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02. April 2019, 13:11 Uhr

Nach Korruptionsvorwürfen

DFB-Präsident Reinhard Grindel tritt zurück

Der Druck wurde immer größer, jetzt ging es ganz schnell: Reinhard Grindel ist von seinem Posten des DFB-Präsidenten zurückgetreten. Das bestätigte der 57-Jährige.

Reinhard Grindel ist von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Das gab Grindel in Frankfurt in einer persönlichen Erklärung in der Verbandszentrale bekannt. Bis zu den Neuwahlen im September werden die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball den DFB kommissarisch leiten.

Der SPIEGEL hatte erst am Freitag von Zahlungen an Grindel zwischen Juli 2016 und Juli 2017 berichtet. Es geht um insgesamt 78.000 Euro, die der 57-Jährige als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien GmbH erhielt. Der Funktionär räumte die Zahlungen auf SPIEGEL-Anfrage ein, pochte aber darauf, dass er zum Zeitpunkt seiner Wahl noch nicht Vorsitzender des Aufsichtsrats der DFB-Tochter gewesen sei und deshalb damals auch nichts verschwiegen habe.

Ohnehin geht es vielmehr um die Außenwirkung des Zusatzverdienstes. Schließlich hatte sich Grindel stets Transparenz auf die Fahne geschrieben. Bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) steht der DFB-Präsident sogar an der Spitze der Compliance-Kommission. Grindel war 2016 als DFB-Präsident angetreten, um den Verband nach dem Sommermärchen-Skandal ein neues Gesicht zu geben.

Davon war zuletzt nur noch wenig zu spüren. Grindel soll 2017 zum Geburtstag eine Luxus-Uhr von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen geschenkt bekommen haben. Dazu hatte der SPIEGEL dem DFB am Montagabend sechs Fragen geschickt. Später hatte die "Bild"-Zeitung über die Luxusuhr berichtet, die ihm nun zum Verhängnis wurde.

Grindel bestätigte den Vorfall und schrieb in seiner Rücktrittserklärung: "Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe." Einen Interessenkonflikt wies er allerdings zurück. "Ich bin tief erschüttert, dass ich wegen eines solchen Vorgangs meine Funktion als DFB-Präsident aufgeben muss."

Lahm als DFB-Präsident? "Überhaupt keine Ambitionen"

Als mögliche Nachfolge fiel zuletzt immer wieder der Name von Philipp Lahm. Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern hat nach eigenen Angaben "überhaupt keine Ambitionen, DFB-Präsident zu werden".

Um Grindel häuften sich zuletzt die Fehltritte: die miserable Moderation des Rücktritts von Mesut Özil, ein abgebrochenes Interview mit der "Deutschen Welle" oder jüngste Aussagen zur Ausmusterung der langjährigen DFB-Stars Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller, als Grindel den Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw kritisierte - und er wenig später den Rüffel wieder zurücknahm.

Grindels will Posten bei Fifa und Uefa behalten

Der ehemalige ZDF-Journalist und spätere CDU-Bundestagsabgeordnete ist seit April 2016 Präsident des DFB. Er folgte auf Wolfgang Niersbach, der im Zuge der Affäre um die WM 2006 zurücktreten musste.

Ein Jahr später war er ins Exekutivkomitee der Uefa sowie als Uefa-Vertreter ins Council des Weltverbands Fifa gewählt worden. Diese beiden Ämter sind unabhängig von seiner Tätigkeit beim DFB. Die gut dotierten und prestigeträchtigen Posten, die rund eine halbe Million Euro im Jahr einbringen, will Grindel behalten. In seiner Amtszeit beim DFB fällt die Vergabe der Europameisterschaft 2024 an Deutschland.

jan/dpa/sid

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