Zweitliga-Relegation Jahn Regensburg schafft Sensation gegen KSC

Unentschieden gespielt, aber trotzdem Sieger: Jahn Regensburg steigt dank eines hart umkämpften Remis beim Karlsruher SC im Relegations-Rückspiel auf. Nach zwei Platzverweisen in den Schlussminuten beendete Regensburg die Partie zu neunt. KSC-Fans stürmten nach Abpfiff den Platz.

DPA

Hamburg - Jahn Regensburg ist die Überraschung in der Relegation gelungen. Dank eines Unentschiedens im Rückspiel steigt der Club in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Beim Karlsruher SC reichte dem Dritten der Dritten Liga dank der Auswärtstorregel ein 2:2 (1:1)-Remis zum Aufstieg. Den entscheidenden Treffer erzielte André Laurito in der 66. Minute. Im Hinspiel am Freitag in Regensburg hatten sich beide Teams 1:1 getrennt.

"Ein Traum ist wahr. Jetzt sind wir in der zweiten Liga, das hätte nie jemand für möglich gehalten", sagte Regensburgs Sportdirektor Franz Gerber.

Die Gäste waren durch Oliver Hein (28. Minute) in Führung gegangen, der KSC hatte die Partie jedoch dank Toren von Klemen Lavric (32.) und Ilias Charalambous (56.) zwischenzeitlich gedreht. Regensburg beendete die Partie zu neunt: In der 87. Minute sah Linksverteidiger Tim Erfen wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte, in der Nachspielzeit musste Jim-Patrick Müller wegen groben Foulspiels vom Platz.

Der Jahn ist damit zum ersten Mal seit 2004 wieder zweitklassig. Beim letzten Aufstieg hatte sich der Club aber nur ein Jahr in der Liga halten können. Zudem setzte sich die Serie fort, dass sich seit Einführung der Relegation zur zweiten Liga 2008/2009 immer der Drittligist durchgesetzt hat.

KSC-Fans stürmen nach Abpfiff den Platz

"Für die Spieler ist es tragisch. Wenn man das Spiel gesehen hat, ist Jahn Regensburg nicht unverdient aufgestiegen", sagte KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer. Für Karlsruhe ist es nach 2000 der zweite Abstieg in die dritte Liga. Der Club steht nun vor einem Neuanfang.

Unmittelbar nach Spielschluss stürmten Fans des KSC auf den Platz und konnten nur mit einem massiven Polizeiaufgebot zurückgehalten werden. Die Sicherheitskräfte wurden mit Gegenständen beworfen. "Ich unterstütze das nicht, aber irgendwo ist Verständnis da", so Kreuzer.

Die Karlsruher bestimmten vor rund 24.000 Zuschauern im Wildparkstadion die Anfangsphase. Zu Torchancen kam das Team von Trainer Markus Kauczinski zunächst aber nicht. Erst in der 16. Minute hatte Lavric die erste gute Möglichkeit, verzog aber deutlich. Regensburg setzte dagegen zunächst auf Sicherheit und gelegentliche Angriffe.

Die Führung fiel deshalb überraschend: Nach einer Ecke kam Hein an den Ball und ließ KSC-Torwart Dirk Orlishausen mit einem harten Schuss vom rechten Strafraumeck keine Chance (28.). Die Gastgeber zeigten sich davon aber unbeeindruckt. Nur vier Minuten später köpfte Lavric nach Vorarbeit von Karlsruhes Kapitän Aleksandre Iaschwili das 1:1.

Triumph ist für Jahn-Coach Weinzierl das perfekte Abschiedsgeschenk

Nach der Pause kam Jahn Regensburg besser ins Spiel, die Gastgeber waren in der Defensive gebunden. Einer der wenigen Entlastungsangriffe führte in der 56. Minute schließlich zu einer Ecke von Pascal Groß. Dessen Hereingabe nutze Charalambous mit einem Kopfball zur Führung.

In der Folge machten die Gastgeber jedoch den Fehler, sich zu weit zurückzuziehen. Regensburg kämpfte um den Aufstieg und hätte bereits in der 61. Minute durch Thiemo-Jérôme Kialka den Ausgleich erzielen können. Der gelang dann Laurito fünf Minuten später per Kopf nach einem Eckball.

