Warum der HSV absteigen muss Das Gruselkabinett vom Volkspark

Hamburg hat Angst um seinen Fußballklub. Dabei brauchen Land und Liga den HSV nicht. Und auch dem Verein könnte der Abstieg nützen.
HSV-Trainer Slomka: Jahrelang ist den Hamburgern ihr Verein egal

HSV-Trainer Slomka: Jahrelang ist den Hamburgern ihr Verein egal

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Hamburg wie es greint und jammert. Die Panik ist immens vor dem ersten Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Dritten Greuther Fürth an diesem Donnerstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky), wenn die historisch mürbe Abwehr des HSV auf flotte fränkische Angriffsfußballer trifft. Selbst erwachsene und vernunftbegabte Menschen üben sich in Voodoo, Gebet oder Flaggenkult, um den drohenden Abstieg abzuwenden.

Aber die Hanseaten fürchten um einen Fußballklub, den die Welt nicht braucht. Denn in der Relegation trifft auch Vergangenheit auf Zukunft. Fürth, wie Paderborn und Augsburg, Freiburg und Mainz, beweist, dass moderner Fußball auch mit schmalen Etats geht: mit professionellem Management, exzellenten Trainern, einem sorgfältig komponierten Kader und einem solidarischen Publikum.

Der HSV hat kaum etwas davon und darf als Musterbeispiel dienen für verkorkste Personalplanung, mieses Management und einen Kader, den man geschlossen zur Arbeitsagentur jagen sollte - mit ein paar Ausnahmen vielleicht. Erstligataugliche Fans und Klubmitglieder hätten dieses Gruselkabinett an der Klubspitze längst in der Alster versenkt.

Aufhören zu jammern, ihr Lappen!

Aber die Hamburger Anhänger sind eher Nostalgiker oder Styler, keine Herzblut-Fans. Jahrelang ist den Hamburgern ihr Verein egal, geduldig erträgt man, dass das würdige Volksparkstadion beinahe jährlich nach einem anderen Sponsor benannt wird und fühlt sich schon toll, wenn man im "Derbe"-Hoodie nach Mainz fährt, um im letzten Saisonspiel auch mal eine Auswärtspackung live zu erleben.

Braucht dieses Land, braucht die Bundesliga diese Gruselveranstaltung? Natürlich nicht. Lieber zum Regenerieren in die zweite Liga, frische Spieler, neues Management, einen Trainer mit Perspektive. Und dann zurück an die Spitze. Hat bei Hertha und dem 1. FC Köln auch geklappt.

Also: Aufhören zu jammern, ihr Lappen! Entweder die Relegation gewinnen. Oder Mors in der Büx, das Schicksal angenommen und mit erhobenem Haupt gefügt. Absteigen ist keine Schande, Wiederaufstieg immerhin ein kleiner Triumph.

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