Tibet-Proteste in der Regionalliga Grindel warnt chinesischen Verband

Nach den Tibet-Protesten am Wochenende während eines Testspiels der chinesischen U20 hat sich DFB-Chef Reinhard Grindel zu Wort gemeldet. Die Chinesen müssten demokratische Proteste akzeptieren, sagte er.

Tibets Fahne am Rande des Testspiels von Chinas U20
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Tibets Fahne am Rande des Testspiels von Chinas U20


DFB-Präsident Reinhard Grindel hat den chinesischen Fußballverband zu mehr Gelassenheit aufgefordert. "Die Meinungsfreiheit gilt auf dem Fußballplatz und neben den vier Eckfahnen. Ich würde mich freuen, wenn der chinesische Fußballverband sich auf die Chancen konzentriert, die sich durch die Spiele gegen die Regionalligisten ergeben", sagte Grindel. Der DFB werde abwarten, ob es beim nächsten Auftritt der Chinesen beim FSV Frankfurt am Samstag zu weiteren Vorfällen komme.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe "dem chinesischen Verband auch deutlich gemacht, dass, wenn man in Deutschland spielt, man sich auch damit auseinandersetzen muss, dass jeder seine Meinung frei sagen kann."

Beim ersten Gastspiel der chinesischen U20-Nationalmannschaft am vergangenen Wochenende beim TSV Schott Mainz hatten Aktivisten der Tibet-Initiative Stuttgart in der ersten Halbzeit Tibet-Fahnen entrollt. Chinas Nachwuchskicker hatten daraufhin den Platz verlassen. Die Partie wurde nach einer Pause fortgesetzt. In der Folge hatte es diplomatische Verstimmungen und Kritik des chinesischen Außenministeriums gegeben.

Nach der Aufregung vom vergangenen Wochenende fordert der Mainzer Geschäftsführer Till Pleuger zeitnah einen Kompromiss - oder das Ende des Projekts. "Der DFB muss sich mit den Chinesen an einen Tisch setzen und reden, es muss eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Wenn das nicht möglich ist, muss im Interesse aller Beteiligten das ganze Ding eben abgebrochen werden", sagte Pleuger der "Welt".

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wollen die Chinesen am Mittwoch nach einer Krisensitzung mit dem DFB entscheiden, ob sie überhaupt zum nächsten Spiel am Samstag beim FSV Frankfurt antreten. Die Fronten seien nach einer Telefonkonferenz am Dienstagabend verhärtet, weil der FSV angekündigt habe, dass Fans erneut eine tibetische Fahne zeigen werden.

aha/dpa/sid



insgesamt 10 Beiträge
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micheleyquem 22.11.2017
1. Ach... wirklich? Na denn...
"Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe "dem chinesischen Verband auch deutlich gemacht, dass, wenn man in Deutschland spielt, man sich auch damit auseinandersetzen muss, dass jeder seine Meinung frei sagen kann."" Da bin ich jetzt aber gespannt wenn DE gegen SPanien spielt, wie man mit den Flaggen Kataloniens umgehen wird?
febra 22.11.2017
2. Das Gelächter der Chinesen
kann man bis hierher hören. Wel zum Teufel ist Hell Glindel...?
Marinus_Ladegast 22.11.2017
3. Zweierlei Maß
Wenn die Grünen mitten in der Münchner Allianz-Arena auf Spruchbändern Wahlwerbung betreiben würden, würde die CSU Gift und Galle spucken und die Aktion verbieten lassen. Wenn ein Brasilianer beim Torjubel ein T-Shirt entblößt, auf dem "Jesus is great" steht, gilt das als politische Aussage und ist ebenfalls ausdrücklich untersagt. Weshalb lässt man dann tibetanische Flaggen zu und begründet das mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung? Jedem ist wahrscheinlich bewusst, dass man die Politik nicht ganz aus dem Stadion raushalten kann. Aber man sieht auch, welche Probleme das immer wieder gibt und wie schnell die Sache eskaliert. Politiker im Vereinsschal auf der Ehrentribüne, nationale Stereotypen, Schrille Pfiffe gegen die Nationalhymne des Gegners, Affenlaute gegen schwarze Spieler ... Was selbst so eine an sich harmlose Flagge anrichten kann, hat man vor zwei, drei Jahren beim Spiel Serbien gegen Albanien gesehen. Damals haben die Albaner eine provozierende Flagge per Drohne eingeflogen, und das Spiel musste nach bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen abgebrochen werden. Wollen wir so etwas wirklich?
vonschnitzler 22.11.2017
4. Politische Neutralität?
Als am Millerntor das 'Kein Fußball den Faschisten' abgedeckt wurde (wofür man sich später entschuldigt hat) war das aus Gründen der 'politischen Neutralität' geschehen. Jetzt muss man sich natürlich schon fragen: darf nun jede politische Meinung per Banner/Fahne ins Stadion getragen werden? Oder nur allgemeinverträgliche wie 'Null Toleranz gegen Gewalt' oder so? Ist der Protest der Tibeter eine solche? Nach der jetzigen Aussage Grindels ist jede Meinungsäußerung erlaubt, das wäre neu. Hier sollte der sich der DFB schon klarer ausdrücken/positionieren.
mactruth81 22.11.2017
5. Na dann
Liebe Fans, schnappt euch, die katalanische, die nordkoreanische, die großalbanische, die mazedonische o.ä. Fahne, es gibt ja so viele brisante Territorialansprüche und macht sie in Stadien geltend. Denn schließlich ist dem DFB plötzlich die Meinungsfreiheit wichtiger als die politische Neutralität. Auf zum Parteitag, tschuldigung, Spiel.
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