Nach Ausbootung von Weltmeister-Trio DFB-Chef Grindel kritisiert Führungsstil von Bundestrainer Löw

Nachdem Hummels, Boateng und Müller enttäuscht auf ihre Ausmusterung aus der Nationalmannschaft reagiert hatten, stimmt nun auch DFB-Boss Reinhard Grindel in die Kritik am Bundestrainer ein.

Reinhard Grindel
ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Reinhard Grindel


DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Bundestrainer Joachim Löw wegen der Art der Ausbootung der drei 2014er-Weltmeister Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller deutlich kritisiert.

"Ich glaube, dass es klug gewesen wäre, schon am Dienstag selbst, am Tag der Entscheidung, im Rahmen einer Pressekonferenz persönlich einerseits die Wertschätzung für die Spieler deutlich zu machen, andererseits die inhaltlichen Gründe der Öffentlichkeit zu vermitteln, warum man jetzt einen anderen Weg gehen will - so überzeugend, wie er das auf seiner Pressekonferenz (zur Kadernominierung, d. Red.) gemacht hat", sagte Grindel am Rande des Fifa-Kongresses in Miami dem ZDF. "Wenn man das gleich gemacht hätte, wären sehr viele Fragen beantwortet und damit auch sehr viele Missverständnisse vermieden worden."

Löw hatte an jenem Dienstag Boateng, Hummels und Müller in kurzen Gesprächen auf der Geschäftsstelle von Bayern München überraschend erklärt, dass er nicht mehr mit ihnen plane. Der DFB hatte die Entscheidung anschließend in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Alle drei Spieler hatten in der Folge enttäuscht auf die Art der Ausmusterung reagiert. Löw selbst hatte sich zu seinen Beweggründen erst am Freitag geäußert.

Grindel betonte, dass er grundsätzlich die Entscheidungen des Bundestrainers mittrage. Er selbst sei von Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff an jenem Vormittag des 5. März angerufen und über die Personalentscheidungen "umfassend informiert worden".

Dies hätte man nach Grindels Ansicht aber ebenfalls besser kommunizieren können: "Es wäre möglicherweise richtig gewesen, und darüber sprechen wir auch noch mal im Rahmen der Delegation, umfassend alle Delegationsmitglieder zu informieren."

Löw selbst sieht dies wohl völlig anders, wie er zuletzt klarstellte: "Sportliche Entscheidungen treffe ich autark. Ich habe die absolute Entscheidungshoheit. Warum wir manche Leute nicht informiert haben: Der Kreis war klein, Oliver Bierhoff plus mein Trainerteam."

sak/sid

insgesamt 67 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
s-achte 16.03.2019
1.
Ich weiß ja nicht, ob ich da nicht was falsch verstehe, aber erst PK und dann Gespräch oder was? Da war doch der Weg von Löw besser, denke ich, zu den Bayern zu reisen und mit den Beteiligten erstmal zu sprechen. Komischerweise werden aber die öffentlichen Statements der Beteiligten vor der PK gar nicht thematisiert. Gespräch, PK, Stellungnahme wäre für mich die richtige Reihenfolge gewesen. Und es war nicht Löw, der da aus der Reihe gefallen ist.
skeptikerjörg 16.03.2019
2. Reinhard Grindel?
Derselbe Reinhard Grindel, der ein Interview mit der DW abgebrochen hat, weil ihm unangenehme Fragen zu den undurchsichtigen Finanzdeals des Herrn Infantino mit unbekannten Finanziers gestellt wurden? Derselbe Reinhard Grindel, der sich nicht traut, offen gegen die Ausweitung der WM auf 48 Teilnehmer und gegen die "wunderbare" Vereinsweltmeisterschaft auszusprechen, die sein Freund Infantino aus der Taufe gehoben hat, sondern in Miami als Claqueur auftritt? Und der erzählt was über Stil und Formen und über Öffentlichkeitsarbeit? Lieber Reinhard Grindel, gehen Sie am besten zurück in den Bundestag, MdB's nimmt man es nicht übel, wenn sie sich so verhalten, einem DFB-Präsidenten schon. Und das Ablenkungsmanöver vom eigenen Verhalten (siehe DW-Interview) ist ziemlich offensichtlich.
MisterD 16.03.2019
3. Wer nichtmal die Eier hat...
ein unangenehmes Interview bis zum Ende zu führen, sollte nicht kurz saruaf schon wieder die dicke Lippe riskieren...
d´point 16.03.2019
4. Der Mann muss weg
Tatsächlich, erst dieses würdelose Interview und jetzt auch noch das! Stil?? Hat er nie gehabt und kann daher nicht darüber schwadronieren
peter-11 16.03.2019
5. ausgerechnet Grindel
der fürchterlichste DFB-Präsident den es je gab. Der Mann hat einfach kein Rückgrat, nur einfach überall einschleimen. Der Präsident des größten Verbandes wird von niemandem ernst genommen. Statt Aussagen zu den mafiösen Machenschaften eines Herrn Infantino, bricht er einfach ein Interview ab. Dieser Mann hat keinerlei Kompetenz und gehört nicht an diese Position. Allerdings nähert sich der DFB dem nebulösen Verhalten der FIFA an. (vorsichtig formuliert) Jedenfalls ist mir der Bundestrainer roh lieber als der Präsident gebacken und das ist schon schwierig genug.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.