Real vs. Barcelona Mourinhos starkes Stück

José Mourinho hat einen Schuldigen für die Niederlage gegen Barcelona ausgemacht: Er tobt gegen den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Schon früher gerieten die beiden heftig aneinander. Tatsächlich aber war vor allem Reals destruktive Spielweise schuld an dem Champions-League-Flop.

REUTERS

Von Jan Reschke


Wenn Blicke töten könnten, hätte sich der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark beim 2:0-Sieg des FC Barcelona bei Real Madrid im Halbfinale der Champions League ernsthafte Sorgen machen müssen. Madrids Trainer José Mourinho, von Stark ab der 63. Minute wegen Lamentierens auf die Tribüne verbannt, tobte innerlich. Hinter einem orangefarbenen Metallgitter stierte er mit zusammengekniffenen Augen auf das Spielfeld. Auf Schiedsrichter Stark. Über den er später sagte: "Wenn ich zu ihm und der Uefa sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden." Für Mourinho war klar, der deutsche Referee ist für das bevorstehende Aus von Real verantwortlich.

Obskur wurde es, als der exzentrische Coach laut Barça-Website unterstellte, dass der Gegner von der Uefa wegen des Sponsors Unicef begünstigt worden sein könnte. "Es ist ein Skandal. Ich würde mich an Guardiolas (Josep Guardiola, Trainer des FC Barcelona, Anm. d. Red.) Stelle schämen, so zu gewinnen. Ich weiß nicht, woher Barça nur all diese Macht bekommt. Vielleicht liegt es ja daran, dass sie Unicef eine Plattform als Werbepartner auf ihren Trikots geben", soll Mourinho gesagt haben.

Der FC Barcelona will die Aussagen Mourinhos nun prüfen. Dies kündigte der Club in der Nacht zum Donnerstag an. Die Rechtsabteilung werde die Erklärungen des Madrider Trainers untersuchen und daraufhin entscheiden, ob die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union Uefa eingeschaltet werden müsse, hieß es. Für das Rückspiel am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist Mourinho nach seinem Verweis auf die Tribüne automatisch gesperrt.

Fotostrecke

14  Bilder
Real vs. Barcelona: Pepe tritt, Messi trifft
Grund für Mourinhos Empörung war die Rote Karte von Stark gegen Verteidiger Pepe wegen groben Foulspiels (62.) in einer extrem hitzigen, teilweise brutalen Partie, die Stark nur mit Mühe unter Kontrolle behielt. Auch nach dem Spiel hatte es bei der Uefa offenbar Sorge gegeben, dass die Situation eskalieren könne. Kurzerhand untersagten die Uefa-Delegierten Trainern und Spielern beider Teams, TV-Interviews zu geben.

Bedenken an der Nominierung Starks

Das Verhältnis von Stark und Mourinho ist vorbelastet. Seit dem 1:1 im Hinspiel des Achtelfinals gegen Olympique Lyon ist Stark für Mourinho eine Persona non grata. Im Anschluss an die Partie im Februar hatte der Trainer dem Schiedsrichter nach einem verweigerten Handelfmeter vorgeworfen: "Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt. Der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen. Wenn er Angst hat, eine Entscheidung zu treffen, soll er zu Hause bleiben." Schon da schob er ein mögliches Ausscheiden Stark zu: "Ich hoffe nur, dass uns das nicht das Weiterkommen kostet", sagte Mourinho.

Schon vor dem Champions-League-Halbfinale hatte die Real-nahe Sportzeitung "Marca" Bedenken an der Nominierung des Deutschen geäußert. Stark wurde als Fan von Barcelonas Star Lionel Messi dargestellt. Der Schiedsrichter wurde mit den Worten zitiert, Messi sei einer der besten Fußballer der Welt. "Es wäre schön, mit ihm das Trikot zu tauschen", soll er vor dem WM-Spiel Argentinien gegen Nigeria gesagt haben.

Nicht unerwähnt blieb in Spanien zudem die Tatsache, dass Stark bei der jährlichen Umfrage des "Kicker" von den Bundesliga-Profis zum schlechtesten Schiedsrichter der Hinrunde der aktuellen Saison gewählt wurde.

Barcelona ist nicht Bayern

Doch die Niederlage von Madrid allein dem Unparteiischen zuzuschreiben, ist viel zu einfach. Denn es war vor allem die hervorragende Leistung von Barcelona um den Doppeltorschützen Messi, die für das Real-Debakel im eigenen Stadion sorgten. Barcelona hatte über 70 Prozent Ballbesitz und ließ während der gesamten Partie nur eine einzige Chance zu. Für ein Team wie Real mit Superstars wie Cristiano Ronaldo, Xabi Alonso oder Ramos ist das zu wenig.

Zwar hatte Mourinho mit dieser Taktik zuletzt bei Inter Mailand, vor allem im Champions-League-Finale 2010 gegen Bayern München, Erfolg. Doch Barcelona ist nicht der FC Bayern.

Die Spielweisen von Barcelona und Madrid, sie hätten unterschiedlicher kaum sein können. Auf der einen Seite die Mannschaft von Coach Josep Guardiola, die das Zirkulieren des Balls in Perfektion beherrscht, mit feinen Kombinationen das Publikum begeistert.

