Regeländerungen im Fußball Rosa Karte für übertriebenes Rumgeheule

Welche Regeländerungen können den Fußball attraktiver machen? SPIEGEL-ONLINE-Leser haben sich Gedanken gemacht und Vorschläge unterbreitet - von Anleihen aus anderen Sportarten bis zu kreativen Strafen. Nur manche Ideen sollte man nicht allzu ernst nehmen.

Milans Inzaghi: Übertriebenes Verhalten?
REUTERS

Milans Inzaghi: Übertriebenes Verhalten?


In den vergangenen Monaten hat SPIEGEL-ONLINE-Autor Jens Jeep einige Vorschläge für Regeländerungen gemacht, die den Spaß am Fußball steigern könnten:

  • Mit einem Strafstoß ist nur zu bestrafen, dass eine konkrete Torchance verhindert wurde, bei allen anderen Fouls im Strafraum ist hingegen einen Freistoß aus 20 Metern zu pfeifen.
  • Das Sperren mit Ball wird verhindert, indem die Mannschaft einen Einwurf oder eine Ecke verursacht, die zuletzt die Ballkontrolle hatte, auch wenn der Ball gar nicht berührt wurde.
  • Die letzten 15 Minuten des Spiels werden netto gespielt, damit der Zeitschinderei ein Ende bereitet wird.
  • Abseits ist nur zu pfeifen, wenn der Angreifer im Augenblick nach der Ballabgabe mit dem ganzem Körper näher am Tor ist als der vorletzte Abwehrspieler.
  • Die Gelbe Karte ist mit einer sofortigen Zeitstrafe zu verbinden, anstatt den Spieler lediglich nach der fünften Verwarnung für das nächste Spiel zu sperren.
  • Beim Handspiel im Strafraum ist zwischen der Sanktion im Spiel (Strafstoß bei Verhinderung einer konkreten Torchance) und der Sanktion des Spielers (Verwarnung) zu unterscheiden.
  • Torentscheidungen sind dem Videobeweis zugänglich zu machen. Zudem ist Schiedsrichtern die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Entscheidungen nach dem Spiel zu überprüfen und im Hinblick auf individuelle Bestrafungen auch zu korrigieren.

"Bei jeder Roten Karte einen Elfmeter geben - egal wo das Foul passierte"

Zum Abschluss der Serie über Regeländerungen im Fußball zeigt SPIEGEL ONLINE eine Auswahl der besten Leser-Vorschläge - einige ernst gemeint, andere offenbar nicht so sehr:

Leser Sterborg geht analytisch an die Sache und wünscht sich wie Jens Jeep die Trennung von Regelverstoß und Spielsituation: "Je nach Härte des Vergehens wird der Übeltäter mit einer persönlichen Strafe bestraft. Zusätzlich wird die Spielsituation wieder hergestellt: durch Einwurf, Freistoß oder eben Strafstoß. Dabei ist es egal, wo das Foul stattfand - eine Torgelegenheit kann man eben überall auf dem Platz verhindern, und nicht immer verhindert ein Foul im Strafraum eine solche." In diese Richtung geht auch das Votum von Brieli: "Bei jeder Roten Karte einen Elfmeter geben - egal wo das Foul passierte."

CaptainSubtext fordert: "Vom Schiedsrichter falsch eingeschätzte/übersehene Regelwidrigkeiten müssen nachträglich bestraft werden, im speziellen Schwalben." Bananenrepublik sieht darin einen Ansatzpunkt für eine interessante Variante des Auge-um-Auge-Prinzips: Die Schwalbe sollte zu der umgekehrten Sanktion führen, "die der Schwalberich mit seiner Aktion herbeiführen wollte: Eine Schwalbe im gegnerischen Strafraum führt zu einem Elfmeter gegen die eigene Mannschaft."

Thekuluz sieht beim Rugby ein Vorbild im Kampf gegen das ewige Lamentieren über Schiedsrichterentscheidungen, wo "es eine Variante gibt, bei der ein Freistoß sofort um zehn Meter nach vorne verlegt wird, wenn gemeckert wird." Auch onecomment, der namenswidrig mehr als nur einen Kommentar abgab, möchte den Schiedsrichter davor bewahren, ständig andere motzende Spieler vor sich auftauchen zu sehen: "Nur der Kapitän darf noch mit dem Schiri sprechen. Alle anderen bekommen gleich gelb." Außerdem schlägt er vor, "dass der Spieler, der das Foul begangen hat, so lange vom Feld muss, bis auch der verletzte Spieler wieder aufläuft."

