BVB-Gegner Real Madrid Krise? Welche Krise?

Nur Platz sechs in der Liga: Für Real Madrid verlief der Saisonstart sehr holprig. Viele BVB-Fans erwarten nun einen Champions-League-Titelverteidiger außer Form - sie könnten gewaltig irren.

Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo


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Er mache sich "keine Sorgen", immer wieder streute Zinédine Zidane diese Wörter in seine Antworten ein. Der Trainer von Real Madrid gab sich auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Duell bei Borussia Dortmund am Dienstagabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) demonstrativ entspannt. Auf die Frage nach dem verlorenen Selbstvertrauen seines Teams regierte er mit einem Schulterzucken. In der Liga habe man zuletzt gewonnen, man freue sich jetzt eben auf die Champions League.

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Champions-League-Klassiker BVB vs. Real: Als das Tor fiel, bevor die Tore fielen

Dabei unterschlug Zidane, dass das knappe 2:1 bei Deportivo Alavés erst der dritte Sieg in der Liga war - am immerhin schon sechsten Spieltag. Real Madrid findet sich in der Tabelle aktuell nur auf dem ungewohnten sechsten Platz wieder, sieben Punkte hinter dem großen Rivalen aus Barcelona, der all seine bisherigen Spiele gewonnen hat. Dabei hatten viele Experten Madrid vor der Saison zugetraut, den europäischen Fußball weiter zu dominieren. Auch im SPIEGEL-ONLINE-Ranking hatte Real den Spitzenplatz belegt.

Drei der vergangenen vier Champions-League-Titel gewann Real Madrid. Im Juni gelang den Königlichen erstmals, was 24 Jahre lang kein Team geschafft hatte: die Titelverteidigung. Die Leichtigkeit, mit der Real an diesem Juniabend in Cardiff in der zweiten Halbzeit die starke Juventus-Defensive auseinanderspielte, erinnerte an die dominantesten Auftritte Milans in den frühen Neunzigern.

"Wir glauben an das, was wir machen"

Dreieinhalb Monate später ist davon wenig geblieben. Real ist plötzlich wieder ein ganz normales Fußballteam. Gegen Valencia und Aufsteiger Levante spielte man daheim nur unentschieden, gegen Betis unterlag Real gar im Santiago Bernabéu sensationell 0:1. Damit riss auch die spektakuläre Serie von 73 Pflichtspielen in Folge, in denen die Blancos immer mindestens einen Treffer erzielt hatten, ausgerechnet beim Comeback von Cristiano Ronaldo.

Ratlosigkeit beim spanischen Meister? "Wir glauben an das, was wir machen", sagte Zidane. Es mag vielleicht seltsam klingen, aber unbegründet ist das Selbstvertrauen nicht. Nicht einmal nach diesem Saisonstart.

Das Spiel von Real sieht nämlich kaum anders aus als in der Vorsaison. Kein anderes Team schoss in den bisherigen sechs Saisonspielen derart oft aufs gegnerische Tor, Real kommt auf mehr als 20 Abschlüsse pro Spiel. Die Konkurrenz aus Barcelona liegt in dieser Statistik mit deutlichem Abstand auf Rang zwei (14 Abschlüsse pro Spiel). Allein, es fehlt im Moment die Effizienz vor dem Tor. Auch, weil Mittelstürmer Karim Benzema verletzt ausfällt. "Ich habe immer betont, dass es das Allerwichtigste ist, Chancen zu kreieren", sagte Zidane, "das ist, was wirklich schwer ist."

Der Hoffnungsträger ist wie immer: Cristiano Ronaldo. Er wird am Abend in Dortmund sein 400. Spiel im Real-Trikot absolvieren. In den bisherigen 399 Auftritten hat er unwirkliche 409 Tore für seinen Verein erzielt. Mehr als einen Treffer pro Partie - über einen Zeitraum von acht Jahren! Das allein ist natürlich keine Garantie für einen Galaauftritt beim Bundesliga-Tabellenführer, nach zwei torlosen Spielen in der Liga dürfte Ronaldo aber besonders motiviert sein. Gegen deutsche Vereine trifft er ohnehin gern (23 Tore in 19 Partien).

BVB bereits unter Druck

Seine Chancen dürfte Ronaldo auch gegen die BVB-Defensive bekommen, Borussia Mönchengladbach vergab am Samstag ebenfalls beste Gelegenheiten. "Madrid wird unsere Fehler ganz anders bestrafen", sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Borussia Dortmund gegen Real Madrid - es ist der große Klassiker der vergangenen fünf Champions-League-Jahre. Zum neunten und zehnten Mal treffen die beiden Klubs in dieser Spielzeit aufeinander, überflügeln damit die Paarungen Arsenal gegen Bayern sowie Barcelona gegen PSG. Der BVB ist diesmal fast schon darauf angewiesen, gegen Real zu punkten.

Sollten heute Madrid und Tottenham Hotspur (bei APOEL Nikosia) gewinnen und nach dem zweiten Spieltag mit jeweils sechs Punkten die Tabelle anführen, ergäbe sich eine Konstellation, die es in der Champions-League-Geschichte bislang 24-mal gab. Nur zweimal schaffte anschließend noch eines der Null-Punkte-Teams den Einzug in die nächste Runde. "In solchen Gruppen werden Helden gemacht", hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unmittelbar nach der Auslosung gesagt. Das gilt allerdings auch immer für die Gegner.

Toni Kroos ist rechtzeitig wieder fit geworden, nur Marcelo fehlt Real Madrid mit einem Muskelfaserriss. Innenverteidiger Nacho Fernández dürfte wieder auf dem Flügel aushelfen. "Ich bin nicht beunruhigt, denn wir haben ja die Chancen. Wir müssen sie nur nutzen", sagte Zidane schließlich. Man könnte meinen, er macht sich wirklich keine Sorgen.

Zusammengefasst: Real Madrid ist mit nur drei Siegen aus den ersten sechs Spielen schwach in die Liga gestartet. Spielerisch hat der Titelverteidiger der Champions League dabei trotzdem überzeugt: Kein anderes Team in Spanien gab annähernd so viele Torschüsse ab, einzig die Effizienz vor dem Tor fehlte zuletzt.

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lupo44 26.09.2017
1. eine Schande das man solche Spiele nicht mehr sehen kann.....
trotz DVTB 2 welches ja auch Geld kostet !!!! Nur Sky bringt solche Spiele.Die Mehrheit kann sich dieses zusätzliche Geld ausgeben nicht leisten
forky 26.09.2017
2. Yarmolenko und Pulisic
Ich war mir sicher, dass Yarmolenko als Rechtsaußen den Marcelo zum schon seit langem verdienten Platzverweis treibt. Aber der kann ja jetzt nicht auflaufen. Doch auch mit Nacho hat Real hinten links einen wunden Punkt. Da werden sie geknackt! Nacho kann sich nacheinander an Yarmolenko und Pulisic abarbeiten. Anschließend wird er sich wünschen, er wäre besser eine Halle weiter zu Helene Fischer gegangen. So atemlos wird seine Nacht...
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