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03. August 2010, 14:00 Uhr

Rechtsextremer als Trainer

"Eine Stütze des Vereins"

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Ein Rechtsextremer trainiert Jugendliche im Fußballverein, einer von ihnen verprügelt einen Israeli - aber der Club aus Sachsen-Anhalt sieht keinen Anlass, sich von dem Mann zu trennen. Sogar Deutschlands oberster Sportboss Thomas Bach hat sich in den Fall eingeschaltet.

Die Kleinstadt Laucha in Sachsen-Anhalt ist stolz auf ihre Landschaft. Weinberge rundherum, die sanften Waldhügel ziehen sich hinunter bis ins Unstrut-Tal - die Region wird von den Tourismuswerbern die "Toskana des Nordens" genannt.

Aus Laucha kommen allerdings nicht nur gute Weine, sondern auch Lutz Battke.

Wegen Battke kommen keine Touristen in die Region, aber Journalisten. Der Mann sitzt für die NPD im Stadtrat und Kreistag und hat es zu einer gewissen Prominenz gebracht, weil der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, versucht hat, ihm wegen seiner rechtsextremen Gesinnung den Beruf des Bezirksschornsteinfegers verbieten zu lassen. Bisher ist der Minister damit zweimal vor Gericht gescheitert, Battke weiter im Amt.

Der 52-Jährige gilt als eine der Führungsfiguren der rechten Szene in der Region, sagt Landesinnenstaatssekretär Rüdiger Erben. Er nehme regelmäßig an rechtsextremen Veranstaltungen teil - und er trainiert die Jugendlichen im Fußballclub des BSC 99 Laucha. Der Verein sieht trotz Drängens des Landessportbundes LSB allerdings bisher keinen Anlass, sich von Battke zu trennen.

Israelischer Jugendlicher auf der Straße verprügelt

Auch nicht, nachdem im April ein 17-jährige israelischer Jugendlicher, der mit seiner Familie in Laucha lebt, auf offener Straße verprügelt und als "Judenschwein" beschimpft wurde. Der 20-jährige Täter hat jahrelang bei Battke trainiert. Nachdem der Fall in der lokalen Presse aufgegriffen wurde und Anklage gegen ihn erhoben wurde, wurde er vom Verein suspendiert. Auf rechten Internetseiten wird das Opfer seitdem als "Judenbengel" verhöhnt.

Mittlerweile hat sich mit Thomas Bach sogar der oberste deutsche Sportfunktionär in den Fall eingeschaltet. Der Boss des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB hat den Landessportbund aufgefordert, den BSC dazu zu bewegen, Battke nicht mehr zu beschäftigen. Der Landessportbund verweist darauf, das er selbst nicht viel tun kann, seine Befugnisse sind eingeschränkt. Bisher hat er keine Mittel - außer an den Verein zu appellieren, gegen Battke tätig zu werden.

Der Clubvorstand denkt allerdings gar nicht daran. Vereinsboss Klaus Wege ist für Journalisten inzwischen nicht mehr zu sprechen, früher hat er Battke stets als "Stütze des Vereins" bezeichnet. Solange dieser seine politischen Ansichten nicht im Training äußere, müsse sich der Verein nicht damit befassen, heißt es vom Vereinspräsidenten. Der Club kann darauf verweisen, dass Battke in dem 3000-Einwohner-Städtchen tief verankert sei: Bei der vergangenen Kommunalwahl erhielt die NPD 13,5 Prozent - so viel wie nirgendwo sonst im Land. "Battke verkörpert bilderbuchmäßig die Strategie der NPD, sich in der Mitte der Gesellschaft festzusetzen", sagt Thomas Hahnel von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Vereins "Miteinander" in Halle im Interview mit der "Mitteldeutschen Zeitung". Battke selbst nimmt zu der Angelegenheit öffentlich keine Stellung.

Landessportbund steht unter Druck

Für den Landessportbund ist die Personalie Battke mittlerweile zu einem drängenden Problem geworden. Nicht nur Bach macht Druck, auch die Landesregierung hat die Angelegenheit zur "großen Gefahr für die Außenwirkung des Landes" erklärt, wie der stellvertretende Ministerpräsident Jens Bullerjahn sagt. LSB-Chef Andreas Silbersack hat jetzt angekündigt, auf der nächsten Sitzung des Gremiums im August eine Satzungsänderung vorzulegen, nach der Vereine, die rechtsextreme Trainer beschäftigen, aus dem Sportbund ausgeschlossen werden können. Auch Fördergelder würden ihnen in einem solchen Fall gestrichen.

Rechtsextreme Sportler oder Betreuer - Laucha ist da kein Einzelfall. Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt hat schon im Februar auf das Beispiel des ASG Vorwärts Dessau verwiesen. Im Verein seien Spieler aktiv, die "klar der rechten Szene zuzuordnen sind, zum Teil auch freien Kameradschaften", wie Verfassungsschützer Hilmar Steffen damals erklärte. Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet zudem über den Köthener Sportverein 2009, auch hier soll sich in der Kraftsportabteilung ein bekennender Neonazi im Verein getummelt haben.

Die Zeitung zitiert in diesem Zusammenhang den Präsidenten des Vereins, Steffen Reisbach. Der Clubchef sagt den Satz: "Viele Fußballvereine könnten zumachen, wenn sie die Nazis rausschmeißen würden."

Eine Handreichung, wie mit rechten Trainern in Sportvereinen umzugehen wäre, kommt von Rechtsextremismus-Experte Hahnel. Sein Ratschlag: "Am effektivsten wäre es, die Eltern würden ihre Kinder einfach nicht mehr zum Training bei Battke schicken und somit deutlich zeigen, dass sie eine solche Person nicht akzeptieren."

In Laucha ist dieser Tipp bisher nicht angekommen.

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