Ärger um Gareth Bale Warum Real Madrid seinen teuersten Star loswerden will

Die Fans sehen Gareth Bale kritisch, Trainer Zidane drängt auf seinen Abgang: Real Madrid braucht das Geld aus einem Verkauf für den Kader der Zukunft. Doch der Waliser denkt nicht daran zu gehen.

ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP

Von Florian Haupt, Barcelona


Gareth Bale wurde bei Real Madrid schon lange ein Gespür für den Moment nachgesagt. Immer wenn es eng für ihn wurde, schoss der Waliser ein wichtiges Tor. Als solches kann man einen Treffer bei den aktuellen Testspielserien in den USA einerseits nicht wirklich bezeichnen, auch wenn sein Abstauber in der Nacht zum Mittwoch Reals Comeback gegen Arsenal einläutete (2:2, Sieg nach Elfmeterschießen). Auf der anderen Seite handelte es sich nach den Entwicklungen der vergangenen Tage schon um eine kleine Sensation. Denn eigentlich sollte er nie mehr für die Spanier spielen.

"Je eher er geht, desto besser": So hatte Trainer Zinédine Zidane den ohnehin angezählten Galaktischen noch am Wochenende verabschieden wollen. "Schamlos" nannte das Bales Agent Jonathan Barnett, "Gareth Sale", titelte derweil die Sportzeitung "AS". Ein hübsches Wortspiel, das auf Spanisch den Abgang des Spielers verkündete, während es ihn auf Englisch gleich in den Schlussverkauf stellte.

Aktuell wäre Real froh, überhaupt einen Cent für ihn zu bekommen. Etlichen europäischen Topklubs soll der Waliser angeboten worden sein, alle sollen abgelehnt haben. Lukrative Offerten gab es allenfalls aus China, aber die Spendierlaune dort bezieht sich nur aufs Gehalt, nicht auf die Ablöse, weil für diese eine Luxussteuer in gleicher Höhe fällig würde. Außerdem sieht sich Bale mit 30 Jahren noch nicht in der Vorverrentung. "Seine Zukunft liegt weiter bei einem großen Klub", sagt Berater Barnett. Gegebenenfalls drei weitere Jahre in Madrid, so lange läuft der Vertrag noch. Eine Ausleihe, wohin auch immer, könne er jedenfalls hundertprozentig ausschließen.

Fallrückzieher rettete ihn in die nächste Saison

Und so stand der einst teuerste Spieler der Welt gegen Arsenal in der zweiten Hälfte doch wieder auf dem Platz. 101 Millionen Euro kostete er vor sechs Jahren beim Wechsel aus Tottenham. Mit 102 Toren in 231 Spielen hat er sie durchaus wieder eingespielt. Erst vor einem Jahr etwa rettete sein wunderbarer Fallrückzieher den Champions-League-Sieg gegen Liverpool - und ihm die Weiterbeschäftigung; schon damals hatte Zidane ihn loswerden wollen.

Was schief gelaufen ist? Vor allem der Alltag. Mal war er verletzt, mal teilnahmslos. Seine Integration in Klub, Stadt und Land blieb über Jahre auf demselben Niveau: nahe null. Vergangene Saison rückte sogar Klubchef Florentino Pérez, Bales ewiger Förderer, von ihm ab, nachdem er just vor der entscheidenden Saisonwoche eine Revolte gegen Trainer Solari angezettelt hatte. Alle Titelchancen gingen verloren, auch der Ärger der Fans wurde immer größer.

Doch bald begann sich abzuzeichnen, dass sein üppiges Netto-Salär von rund 15 Millionen Euro jeden Interessenten abschreckt. Während der zurückgekehrte Zidane ihn kaum aufbot, entwickelte der Waliser ein beachtliches Phlegma gegenüber allen Demütigungen und Anfeindungen, die er mit seinem limitierten Spanisch sowieso nur am Rande mitbekommen dürfte.

Kürzlich heiratete er auf Mallorca, und in Madrid, so lässt er immer wieder verlautbaren, sei er weiterhin glücklich mit seiner Familie, dem Klima und den ganzjährig nutzbaren Golfplätzen. Bale will sich nicht rausekeln lassen, macht gute Miene zum bösen Spiel - und bekommt damit auf seine späten Real-Tage glatt noch die Aura des Rebellen. "Wir sind nur Roboter", definierte er kürzlich das Profifußballerdasein. Man könne immer nur machen, was einem gesagt werde.

