Grindel vor Wiederwahl beim DFB Alter Verwalter

Reinhard Grindel kandidiert vor dem DFB-Bundestag erneut um das Amt des Präsidenten. Seine Wiederwahl ist sicher - auch weil sich unter ihm beim Verband nicht allzu viel ändert.

DFB-Präsident Reinhard Grindel
REUTERS

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Von


Man darf Reinhard Grindel jetzt bereits gratulieren. Am Freitag stellt sich der 54-Jährige vor dem DFB-Bundestag in Erfurt den Abgeordneten zur Wiederwahl als Präsident, einen Gegenkandidaten gibt es wie üblich nicht. Seine Wahl gilt als Formsache.

Tatsächlich hat der Präsident bisher wenig getan, um seine Wahl zu gefährden. Grindel ist in seinem Amt überraschend schnell angekommen, jederzeit und zu jedem Anlass in der Lage, eine mindestens fünfminütige Rede zu halten. Die zwar dann nicht so launig ausfällt wie unter seinem Vorgänger Wolfgang Niersbach, aber alle Bestandteile enthält, die die Zuhörer in diesem Moment hören wollen. Als er im Sommer die erste DFB-Pokalrunde live im Fernsehen ausloste, war er bestens vorbereitet und wusste zu jedem noch so kleinen Verein eine Geschichte zu erzählen. Das kommt gut an.

Noch vor vier Tagen hat Grindel für ihn angenehm zeitnah vor dem Bundestag die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löwüber die Bühne gebracht. Das wird ihm bei den Delegierten, die sich nur allzu gerne noch immer im Glanz des WM-Titels von 2014 sonnen, nicht zum Nachteil gereichen. Die für beide Seiten einträgliche Zusammenarbeit mit Adidas hat Grindel mit einem neuen Ausrüstervertrag fortgesetzt.

Netzwerken ist dem langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten und gelernten Journalisten ohnehin immer leicht gefallen. Grindel mag beileibe kein Charismatiker sein, er ist vielmehr der klassische Funktionärstyp, aber das Händeschütteln und das joviale Zwiegespräch hinter der Kulisse ist seit Langem eines seiner Kerngeschäfte.

"Es gibt keine offene Baustelle mehr"

Von daher wird er am Freitag mit einem überzeugenden Ergebnis aus dem Wahlgang des Bundestages herausgehen, das ist sicher. Dass der DFB sich immer noch in den Nachwehen der größten Krise seiner jüngeren Geschichte, ausgelöst durch die SPIEGEL-Recherchen zur WM 2006, befindet, das wird man dem Verband kaum anmerken. "Es gibt mit Blick auf unsere Ankündigungen keine offene Baustelle mehr", sagte Grindel im Vorfeld des Verbandstages.

Ankündigungen - darin ist er tatsächlich ein Meister. In seiner Antrittsrede im April hatte Grindel den "neuen DFB" ausgerufen. Davon ist bislang nur im Ansatz etwas zu spüren. Nach der Vorstellung des Freshfields-Berichtes zur WM-Affäre ist von Verbandsseite wenig in Sachen Aufklärung passiert. Schon Mitte Mai, bei der Vorstellung des EM-Kaders, sprach der DFB-Boss den Satz: "Wir haben eine Affäre, die wir aufzuarbeiten hatten", von der Aufklärung in der Vergangenheitsform.

Als der SPIEGEL dann im Spätsommer nachlegte und die Zahlungen an OK-Chef Franz Beckenbauer offenbarte, gab sich Grindel völlig überrascht. Die Einrichtung einer Ethikkommission unter Vorsitz von Ex-Minister Klaus Kinkel soll nun auf der Sitzung des Bundestages beschlossen werden. Was noch keine Garantie für Transparenz ist: Auch die Fifa unter Joseph Blatter hatte über Jahre eine Ethikkommission.

Immerhin: Der Finanzbericht des DFB wird jetzt öffentlich gemacht - darin enthalten auch die Übersicht über knapp eine Million Euro, die der DFB an Stiftungen ausschüttet - und ins Internet gestellt hat. Auch die Kostenexplosion bei der DFB-Akademie in Frankfurt, die jetzt schon mindestens 20 Millionen Euro mehr kostet als geplant, wird nicht verschwiegen. Kleine Schritte.

EM 2024 soll in jedem Fall nach Deutschland gehen

Bei der Wahl des neuen Uefa-Chefs Aleksander Ceferin haben der DFB und sein Präsident dafür eine wenig überzeugende Rolle abgegeben. Die Uefa, geschüttelt durch den Korruptionsfall ihres Präsidenten Michel Platini, steht nach wie vor im Zwielicht. Der Niederländer Michael van Praag, der ein konsequentes Aufräumen im europäischen Verband versprochen hatte, galt zunächst auch als Kandidat der Deutschen.

Kurz vor dem Uefa-Wahlkongress wechselte der DFB dann ohne ersichtlichen Grund auf die Seite des bis dahin profilarmen Slowenen Ceferin. Dass dabei Zusagen im Bezug auf die deutsche EM-Bewerbung für das Jahr 2024 eine Rolle gespielt haben können, wird seitdem angeregt spekuliert und von Grindel selbstverständlich zurückgewiesen. Der Ruch des Schacherns, der Fifa und Uefa so in Misskredit gebracht hat, bleibt bestehen.

