Rekord-Ansturm der Fans Deutschland im Siegestaumel

Deutschland ist im schwarz-rot-goldenen Siegestaumel: Nach dem 2:0 gegen Schweden fand die Freude über den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-WM keine Grenzen. Mit ausgelassenen Siegesfeiern, Autokorsos und Hupkonzerten verwandelte sich die Republik in eine einzige große Fußball-Party.


Berlin/München – Auf fast allen Public-Viewing-Plätzen mussten die Gelände wegen Überfüllung geschlossen werden - selbst die Berliner Fanmeile wurde vorübergehend dicht gemacht; sie ist mit zwei Kilometern die längste der Republik. In der Hauptstadt versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund eine Million Menschen.

Fahnenmeer und Jubelgesang: Hunderttausende feiern in Berlin den Sieg
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Fahnenmeer und Jubelgesang: Hunderttausende feiern in Berlin den Sieg

In München verwandelte sich die Leopoldstraße zwischen Siegestor und Münchner Freiheit in ein Meer aus schwarz-rot-goldenen Fahnen. Nach dem Spiel zogen viele Fußballfans hupend und Fahnen schwenkend durch die Straßen. Mit dem Schlusspfiff strömten in der bayerischen Hauptstadt tausende Menschen aus Straßencafés und den Nebenstraßen auf die Leopoldstraße. Wildfremde fielen sich in die Arme, bildeten einen Kreis und skandierten: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin." Auch einige schwedische Fans feierten mit, als habe ihre Mannschaft gewonnen. Sie schwenkten die schwedische Fahne und umarmten deutsche Fans.

Die Feiern verliefen weitgehend friedlich; nur in Stuttgart kam es zu einer Schlägerei zwischen deutschen und englischen Fans. Einen technischen Zwischenfall gab es in der Frankfurter Main-Arena, in der das Spiel übertragen wurde. Dort verursachte ein Vogel einen Kurzschluss, die Leinwand war minutenlang schwarz, und tausende Fans verpassten den verschossenen Elfmeter des schwedischen Stürmers Henrik Larsson. Später flackerte das Bild wieder auf.

Etwa 70.000 begeisterte Fußballanhänger feierten auf dem Hamburger Fanfest den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft. Eine Polizeisprecherin sagte, alles sei ruhig geblieben. Es seien nur wenige Personen durch aggressives Verhalten aufgefallen. Auch außerhalb des Fanfestes fieberten Fußballanhänger - teilweise geschminkt und mit bunten Mützen sowie Verkleidungen - in unzähligen Kneipen vor Fernsehern und Leinwänden mit der deutschen Mannschaft. Kurz nach Ende der Partie zogen zahlreiche Autokolonnen hupend durch die Innenstadt von Hamburg.

In Stuttgart haben 70.000 begeisterte Fußballanhänger den Einzug Deutschlands in das Viertelfinale bejubelt. Nach dem Abpfiff kam es in der Innenstadt zu einer Prügelei zwischen deutschen und englischen Fans. Eine Polizeisprecherin sagte, die Sicherheitskräfte seien mit der Reiterstaffel im Einsatz. Mehrere Personen seien in Gewahrsam genommen worden. Bereits in der Nacht zum Samstag waren in Stuttgart 122 englische Fans wegen Randaliererei festgenommen worden. Sie sollen bis Montag aus dem Verkehr gezogen werden. England spielt am Sonntag in Stuttgart gegen Ecuador.

Während hierzulande das gute Wetter viele Fans nach draußen zog, drückten die Mitarbeiter der Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis lieber drinnen ihrem Team die Daumen – schließlich herrschen dort Außentemperaturen von rund 22 Grad Celsius unter Null. Trotz der frühen Tore hätten sie den Elfmeter aufregend gefunden, sagte Luft-Chemikerin Andrea Möller nach dem Schlusspfiff am Samstag in einem Telefongespräch mit der AP. "Ich wünsche mir ja, dass Deutschland Weltmeister wird", sagte die 36-Jährige, die das Spiel nur am Radio verfolgen konnte. "Aber wir haben auch die Fahnen von Brasilien und Argentinien hier und könnten die bei gutem Wetter aufziehen."

Das Bad in der Menge reichte einigen Berliner Fans übrigens nicht: Aus Freude über die Tore der deutschen Mannschaft sprangen mehrere Fans von einer Brücke nahe des Hauptbahnhofes in die Spree. Sie wurden von der Wasserschutzpolizei wieder eingesammelt - ihnen droht nach Polizeiangaben ein Bußgeld von bis zu 100 Euro.

reh/AP/dpa



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