RB Leipzig Gegen den Geist der 50+1-Regel

Red Bull finanziert den Fußballverein RB Leipzig - und kommt mit der Namensgebung in Konflikt mit den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes. Das Magazin "11FREUNDE" beleuchtet die Situation und versucht zu beantworten, wie dies passieren konnte.
Von Christoph Biermann
Leipzig-Profi Geißler (r., Archivfoto): Vor dem Aufstieg in Liga drei

Leipzig-Profi Geißler (r., Archivfoto): Vor dem Aufstieg in Liga drei

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Dies ist der zweite Teil des "11FREUNDE"-Artikels über RB Leipzig. Lesen Sie im ersten Teil, welche Ziele Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat und wie der Club gegen Verbands-Statuten verstößt.

Der von Red Bull finanzierte Verein RB Leipzig darf in Deutschland antreten, obwohl die DFB-Statuten "Änderungen, Ergänzungen oder Neugebung von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung" als unzulässig bezeichnen.

Doch wie konnte das passieren? Für Stephan Oberholz, als Vizepräsident im Sächsischen Fußball-Verband für Rechtsfragen zuständig, stellt sich die Frage nicht. Das aktuelle Logo des Vereins habe "für alle Beteiligten ausgereicht", sagt er. Im Mai 2010 wurde es vom SFV durchgewunken.

Natürlich ist ein finanzstarker und zuschauerträchtiger Club finanziell ein Segen für den sächsischen Verband. Und überdies hat RB inzwischen bereits fünf Millionen Euro in sein Trainingszentrum investiert, weitere 30 Millionen sollen in den kommenden Jahren folgen und das größte Leistungszentrum des ostdeutschen Fußballs entstehen. So sieht Sportbürgermeister Heiko Rosenthal den Club auch "als das Beste, was Leipzig an Wirtschaftsförderung passieren kann".

Im deutschen Fußball ist eigentlich nicht vorgesehen, dass ein Club die einem Investor beherrscht wird. Doch viel eindeutiger als RB Leipzig kann man kaum gegen den Geist der 50+1-Regel verstoßen, die genau das verhindern soll. Es gibt nur neun stimmberechtigte Mitglieder, im Vorstand sitzen nur Red Bull Mitarbeiter, keiner der Herren lebt in Leipzig. Vielleicht hat Stephan Oberholz vom Sächsischen Fußball-Verband trotzdem recht, wenn er davon spricht, dass es im Hinblick auf eine Lizenzierung für die dritte Liga "kein weltbewegendes Problem gibt, nur Fragen der Strukturen der Organe".

Das Unternehmen ist der Verein

Denn streng juristisch geht es in besagter 50+1-Regel darum, dass der Verein eine ausgelagerte Fußballkapitalgesellschaft steuern muss. Nur gibt es die in Leipzig nicht. Red Bull hat elegant eine Abkürzung genommen: Das Unternehmen ist der Verein. Der Verstoß gegen den Geist der 50+1-Regel ist derart eklatant, dass man sich fragt: Warum kommt der Getränkekonzern mit dieser Konstruktion durch?

Ein führender DFB-Funktionär, der nicht zitiert werden möchte, sagt: "Es sind da viele Kräfte am Werke." In den kommenden Wochen werden diese Kräfte hinter den Kulissen wirken, denn RB will eine neue Satzung präsentieren, die aber wenig an dem Umstand ändern dürfte, dass der Konzern den Club steuert. Denn eben das ist elementar für Red Bulls Geschäftspolitik im Sportmarketing.

Doch nicht nur für Leipzig wurden in den vergangenen Jahren die Regeln bis zum Äußersten ausgelegt. "Die Sündenfälle waren Wolfsburg und Hoffenheim", sagt der DFB-Mann. Wie Bayer Leverkusen hatte der DFB im Jahr 2000 auch dem VfL Wolfsburg den Status einer Quasi-Werkself des Volkswagen-Konzerns gegeben, obwohl der Verein das historisch nie war.

"Diese Entwicklung ist für die Bundesliga gesamtwirtschaftlich schlecht"

An der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH hält Dietmar Hopp zwar nur 49 Prozent der Anteile, kontrolliert aber auch den eingetragenen Verein, der die restlichen 51 Prozent steuert. Und die DFL muss sich fragen lassen, ob ein Investor wie der Jordanier Hasan Ismaik beim TSV 1860 München eigentlich tragbar ist, der unumwunden den Sturz des Vereinspräsidenten Dieter Schneider forderte.

"Diese Entwicklung ist für die Bundesliga gesamtwirtschaftlich schlecht ", sagt Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Seiner Meinung nach ist die Bundesliga "die schönste und aufregendste Liga in Europa, weil es die 50+1-Regel gibt". Vereine wie Leipzig könnten das ändern, unternommen wird dagegen dennoch wenig. "Die Leute haben alle Angst, keiner will sich mit Red Bull anlegen", meint Watzke. Für einige seiner Managerkollegen sei der Konzern ein potentieller Arbeitgeber in der Zukunft.

Unschuldigen Fußball gibt es heute nur noch in den untersten Klassen, jenseits davon geht es immer um Geld. Und alle Sponsoren im Fußball hoffen, dass etwas vom Glanz des Spiels auf sie und ihre Produkte abfällt, um Image und Umsätze zu verbessern. Aber alle Proficlubs haben nur ein Unternehmensziel: möglichst großen sportlichen Erfolg - und dabei nicht pleitezugehen. Bei RB Leipzig ist das anders. Der Verein wurde nur gegründet, um mehr Getränkedosen zu verkaufen. Das ist eine Revolution im deutschen Fußball und die muss wollen, wer RB Leipzig demnächst durch die Zulassungen winkt.