Der Präsident nennt die EM-Bewerbung "das große Leuchtturmprojekt des DFB". Man könnte sich auch die Sozialarbeit, die Unterstützung der kleinen Vereine, die mehr und mehr von Geldsorgen geplagt werden, die Förderung von Frauen, von Flüchtlingsprojekten, von Integration als Leuchtturmprojekte eines DFB vorstellen. All das tut der Verband sicherlich auch, aber den Verdacht, dass im Zweifelsfall alles dem großen Ziel EM 2024 untergeordnet wird, hat Grindel bisher nicht ausräumen können. Er hat ihn eher genährt.

Reinhard Grindel, der Niedersachse aus Rotenburg an der Wümme, gefördert vom dortigen langjährigen und mächtigen Verbandschef Karl Rothmund, ist kein Erneuerer, ein Umstürzler schon mal gar nicht. Wenn man ihm überhaupt schon irgendein Profil attestieren kann, dann dieses: Grindel ist ein Verwalter. Und genau deswegen wird er mit großer Mehrheit zum DFB-Präsidenten wiedergewählt.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Putsche 03.11.2016
1. Regionalliga Reform
Herr Grindel hat sich bei den Großen aus 1. und 2. Liga eingeschleimt und ist sich damit deren Zustimmung gewiss. Dass der werte Herr dabei die Basis vergisst, zeigt sein Verhalten in der Regionalligareform und ist eigentlich ein Skandal. Es gab verschiedene Vorschläge, die dazu führen soll, dass der Meister (also ein Verein, der nach 34,36 oder 38 Spielen) Erster einer der Regionalligen ist, aufsteigt. Das wäre z.B. entweder über eine Zusammenlegung der jetzt 5 RL gehen können oder mit einer Aufstockung der 3. Liga. Herr Grindel will davon nichts wissen und hat alles ad acta gelegt. Die Begründung ist eine reine Face: es wäre eine Zumutung für die kleinen Vereine weitere Strapazen auf sich zu nehmen. Sorry, das ist lächerlich. Dass nur eine Person über die weitere Zukunft (nämlich quasi keine) großer Traditionsvereine, wie z.B. Rot-Weiss Essen, Alemania Aachen, Offenbacher Kickers, etc. entscheidet, kann doch eigentlich in einem demokratischen Land nicht mehr aktuell sein, ist aber so. Es lebe die Monarchie eines Herrn Grindel. Meine Stimme würde er nicht bekommen und meine Sympathie sowieso nicht. Der DFB genau verkrustet und antiquiert wie vor den Skandalen.
mittelstadtuwe 03.11.2016
2.
Zitat von PutscheHerr Grindel hat sich bei den Großen aus 1. und 2. Liga eingeschleimt und ist sich damit deren Zustimmung gewiss. Dass der werte Herr dabei die Basis vergisst, zeigt sein Verhalten in der Regionalligareform und ist eigentlich ein Skandal. Es gab verschiedene Vorschläge, die dazu führen soll, dass der Meister (also ein Verein, der nach 34,36 oder 38 Spielen) Erster einer der Regionalligen ist, aufsteigt. Das wäre z.B. entweder über eine Zusammenlegung der jetzt 5 RL gehen können oder mit einer Aufstockung der 3. Liga. Herr Grindel will davon nichts wissen und hat alles ad acta gelegt. Die Begründung ist eine reine Face: es wäre eine Zumutung für die kleinen Vereine weitere Strapazen auf sich zu nehmen. Sorry, das ist lächerlich. Dass nur eine Person über die weitere Zukunft (nämlich quasi keine) großer Traditionsvereine, wie z.B. Rot-Weiss Essen, Alemania Aachen, Offenbacher Kickers, etc. entscheidet, kann doch eigentlich in einem demokratischen Land nicht mehr aktuell sein, ist aber so. Es lebe die Monarchie eines Herrn Grindel. Meine Stimme würde er nicht bekommen und meine Sympathie sowieso nicht. Der DFB genau verkrustet und antiquiert wie vor den Skandalen.
Und nicht meinen FC Carl Zeiss Jena vergessen! Ansonsten - PUNKT - alles richtig!
derandersdenkende, 03.11.2016
3. Dieser Verband hat dem Fußball Deutschlands und der Welt großen Schaden zugefügt!
Ich bezweifle, daß dies überhaupt zur Sprache kommt. Grindel faselt zwar von Rückgewinnung der Glaubwürdigkeit und sieht Deutschland bereits für weitere neue Großveranstaltungen bereit. Solche Leute braucht das Land, abgehoben bis zur Unkenntlichkeit, keinerlei Schuldbewußtsein, aber immer für Karrieresprünge bereit. Und schuld sind immer nur die anderen. Für den Fußball an sich und als Volkssport scheint der Herr kein Interesse zu entwickeln, dafür für das Geld, daß sich damit verdienen läßt. Merkel zeigt Flagge und stärkt dem Treiben den Rücken!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.