DFB-Präsident Grindel kritisiert Modifizierung des Videobeweises

Der Videoassistent solle "kein Oberschiedsrichter" sein: DFB-Präsident Reinhard Grindel hat sich gegen die neue Rolle des Videobeweises ausgesprochen. Nun will er mit dem Schiedsrichter-Boss sprechen.

Reinhard Grindel
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Reinhard Grindel


DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die heimliche Modifizierung des Videobeweises kritisiert und eine Aussprache mit Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich angekündigt. "Dieses Schreiben wurde mit mir nicht abgestimmt. Ich bin darüber nicht glücklich", sagte Grindel NDR Info über die am 25. Oktober an die Bundesligavereine verschickte DFB-Mitteilung.

Darin hatte der Deutsche Fußball-Bund mitgeteilt, dass der Videoassistent entgegen der vor der Saison festgelegten Richtlinie künftig auch dann eingreifen soll, wenn keine "klare Fehlentscheidung" des Schiedsrichters vorliegt.

Grindel lehnt das ab. "Ich bin dafür, dass der Videoassistent nur dann eingreift, wenn glasklar dem Schiedsrichter auf dem Platz ein Wahrnehmungsfehler unterlaufen ist und er seine Entscheidung mit Sicherheit anders getroffen hätte", sagte er. Der Videoassistent solle "kein Oberschiedsrichter" sein.

Die umstrittene Kurskorrektur hatte der DFB schon Mitte September nach dem 5. Spieltag vorgenommen. Warum die Vereine erst viel später darüber informiert wurden, ist noch unklar. Auf eine entsprechende dpa-Anfrage antwortete der Verband bislang nicht.

mru/dpa



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alternativlos 03.11.2017
1. Schicke Brille
"Die Idee sitzt gleichsam als Brille auf unsrer Nase, und was wir ansehen, sehen wir durch sie. Wir kommen gar nicht auf den Gedanken, sie abzunehmen." (Wittgenstein)
xvxxx 03.11.2017
2. Unverständlich
Ich werde nie verstehen, warum man sich nicht an Feldsportarten orientiert hat, die den Videobeweis erfolgreich einsetzen. Wieso macht man es nicht wie im American Football, in dem nicht der Schiedsrichter oder wer auch immer willkürlich korrigiert, sondern führt eine "Challenge" ein , eine in jeder Halbzeit für jedes Team, in der die Schiedsrichterentscheidung angezweifelt werden kann. Das noch begrenzt auf klar umrissene Situationen ( z.B. Tätlichkeit oder eben Strafraumszene). Und stattgegeben wird nur wenn der Videobeweis klar das Gegenteil der schiedsrichterentscheidung zeigt. D.h. bei unklarer Situation kann nicth der SR revidieren , sondern seine Tatsachenentscheidung steht. Das würde die Position des Schiedsrichters auf dem Feld stärken. So wie das hier praktiziert wird steigert das nur die Unklarheiten. Auch im Video gibts unklare Situationen, und die Entscheidungen sind nicht fundierter als vorher.
compiler 03.11.2017
3.
Zitat von xvxxxIch werde nie verstehen, warum man sich nicht an Feldsportarten orientiert hat, die den Videobeweis erfolgreich einsetzen. Wieso macht man es nicht wie im American Football, in dem nicht der Schiedsrichter oder wer auch immer willkürlich korrigiert, sondern führt eine "Challenge" ein , eine in jeder Halbzeit für jedes Team, in der die Schiedsrichterentscheidung angezweifelt werden kann. Das noch begrenzt auf klar umrissene Situationen ( z.B. Tätlichkeit oder eben Strafraumszene). Und stattgegeben wird nur wenn der Videobeweis klar das Gegenteil der schiedsrichterentscheidung zeigt. D.h. bei unklarer Situation kann nicth der SR revidieren , sondern seine Tatsachenentscheidung steht. Das würde die Position des Schiedsrichters auf dem Feld stärken. So wie das hier praktiziert wird steigert das nur die Unklarheiten. Auch im Video gibts unklare Situationen, und die Entscheidungen sind nicht fundierter als vorher.
Das Beispiel mit dem American Football kommt sehr häufig. Allerdings ist das Übertragen auf den Fussball sehr schwierig. Beim Football gibt es keinen Spielfluss, da wird nach jedem Spielzug unterbrochen. Wie will man verhindern, dass im Fussball der Spielfluss, z.B. in einer aussichtsreichen Kontersituation, einfach unterbrochen wird?
diewildedreizehn 03.11.2017
4. Und noch ein Koch
Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Nun würzt als auch Hobbykoch Grindel noch an der Suppe mit? Und das natürlich mit entsprechender Pressemitteilung. Einfach mal das Telefon in die Hand nehmen und im Hintergrund arbeiten bis man eine fundierte Position einnehmen kann? Nee, das geht gar nicht. Lieber redet man populistisch und sachlich falsch von "Oberschiedsrichter".
kaliballer 03.11.2017
5. klare Fehlentscheidung ?
Wann soll das sein ? Der Videobeweis kann helfen Fehler aufdecken, auch dann wird darüber gestritten, ob ein Fehler gemacht wurde. Ob eine Fehlentscheidung vorliegt, kann erst nach der Videoprüfung festgestellt werden. Klar wird die Fehlentscheidung erst danach. Es ist also unsinnig, eine klare Fehlentscheidung als Voraussetzung für den Einsatz des Videobeweises zu verlangen. Deshalb heisst es auch in der internationalen Regel, dass er bei strittigen Szenen eingesetzt werden soll. Sinn macht es nur, den Einsatz auf bestimmte Fälle zu beschränken, wie es auch vorgesehen ist, z. B. bei Toren, Platzverweisen. Grindel redet hier nur den Kritikern nach dem Mund. Es kann doch keiner behaupten, der Videobeweis würde nicht zu mehr richtigen Entscheidungen führen. Ungerecht wird es aber, wenn er nur bei angeblich klaren Fehlentscheidungen eingesetzt werden soll. Denn das kann dann nicht mehr nachvollzogen werden, wannn der Einsatz erfolgt und wann nicht.
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