Für Mourinho war an diesem Abend alles und jeder schuld

Auf der anderen Seite Real Madrid, dessen einziges Anliegen die Spielzerstörung und Provokation des Gegners schien. Dabei leisteten sich Mourinhos Mannen viele Unbeherrschtheiten. Neben Pepe fiel der für Mesut Özil eingewechselte Emmanuel Adebayor mit einem gezielten Ellbogenstoß auf. Reals Marcelo trat seinem Gegenspieler mit Absicht auf das Bein. Und im Gästeteam gab es wohl keinen Spieler, der in den 90 Minuten nicht mit Reals Sergio Ramos aneinander geraten war.

Zwar fielen auch Barcelonas Spieler durch einige Undiszipliniertheiten auf. So sah Ersatztorhüter José Manuel Pinto nach einer Rangelei in der Halbzeit die Rote Karte. Doch hatte sich die Mannschaft von Guardiola auf dem Platz weit besser im Griff als ihre überhitzten Gegner, denen Mourinho durch sein Auftreten an der Seitenlinie sicher kein Vorbild war.

Doch für den Trainer war an diesem Abend alles und jeder schuld - nur nicht er selbst. Die Frage, die er nach dem Spiel in Richtung Stark stellte, vielleicht sollte er sie erst einmal für sich beantworten: "Eines Tages hoffe ich eine Antwort auf die Frage zu bekommen: Warum?"

Real Madrid - FC Barcelona 0:2 (0:0)
0:1 Messi (76.)
0:2 Messi (87.)
Madrid: Casillas - Arbeloa, Sergio Ramos, Albiol, Marcelo - Diarra, Xabi Alonso, Pepe - Özil (46. Adebayor), Cristiano Ronaldo, Di Maria
Barcelona: Valdes - Alves, Pique, Mascherano, Puyol - Xavi, Busquets, Keita - Pedro (71. Affelay), Messi, Villa (90. Sergio Roberto)
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 71.657
Gelbe Karten: Arbeloa, Sergio Ramos, Adebayor - Dani Alves
Rote Karte: Pepe - Pinto

Mit Material von dpa und sid

insgesamt 110 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mika1710 28.04.2011
1. ...
Zitat von sysopJosé Mourinho hat einen Schuldigen für die Niederlage gegen Barcelona ausgemacht: Er tobt gegen den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Schon früher gerieten die beiden heftig aneinander. Tatsächlich aber war vor allem Reals*destruktive Spielweise Schuld an dem Champions-League-Flop. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,759419,00.html
Wolfgang Stark hat diesmal ganz gut gepfiffen im Gegensatz zu manchen von ihm geleiteten BuLi- Spiel.
querlatte 28.04.2011
2. Plädoyer für eine Regeländerung
Zitat: "Auf der einen Seite die Mannschaft von Coach Josep Guardiola, die das Zirkulieren des Balles in Perfektion beherrscht, mit feinen Kombinationen das Publikum begeistert." Diese Begeisterung kann ich nicht teilen, ich kann es nicht mehr sehen und finde es totlangweilig, wie sich die Spieler minutenlang den Ball zuschieben und dabei ständig in Bewegung sind, ohne einmal gefährlich vors Tor zu kommen. Dieses elende Kurzpassspiel bis zur Perfektion mag ja effizient sein nach dem Motto, wenn der Gegner den Ball nicht hat, dann kann er auch kein Tor schießen, aber ich hoffe, dass irgendwann einmal ein Trainer ein Gegenmittel erfindet, um dieser Langeweile den Garaus zu machen. Wie toll ist ein Konter anzusehen, in drei vier Spielzügen wird das Feld überbrückt und sofort der Abschluss gesucht, wie toll ist ein Flankenlauf zu sehen, wie toll ist ein Mittelstürmer zu sehen, der sich durchtankt und raufballert, aber nein, anspruchsloses Hinundhergeschiebe wird zur Fussballhochkultur ernannt, es ist wie gesagt totlangweilig.
niepmann 28.04.2011
3. Wieder mal einer am Abheben
Zitat von sysopJosé Mourinho hat einen Schuldigen für die Niederlage gegen Barcelona ausgemacht: Er tobt gegen den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Schon früher gerieten die beiden heftig aneinander. Tatsächlich aber war vor allem Reals*destruktive Spielweise Schuld an dem Champions-League-Flop. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,759419,00.html
Der Mann bereitet seinen Absturz vor. Er hebt ab, verliert die Realität aus den Augen, wird irgendwann wieder runterkommen und hart aufschlagen - verdammte Gravitation! Gut wäre etwas mehr Realität, und etwas weniger Real!
Peugeot 28.04.2011
4. Er hat auch Barcelona so geschlagen
Sie schreiben: "Zwar hatte Mourinho mit dieser Taktik zuletzt bei Inter Mailand, vor allem im Champions-League-Finale 2010 gegen Bayern München, Erfolg. Doch Barcelona ist nicht der FC Bayern." Sie wissen aber schon, dass Inter unter Mourinho mit eben dieser Taktik auch Barcelona geschlagen hat. Und zwar im Halbfinale vor dem Finale gegen die Bayern! Mann, Mann, Mann...
Parkettpolitur 28.04.2011
5. ...
Mourinho hat nicht ganz Unrecht. Stark hat schlecht gepfiffen; die rote Karte war nicht gerechtfertigt. Ausserdem ist der Schiri immer wieder auf die gewohnten Schauspielaktionen der Barca-Spieler reingefallen. Busquets und Pedro waren besonders schlimm; für mich die mit Abstand unfairsten Spieler, die ich je gesehen habe. Keine Ahnung, warum Barca trotzdem diesen seltsamen Nimbus der "Guten" geniesst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.