Kein Abseits pfeifen, wenn "das Zuspiel per Kopf erfolgt"

Polar und S.Geiss fordern - stellvertretend für viele andere - die Abschaffung des Abseits und verweisen auf die guten Erfahrungen mit dieser Regeländerung beim Feldhockey. Myrrdin plädiert mit anderen wenigstens für den Verzicht auf die Denkfigur des "passiven Abseits", die nur "Verwirrung" stifte. Nospam zieht diplomatisch die Parallele zum Eishockey und möchte das Feld dritteln: Der Ball müsse dann vor dem ersten Angriffsspieler in die Angriffszone gelangen, sonst sei es Abseits. MonteB will dann kein Abseits pfeifen, wenn "das Zuspiel per Kopf erfolgt".

nospam wünscht sich auch einen anderen Umgang mit Fouls und nimmt eine weitere Anleihe beim Eishockey. Er schlägt vor, der Schiedsrichter solle Fouls zwar anzeigen, das Spiel aber immer solange weiterlaufen lassen, bis die foulende Mannschaft an den Ball kommt. Erst dann werde das Foul gepfiffen und der Freistoß gegeben. Schieße die gefoulte Mannschaft durch diesen immer gegebenen Vorteil ein Tor, werde das Foul nicht weiter geahndet. Dann wäre Schluss mit der Erkenntnis: "Hätte er sich hinfallen lassen, hätte es Freistoß gegeben. So hat er den Ball verspielt."

Saddamatus schlägt eine besonders kreative Zeittauschstrafe für Regelverstöße vor: "Im bestraften Team muss ein Feldspieler für zehn Minuten anstelle des Torwarts ins Tor, der dafür so lange als Feldspieler agieren darf/muss. Dürfte abschreckender sein, als fünf Minuten mit einem Mann weniger spielen zu müssen." Auch JayRox findet die kurze Zeitstrafe nicht völlig überzeugend, erkennt er darin doch, vielleicht mit Blick auf die eigenen Erfahrungen, sogar einen Vorteil für den Übeltäter, "da der Zeit zum Ausschnaufen, Trinken, etc. bekommt".

Bei einem 0:0 gäbe es gar keine Punkte

Frubi wünscht sich die "Rosa Karte" für übertriebenes Verhalten und "Rumgeheule", etwa wenn zwei Spieler nach sanfter Berührung "zu Boden gehen, als hätten sie einen Schlagstock ins Gesicht bekommen", was onecomment mit der Pflicht ergänzt, "mehrere Spieltage eine rosafarbene Armbinde tragen" zu müssen, damit sie für jeden Schiedsrichter leicht zu erkennen sind und so "unter besonderer Beobachtung stehen".

Brieli schlägt vor, in der Verlängerung "die Zahl der Spieler kontinuierlich zu reduzieren, alle acht Minuten jeweils einen Spieler raus", um es nicht mehr auf das Elfmeterschießen ankommen zu lassen. hann.overaner möchte den Trainer generell auf die Tribüne verbannen und das Auswechseln ganz verbieten, denn "Ruderer wechseln auch nicht während des Rennens den Schlagmann aus".

Tore will Thomas Brandt sehen - und nur dann Punkte vergeben. Bei einem 0:0 gäbe es gar keine Punkte, bei einem Sieg drei Punkte und beim Unentschieden "bekommt der Hausherr einen und die Gastmannschaft zwei Punkte". Möglicherweise gar kein so abwegiger Vorschlag.

