Real Madrid scheitert am FC Chelsea Die letzte Ausfahrt der Armada

Das große Real Madrid, das die Champions League jahrelang beherrschte, ist im Halbfinale ohne jede Chance gegen die Dominanz des FC Chelsea. Eine Ära bei Real neigt sich dem Ende zu.
Sergio Ramos – war es das mit seiner Champions-League-Zeit bei Real?

Sergio Ramos – war es das mit seiner Champions-League-Zeit bei Real?

Foto: Neil Hall / EPA

Szene des Spiels: Eigentlich eine unspektakuläre Szene, aber doch so vielsagend. Es war noch ungefähr eine Viertelstunde zu spielen, da fuhr Reals Toni Kroos dem gerade eingewechselten Chelsea-Stürmer Christian Pulisic ebenso unmotiviert wie ungeniert in die Beine. Am Mittelkreis, ohne Not. Der Edel-Techniker Kroos, der sich an diesem Abend auch nicht mehr anders zu helfen wusste, als die Grätsche auszufahren.

Ergebnis des Spiels: Der FC Chelsea gewinnt nach dem 1:1 im Hinspiel das Rückspiel gegen Real Madrid 2:0 durch Tore von Timo Werner (28. Minute) und Mason Mount (85.) und zieht hochverdient ins englische Finale gegen Manchester City ein. Zum detaillierten Spielbericht geht es hier entlang.

Melancholie des Spiels: Dreimal hat Real Madrid unter Trainer Zinédine Zidane die Champions League gewonnen. Karim Benzema, Casemiro, Toni Kroos, Luka Modrić, Sergio Ramos, Marcelo – sie waren bei allen Triumphen dabei. Umso trauriger, zu sehen, wie sich die Königlichen dieser Niederlage nicht entwinden konnten. Es war, als führe die stolze spanische Armada ein letztes Mal hinaus aufs Meer. Wohl wissend, gegen die schnittigen, schnellen Boote der Engländer keine Chance zu haben. Thomas Tuchel goes Francis Drake.

Die erste Halbzeit: Chelsea dominiert von Beginn an, hat Chancen, hat ein Abseitstor von Timo Werner, hat eigentlich alles im Griff und dennoch Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Karim Benzema, wer sonst, hatte von der Strafraumgrenze abgezogen, und Torwart Édouard Mendy mit einer Weltklasseparade das 0:1 verhindert. Im Gegenzug vollendete Werner nach bester Vorarbeit von N'Golo Kanté und Kai Havertz zur Führung. Die dann kaum noch wackelte.

Timo Werner trifft zur Führung für Chelsea

Timo Werner trifft zur Führung für Chelsea

Foto: GLYN KIRK / AFP

Die zweite Halbzeit: Chelsea kombiniert, Chelsea stürmt, Chelsea hat alle Chancen dieser Welt. Aber sowohl Mount als auch Havertz, Werner und Kanté lassen die Madrider Hoffnung am Leben. Reals Torwart Thibaut Courtois, früher bei Chelsea unter Vertrag, tut mit großartigen Rettungstaten sein Übriges dazu, dass die Spannung bis zur 85. Minute hält. Dann löst Mount sie mit seinem Tor auf.

Spieler des Spiels: »Wenn Fragen sind, am besten zu Kanté«, kalauert Sky-Kommentator Wolff Fuss in bekannter Manier. Aber recht hat der Mann. Der Franzose im Mittelfeld ist der überragende Spieler. Havertz ist gut, Rüdiger ist gut, Mount ist gut. Aber dieser Kanté, der Weltmeister von 2018, er ist Hirn und Herz dieser Mannschaft. Und wenn es darauf ankommt, dann ist Kanté noch ein bisschen besser als sonst, dann schlägt das Herz noch schneller, dann ist das Hirn noch wacher. Das macht die großen Spieler aus.

Familienduell des Spiels: Édouard Mendy aufseiten von Chelsea, Ferland Mendy, sein Cousin, bei Real Madrid. Nicht oft sind in einer Familie die Macht- und Kraftverhältnisse so eindeutig verteilt wie an diesem Abend. Zu der nächsten Familienfeier, wenn Corona vorbei ist, kann Édouard sehr entspannt hinfahren.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Gewinner des Spiels: Im Dezember ist Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain, den Klub, den er im Vorjahr ins Champions-League-Finale geführt hat, entlassen worden. PSG ist am Dienstag ziemlich sang- und klanglos im Halbfinale gescheitert, Tuchel souverän mit dem FC Chelsea, seinem neuen Projekt, erneut ins Endspiel gekommen. Jetzt kann der Taktik-Besessene wieder die Salzstreuer herausholen und bis zum Finaltag hin- und herschieben, um zu überlegen, wie er Pep Guardiola und Manchester City besiegen kann. Generalprobe am Samstag in der Premier League (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL.de; TV: Sky).

Erkenntnis des Spiels: Das Endspiel wird englisch. City gegen Chelsea. Am Donnerstag können Manchester United und der FC Arsenal zudem das Erreichen des Europa-League-Finals perfekt machen. Dafür, dass England nicht mehr so richtig zu Europa gehört, beherrschen sie den europäischen Fußball aber wieder ganz gehörig.