Referees Hackmann fordert TV-Beweis

Nun hat sich auch noch der Ligachef Werner Hackmann in die Schiedsrichterdebatte eingeschaltet. Der Fußball-Funktionär plädiert bei strittigen Spielszenen für den Einsatz von Fernsehbildern.


Werner Hackmann: "Es fehlt in der Bundesliga an eingespielten Teams"
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Werner Hackmann: "Es fehlt in der Bundesliga an eingespielten Teams"

Hamburg - "So kann es nicht weitergehen", schimpft Hackmann. Zwei Tage zuvor hatte der 54-Jährige in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten Hamburger SV mitansehen müssen, wie sein Club im Spiel gegen den 1. FC Köln um ein korrekt erzieltes Tor gebracht wurde.

Während Schiedsrichter und seinem Assistenten die Sicht auf das Geschehen versperrt war, lieferten die Fernsehkameras später den unwiderlegbaren Beweis. Der seinen Verein ungerecht behandelt fühlende Hackmann will nun im Mai mit dem Schiedsrichter-Ausschuss des DFB sprechen. "Als Ligaverband können wir selbst nichts ändern, sondern nur anregen. Die Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen liegt beim DFB."

"Eine fehlerhafte Entscheidung kann 30 Millionen Mark kosten"

"Bei allem Verständnis für Tatsachenentscheidungen: Bundesliga-Vereine sind große Wirtschaftsunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Mark. Da kann eine fehlerhafte Schiedsrichterentscheidung schnell 30 Millionen Mark kosten", rechnet Hackmann vor.

Defizite sieht der frühere Hamburger Innensenator vor allem im Zusammenspiel der Schiedsrichtergespanne. "Es fehlt in der Bundesliga an eingespielten Teams. Die Verständigung zwischen dem Schiedsrichter und seinen Assistenten klappt oft nicht."

Plädoyer für Profi-Schiedsrichter

Der internationale Fußball habe den Beweis erbracht, dass Profi-Schiedsrichter souveräner agieren und mit ihren Assistenten besser zusammenwirken. Einen Oberschiedsrichter einzusetzen, lehnt Hackmann jedoch ab. "Wenn alle drei Minuten der Oberschiedsrichter eingreifen müsste, würde das ein Spiel zerfasern."

Der Liga-Chef plädiert vielmehr für die Nutzung der TV-Bilder. "Ich bin lange Zeit sehr skeptisch gewesen, was den TV-Beweis betraf", sagte Hackmann. "Aber heutzutage liefert das Fernsehen aus den Bundesliga-Stadien exzellente Bilder aus unterschiedlichsten Perspektiven."

TV-Monitor am Spielfeldrand

Der Schiedsrichter, der sich bei einer Entscheidung unsicher ist, könne sofort an den Spielfeldrand gehen und sich die Szene in der Wiederholung ansehen. "Dann bleibt die Entscheidung immer noch in seinem Ermessen." Für den Amateurbereich müssten allerdings weiterhin die Tatsachenentscheidungen das Maß aller Dinge sein. "Denn da gibt es keine 23 Kameras im Stadion", so Hackmann.



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