Reals Anelka 658.000 Mark Strafe für Trainingsboykott

Er kam als Hoffnungsträger von London nach Madrid. Doch die Verpflichtung des launigen Stürmerstars bei den Königlichen scheint ein großes Missverständnis zu sein.


Nicolas Anelka: "Wir sind doch keine Masochisten"
AFP

Nicolas Anelka: "Wir sind doch keine Masochisten"

Madrid - Der Wirbel um Frankreichs Fußball-Star Nicolas Anelka beim spanischen Renommierklub Real Madrid nimmt kein Ende. Weil der 21-Jährige von den "Königlichen" für 45 Tage vom Mannschaftstraining suspendiert wurde, wird sein Gehalt von umgerechnet 658.000 Mark in dieser Zeit einbehalten. Im französischen Fachmagazin France Football ging Anelka derweil am Mittwoch auf totalen Konfrontationskurs zu seinem Arbeitgeber: "Sie behandeln mich bei Real wie einen Hund."

Der siebenmalige Europapokalsieger der Landesmeister sei mit ihm wie mit einem 15-Jährigen umgegangen, motzte der Franzose. "Ich bin allein gegen alle. Meine Mitspieler torpedieren mich hinter meinem Rücken. Sie wissen nicht, wer ich bin", attackierte Anelka seine Kameraden.

Der Bruch zwischen Real und dem exzentrischen Jungstar, der vor der Saison für 66 Milionen Mark von Arsenal London nach Madrid gekommen war, ist wohl nicht mehr zu kitten. Zwischenzeitlich war sogar über eine zusätzliche Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 1,3 Millionen Mark spekuliert worden.

Die von Real verhängte Strafe ist ohnehin schon die höchste, die jemals im spanischen Profi-Fußball gegen einen Kicker verhängt wurde. Der Franzose verpasst damit zwölf Pflichtspiele und muss sich mit Einzeltraining fit halten. Außerdem wurde dem Angreifer deutlich gemacht, dass er sich nach einem neuen Klub umschauen könne. "Wenn wir gewusst hätten, was für ein Typ er ist, hätten wir ihn niemals verpflichtet. Wir sind doch keine Masochisten", erklärte ein Real-Sprecher.

Anelka hatte sich seit Freitag geweigert, mit dem Team zu trainieren, nachdem ihn Reals Trainer Vicente Del Bosque für das Champions-League-Spiel bei Bayern München nicht aufgestellt hatte. Daraufhin wurde Anelka von Del Bosque aus dem Kader für das Spiel gegen den FC Sevilla gestrichen. Erst am Montag erschien der Querulant wieder zum Training der "Königlichen".

Er fühlt sich vom Verein schlecht behandelt. "Das war eine enorme Disziplinlosigkeit, die geahndet werden muss", sagte Trainer Del Bosque.



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