Der Erfolg war womöglich das perfekte Abschiedsgeschenk für Jahn-Trainer Markus Weinzierl. Er steht vor einem Wechsel zum Bundesligisten FC Augsburg. Nach dem Schlusspfiff warfen die Regensburger Spieler ihren Erfolgscoach vor Freude mehrfach in die Luft.

Karlsruher SC - Jahn Regensburg 2:2 (1:1)
0:1 Hein (28.)
1:1 Lavric (32.)
2:1 Charalambous (56.)
2:2 Laurito (66.)
Karlsruhe: Orlishausen - Schiek, Aquaro, Rada, Charalambous - Staffeldt (76. Ngwat-Mahop), Groß - Thioune (71. Terrazzino), Krebs - Iaschwili, Lavric
Regensburg: M. Hofmann - Neunaber, Laurito, Nachreiner, Binder (46. Erfen) - Hein, Ziereis - Müller, Alibaz (72. Schlauderer), Klauß (60. Kialka) - Schweinsteiger
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 24.463
Rote Karte: Müller wegen groben Foulspiels (90.+2)
Gelb-Rote Karte: Erfen wegen wiederholten Foulspiels (87.)
Gelbe Karten: Charalambous, Iaschwili, Lavric, Krebs - Binder, Laurito, Hein, Neunaber

max/dpa/sid

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
laotse8 14.05.2012
1. Gratulation
Mit viel ungestrafter Hand und Arm in Torschußbahnen und Rotkartenverzögerung in der Nachspielzeit in die zweite Liga geschwalbt. Gratulation!
username987 15.05.2012
2. sogenannte fans
angesichts der karlsruher fan-kultur freue ich mich ganz besonders, dass die jetzt in der 3. liga spielen. meinetwegen könnten die mitsamt dem fc köln, hansa rostock und allen anderen problemklubs zwangsaufgelöst werden. oder zumindest mal 2 jahre vor leeren zuschauerrängen spielen.
theresia 15.05.2012
3. Wechsel in Nordbaden
SVS rein, KSC raus ! Wer's noch nicht weiß, SVS =Spielverein Sandhausen und Sandhausen liegt in Nordbaden !
RugbyLeaguer 15.05.2012
4.
Zitat von sysopDPAUnentschieden gespielt, aber trotzdem Sieger: Jahn Regensburg steigt dank eines hart umkämpften Remis beim Karlsruher SC im Relegations-Rückspiel auf. Nach zwei Platzverweisen in den Schlussminuten beendete Regensburg die Partie zu neunt. Dem KSC steht nach dem Abstieg vor einem Neuanfang. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,833167,00.html
Komische Regelung... da gehen beide Spiele Unentschieden aus, aber trotzdem gibt es einen Sieger? Wieso macht so was nicht in EINEM Spiel, meintwegen auf neutralem Platz aus? Ist doch viel einfacher. Naja mir ist es eigentlich egal. Wobei es mich für Karlsruhe freut. Der Verein ist wie die Stadt... langweilig, bieder, spiessig...
tipp-ex 15.05.2012
5. Süd-Provinzen
Natürlich hat jeder der Aufsteiger sich das sportlich verdient. Umgekehrtes gilt auch für die Absteiger. Aber dieses Mal ist der Austausch in der zweiten Liga schon extrem. Drei Ex-Erstligisten mit recht großer Tradition und Anhängerzahl gehen runter (Rostock, Aachen, KSC), dafür kommen drei relativ unbeschriebende Blätter nach oben (Sandhausen, Aalen, Regensburg). Und in Liga 1 gesellt sich jetzt Greuther Fürth zu Augsburg und Hoffenheim (dafür verabschieden sich Lautern, Köln und vermutlich die Hertha). Da verschiebt sich gerade einiges in die südliche Provinz. Auf die Zuschauerzahlen wird sich das nicht gerade belebend auswirken. Wie gesagt - sportlich alles absolut korrekt. Bedauern darf man den Aderlass an Tradition und etablierter Fankultur aber schon ein wenig.
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