrid kann kein Team haben, das nichts gewinnt. Wenn wir es machen, muss es gut gemacht werden."



insgesamt 4 Beiträge
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leopoldstotch 14.08.2019
1. ...und die Kommentaranzahl zeigt mal wieder:
Leider interessiert das niemanden. Frauenfußball ist wohl doch nur als Event bei der WM halbwegs massentauglich
kopi4 14.08.2019
2.
Das Real in Spanien der Klub der Klubs ist werden sie in Barcelona sicher sofort unterschreiben.....
jochenbergerhoff 14.08.2019
3. @kopi4
Natürlich werden sie das, weil sie sich selber nicht als Spanier bezeichnen würden. Barca ist ein katalanischer Club.
briancornway 15.08.2019
4. Interessant
Zitat von leopoldstotchLeider interessiert das niemanden. Frauenfußball ist wohl doch nur als Event bei der WM halbwegs massentauglich
Da steht ja auch "In Spanien wächst das Interesse am Fußball der Frauen ...". Vielleicht sind die Menschen hier noch nicht so weit. Ich finde es ganz charmant, dass eine Fluglinie aus Dubai damit zum Sponsor von Frauenfußball wird. Bewegt sich da was ?
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