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01. April 2019, 11:31 Uhr

Grindels Einkünfte von Tochterunternehmen

DFB will keine außerordentliche Präsidiumssitzung einberufen

Reinhard Grindel steht seit Wochen in der Kritik und wegen verheimlichter Zahlungen wächst der Druck auf den DFB-Präsidenten. Einen Sondertermin nach den jüngsten Vorwürfen plant der Verband aber nicht.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird keine außerordentliche Präsidiumssitzung einberufen, um die jüngsten Vorwürfe gegen Präsident Reinhard Grindel aufzuarbeiten. Das sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch dem Sport-Informations-Dienst. Weitere Angaben zum Umgang mit dem Thema wollte Koch allerdings nicht machen.

Insofern bleibt offen, in welcher Form sich der DFB mit den Vorwürfen beschäftigen wird. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) könnte es auch eine "informelle Zusammenkunft" wichtiger Präsidiumsmitglieder geben. Nach wie vor halten sich die Spekulationen, wonach Grindel zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur beim DFB-Bundestag im September bewegt werden soll.

Der SPIEGEL hatte am Freitag von Zahlungen an Grindel zwischen Juli 2016 und Juli 2017 berichtet. Es geht um insgesamt 78.000 Euro, die der 57-Jährige als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien GmbH erhielt.

Von verschleierten Überweisungen kann zwar nicht die Rede sein, weil Grindel den Vorsitz wie sein Vorgänger Wolfgang Niersbach legal und auch erst Wochen nach seiner Wahl zum DFB-Chef (April 2016) übernahm. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert dazu dennoch einen nicht namentlich genannten "Spitzenfunktionär": "Wir wussten nicht, dass er die Zahlungen einfach übernimmt."

Grindel lässt kein Fettnäpfchen aus

Grindel räumte die Zahlungen auf SPIEGEL-Anfrage ein, pochte aber darauf, dass er zum Zeitpunkt seiner Wahl noch nicht Vorsitzender des Aufsichtsrats der DFB-Tochter gewesen sei und deshalb damals auch nichts verschwiegen habe. Ohnehin geht es vielmehr um die Außenwirkung des Zusatzverdienstes. Schließlich hatte sich Grindel stets Transparenz und Offenheit auf die Fahne geschrieben. Bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) steht der DFB-Präsident sogar an der Spitze der Compliance-Kommission.

Um Grindel häuften sich zuletzt die Fehltritte: die miserable Moderation des Rücktritts von Mesut Özil, ein abgebrochenes Interview mit der "Deutschen Welle" oder jüngste Aussagen zur Ausmusterung der langjährigen DFB-Stars Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller, als Grindel den Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw kritisierte - und er wenig später die Kritik wieder zurücknahm.

jan/sid

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