Reformen Blatter will deutsche Profi-Schiedsrichter und Torkameras

Joseph Blatter setzt den DFB unter Druck. Der Fifa-Boss drängt auf die Einführung von Profi-Schiedsrichtern in Deutschland. Zudem kündigte er Torkameras an. Der Rücktritt von DFB-Präsident Theo Zwanziger habe auch ihn überrascht, sagte der Schweizer.
Fifa-Präsident Blatter: "Deutschland muss das Problem anpacken"

Fifa-Präsident Blatter: "Deutschland muss das Problem anpacken"

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Hamburg - Stell Dir vor es ist WM - und kein deutscher Schiedsrichter fährt hin. Dieses Szenario hat Joseph Blatter skizziert. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung forderte der Fifa-Chef den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zur Einführung von Profi-Schiedsrichtern auf. "Das ist ein Problem, das man in Deutschland anpacken muss", sagte Blatter.

Damit setzt er den DFB massiv unter Druck - die international tätigen Referees aus Deutschland sind derzeit noch berufstätig. Zuletzt sorgten deutsche Schiedsrichter immer wieder für negative Schlagzeilen. So wird gegen zahlreiche Unparteiischewegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Zudem hatte der Suizidversuch von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati für Diskussionen über die Belastung der Referees gesorgt.

"Die Italiener, Franzosen, Engländer - sie alle machen es richtig. Es kann nicht sein, dass Schiedsrichter einen Tag nach dem Spiel wieder an ihren Schreibtisch müssen", so Blatter. Ohne Profi-Status könnten deutsche Referees nicht mehr bei einer WM pfeifen: "Wir werden von der Fifa aus für die WM 2014 nur noch Schiedsrichter nehmen, die Profis sind. "Sie brauchen Sicherheit, feste Profi-Verträge. Außerdem werden sie so von den Fans und Spielern auch mehr respektiert", sagte Blatter, der die Referees einem "viel zu hohen Druck" ausgesetzt sieht.

Nach jahrelangem Zögern setzt sich der Schweizer jetzt auch für Torkameras ein. Das technische Hilfsmittel soll den Unparteiischen die Arbeit erleichtern und könnte schon in der kommenden Saison zum Einsatz kommen. "Mindestens eines dieser Hilfsmittel muss man jetzt zulassen - und das ist die Torkamera. Es gibt inzwischen Systeme, die Genauigkeit, Schnelligkeit und das Unkomplizierte vereinen. Wir sind so weit, um diese Technik zu nutzen", erklärte Blatter.

Das International Football Association Board (IFAB) werde im März 2012 in London über das Hilfsmittel abstimmen. "Wenn die finale Entscheidung getroffen wird, kann es ab der Saison 2012/13 eingesetzt werden."

Den angekündigten Rücktritt von DFB-Präsident Theo Zwanziger bezeichnete Blatter als überraschend. "Ja, es hat mich sehr überrascht. Ich habe ihn letzte Woche noch gesehen. Da hat er aber nichts gesagt. Bislang hatte ich keinen Kontakt mit ihm. Aber ich werde die Tage Kontakt zu ihm aufnehmen", kündigte Blatter an.

mig/sid/dpa
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