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
frubi 14.01.2010
1. .
Zitat von sysopWelche Regeländerungen können den Fußball attraktiver machen? SPIEGEL-ONLINE-Leser haben sich Gedanken gemacht und Vorschläge unterbreitet - von Anleihen aus anderen Sportarten bis zu kreativen Strafen. Jedoch sollten nicht alle Ideen ernst genommen werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,668722,00.html
Das ist ja mal cool. Hätte nie gedacht, dass mal ein sinnloser Post von mir den Weg in einen Artikel findet. Das Konzept finde ich gut da die SPON-Fourm-Gemeinschaft schon ziemlich fleissig Beiträge schreibt. Mal mehr und mal weniger konstruktiv.
Mulharste, 14.01.2010
2. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von sysopWelche Regeländerungen können den Fußball attraktiver machen? SPIEGEL-ONLINE-Leser haben sich Gedanken gemacht und Vorschläge unterbreitet - von Anleihen aus anderen Sportarten bis zu kreativen Strafen. Jedoch sollten nicht alle Ideen ernst genommen werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,668722,00.html
Naja, also einige Regelnänderungen sind schon Humbug. Gerade auc Zeitspiel gehört ein bisschen dazu und auch Schwalben gehören zum Fußball. Interessant ist wirklich der Videobeweis, eine Änderung der Abseitsregel (abseits ist wieder abseits - nix passiv) und bei eiem Unentschieden werden die Punkte nict mehr pari geteilt, sondern 70/30. Auswärtstema erhält 2 Punkte, Heinmteam einen.
noname0815 14.01.2010
3. Rosa Bändchen für Rumgeheule?
Wow, welch Einfallsreichtum! Nur leider schade, dass solche homophoben Auslassungen, seien sie auch zum Spaß gedacht, nur das Bild bestätigen, dass Fußball eine Sportart der Intoleranz ist. Und das, wo auch in aktueller Zeit von den entsprechend Verantwortlichen stets die ach' so gelobte Fairness im Sport gefodert wird - auch seitens der Fans. Aber klar, dumm rumheulen und verweichlicht: das sind natürlich alles nur Jungs, die rosa mögen als Farbe, die man Homosexuellen zuschreibt. Willkommen im Fußballdeutschland der 50er Jahre. Schade ist das immer für jemanden wie mich, der sowohl homosexuell als auch glühender Fußballfan ist.
DJ Doena 14.01.2010
4. Assoziation
Zitat von noname0815Wow, welch Einfallsreichtum! Nur leider schade, dass solche homophoben Auslassungen, seien sie auch zum Spaß gedacht, nur das Bild bestätigen, dass Fußball eine Sportart der Intoleranz ist. Und das, wo auch in aktueller Zeit von den entsprechend Verantwortlichen stets die ach' so gelobte Fairness im Sport gefodert wird - auch seitens der Fans. Aber klar, dumm rumheulen und verweichlicht: das sind natürlich alles nur Jungs, die rosa mögen als Farbe, die man Homosexuellen zuschreibt. Willkommen im Fußballdeutschland der 50er Jahre. Schade ist das immer für jemanden wie mich, der sowohl homosexuell als auch glühender Fußballfan ist.
Erst bauen Sie hier den Strohmann rosa=schwul auf, um ihn dann anschließend selbstgerecht zu bekämpfen. Faszinierend.
parasympathikus 14.01.2010
5. Kommentar
Zitat von noname0815Wow, welch Einfallsreichtum! Nur leider schade, dass solche homophoben Auslassungen, seien sie auch zum Spaß gedacht, nur das Bild bestätigen, dass Fußball eine Sportart der Intoleranz ist. Und das, wo auch in aktueller Zeit von den entsprechend Verantwortlichen stets die ach' so gelobte Fairness im Sport gefodert wird - auch seitens der Fans. Aber klar, dumm rumheulen und verweichlicht: das sind natürlich alles nur Jungs, die rosa mögen als Farbe, die man Homosexuellen zuschreibt. Willkommen im Fußballdeutschland der 50er Jahre. Schade ist das immer für jemanden wie mich, der sowohl homosexuell als auch glühender Fußballfan ist.
Hab ich mir auch gedacht. Allerdings denke ich , zur Verteidigung des "Ideengebers", dass er das eher in Richtung "rosa=kleine-Mädchen-Verhaltens-Farbe" ist. Einfach den Puls wieder runterfahren ;) Und zum Rest der Regeländerungen denke ich, dass 99% davon nicht verwertbar sind. Wenn die Änderungen zu Ballsperren, Schwalben, Zeitstrafen etcpp plötzlich eingeführt würden, wären somit viel mehr Manipulationen möglich, da einzelne Spieler zu viel Einfluss auf Schiedsrichterentscheidungen bekämen. Regeln aus dem Eishockey wirken erst mal verführerisch (Netto-Zeit, feste Abseitsregionen) aber hey, das hier ist immernoch Fussball. "Chaos" ist immernoch ein fester Bestandteil und macht einen großen Anteil des Spaßes aus. Anhand der neueren Abseitsregel mit passivem Anteil, kann man ja sehen, dass neue Regeln im Prinzip rein gar nichts bringen. Ich hab nicht das Gefühl, dass heut zu Tage weniger Abseits gepfiffen wird. MfG
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