Bale-Abgang würde Umbruch erleichtern

Bale und Barnett jedenfalls wissen die Zeit auf ihrer Seite. In China schließt der Transfermarkt am 31. Juli, in England am 8. August, und sowieso braucht Real möglichst schnell Geld oder zumindest freie Gehaltsposten, um noch die ersehnte Akquise von Zidanes Wunschspieler Paul Pogba in Angriff zu nehmen. Mit jedem Tag Bale steigt die Anspannung im Verein, vor allem beim Trainer. In den Pressekonferenzen geht es immer nur um den einen, der längst nicht mehr da sein sollte. Am Tag vor dem Arsenal-Match leitete der Franzose seine Antwort zur fünften Bale-Frage mit ohnmächtigem Humor ein: "Scheiße, Alter, meine Güte, meine Güte..."

Die ersehnte Aufbruchsstimmung lässt sich so nicht erzeugen. Real ist gerade wie eine Band, die neue Hits versprochen hat und dann doch wieder nur die alten Kamellen spielt. Die großangekündigte Transferoffensive hat zwar mit über 300 Millionen Euro die höchsten Ausgaben der Klubgeschichte verursacht, in Eden Hazard aber bisher nur einen neuen Stammspieler gebracht. Wo deprimierende Darbietungen zu Ende der vergangenen Saison erste Schatten auf Zidanes Lichtgestalt warfen, kratzt der Machtkampf mit Bale nun weiter an seinem Denkmal. Die "totale Offensive gegen Bale" ("El País") berührt sein zuvor tadelloses Curriculum als Personalmanager. "Zidane lässt den Takt vermissen", kritisierte selbst das Hofblatt "Marca".

Nun rettete ihn Bale gegen Arsenal vor der nächsten Pleite nach dem 1:3 gegen Bayern am Wochenende. "Ich freue mich für ihn über sein gutes Spiel", sagte Zidane, der rhetorisch zuletzt wieder etwas abgerüstet hat. Gibt es doch noch einen Weg zurück, zumal sich Positionskollege Marco Asensio im selben Spiel wohl schwer am Knie verletzte? "Nichts hat sich geändert, die Lage ist bekannt", antwortete Zidane.



insgesamt 15 Beiträge
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alabama110 24.07.2019
1. "Entschuldigung, bitte...
.wieso genau Berichtet der Spiegel über dieses "Format"? Welchen Mehrwert haben die Leser*innen nun davon? Wer wirklich nichts besseres mit seinem/ihrem Leben anzufangen hat, als sich unwichtige, dumme Menschen anzusehen, wie sie unwichtige, dumme Dinge tun, wird sich die Sendung ansehen und braucht keine Zusammenfassung. Der Rest von uns kann glaube ich auch so drauf verzichten." Wer das Zitat findet, darf es behalten :)
Malshandir 24.07.2019
2. Vorschlag
Özil gegen Bale Arsenal will Özil loswerden, der will auch nicht gehen. Bale käme wieder nach London, auch wenn er nun als Rivale seines Ex-Clubs kommen würde.
gumbofroehn 24.07.2019
3. Tja, was soll man sagen?
Er hat Vertrag ... ;-)
Piantao 24.07.2019
4. Na ja, abgehen davon
die Sache um Bale ist interessant in so fern das normalerweise Spieler ihre unterschriebenen Verträge nicht einhalten wollen weil ihnen gerade einfällt das es für sie woanders viel attraktiver wäre und sie den Verein mit gemeinsten Mitteln versuchen unter Druck zu setzen, Nun haben wir hier mal das Spiel von der anderen Seite: der Verein will den Spieler los werden er selbt pocht aber auf seinen Vertrag. Bale steht hier absolut auf der sympatischen Seite.
spon-facebook-10000009537 24.07.2019
5. Quatsch
Dieser Unsinn mit Bale oder anderen Pseudopersoenlichkeiten im internationalen Profifußball gehört, wenn schon darüber berichtet wird, in die Rubrik "Wirtschaft" oder in die Rubrik "Sonstiges" bzw Unglück und Verbrechen, vielleicht noch ins Goldene Blatt
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