Frankfurts Relegationssieg gegen Nürnberg Keine Klasse besser

Frankfurt bleibt in der Bundesliga, spielte aber keinesfalls erstklassig. Die Eintracht hatte Glück, dass Nürnberg noch schwächer auftrat. Alles Wichtige zum Relegationsrückspiel.

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Ausgangslage: Nürnberg hatte nach dem 1:1-Hinspielergebnis in Frankfurt leichte Vorteile. Der Club würde schon bei einem torlosen Unentschieden im Rückspiel aufsteigen. Frankfurt brauchte einen Sieg oder ein Remis mit mindestens zwei eigenen Toren. Auch deshalb reagierte Trainer Niko Kovac und ersetzte Torjäger Alexander Meier nach schwacher Leistung im Hinspiel durch Änis Ben-Hatira. Marco Russ wäre gelb-gesperrt gewesen. Der an einem Tumor erkrankte Innenverteidiger befindet sich zur Behandlung im Krankenhaus und wurde heute bereits operiert. "Er hat mir eine SMS geschrieben, dass er wohlauf ist", sagte Kovac.

Frankfurter Vorbild des Spiels: Der Hamburger SV schaffte sowohl 2014 (0:0 gegen Fürth) als auch 2015 (1:1 gegen Karlsruhe) nach einem Hinspiel-Remis im eigenen Stadion den Klassenerhalt.

Ergebnis: 1:0 für Frankfurt. Die Eintracht bleibt also erstklassig. Naja, zumindest spielen sie im kommenden Jahr in der Bundesliga. Nürnberg tritt wieder in der zweiten Liga an. Hier geht's zum Spielbericht.

Aufstellungen:
Nürnberg:
Schäfer - Brecko, Margreitter, Bulthuis, Sepsi - Petrak, Behrens - Kerk, Leibold - Füllkrug, Burgstaller
Frankfurt: Hradecky - Chandler, Zambrano, Abraham, Oczipka - Hasebe, Stendera - Gacinovic, Huszti, Ben-Hatira - Seferovic

Unterstützung des Spiels: Beim Aufwärmen machten sich alle Frankfurter in Russ-Trikots mit der Nummer vier warm.

Frankfurts Spieler beim Aufwärmen
REUTERS

Frankfurts Spieler beim Aufwärmen

Die erste Hälfte: Viel zu erzählen gibt es nicht. Lange blieben beide Teams chancenlos. Stattdessen: etwas mehr Ballbesitz für Frankfurt, viele Duelle im Mittelfeld, viele Ballverluste. Viel Zweitliga-Niveau. Erst in der Schlussphase wurde Frankfurt gefährlich: durch einen Fernschuss von Szabolsz Huszti (45. Minute), einen Kopfball von Ben-Hatira (45.+2.), einen weiteren Versuch aus der Distanz von Haris Seferovic (45.+4.) und einen Nachschuss von Mijat Gacinovic (45.+4.).

Die zweite Hälfte: Frankfurt musste und konnte nicht. Nürnberg wollte nicht, denn das torlose Remis hätte ja zum Aufstieg gereicht. Der FCN stand tief und lauerte auf Konter, die der "Club" genauso schlecht ausspielte wie Frankfurt attackierte - bis zur 67. Minute, als Seferovic die starke Vorarbeit von Gacinovic zur Führung nutzte. Danach musste Nürnberg. Konnte aber nicht.

Déjà-Vu des Spiels: Wie schon im Hinspiel zündelten die Fanlager beider Teams auf den Tribünen - die Nürnberger brannten ihr Feuerwerk im eigenen Stadion sogar über weite Strecken der Spielzeit ab. Anders als in Frankfurt schien das den Stadionsprecher kaltzulassen.

Blitzgenesung des Spiels: In der 83. Minute lag Frankfurts Marco Fabián im Mittelfeld scheinbar verletzt auf dem Boden. Bei der Balleroberung seines Teams sprang er auf, um Sekunden später wieder länger auf dem Boden zu liegen, nachdem er mit Nürnbergs Torwart Rafael Schäfer zusammengeprallt war. Zweitklassiges Verhalten.

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Offensivschwäche der Relegation: Der 1. FC Nürnberg hat es fertiggebracht, in insgesamt 180 Minuten nicht ein einziges Mal auf das gegnerische Tor zu schießen. In der abgelaufenen Saison war der Angriff des Teams das zweitbeste der Saison! Aber eben in der zweiten Liga. Und dort darf Nürnberg in der kommenden Spielzeit ja auch wieder antreten.

Abschied des Spiels: Es war das letzte Spiel für Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzender der Eintracht. Der 67-Jährige hinterlässt einen Erstligisten. Aber ohne einen Umbruch wird sein Klub auch im kommenden Jahr gegen den Abstieg kämpfen. Jetzt wäre es für den Gang in die zweite Liga auch einfach "ein schlechter Zeitpunkt" gewesen, sagte Bruchhagen.

Erkenntnis des Spiels: Die Relegation hat Frankfurt verdient gewonnen. Aber die Erstklassigkeit hat sich eigentlich keine der Mannschaften so wirklich verdient. Die Eintracht bekommt trotzdem noch eine Chance.

insgesamt 59 Beiträge
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lof 23.05.2016
1. Keine Klasse besser? Doch !
Also wenn Frankfurt wie ein Zweitligist spielte, dann war Nürnberg aber höchstens 3. Liga.
Ultras 23.05.2016
2. Ernsthaft?
Die Eintracht hat das Spielgeschehen über volle 90 Minuten absolut beherrscht, Nürnberg hat sich vor ganz Fußballdeutschland lächerlich gemacht. Ballbesitzwerte im Bereich des FC Bayern, überragende Zweikampfwerte, in fast allen Statistiken besser. Die Eintracht hat mit Ruhe auf das erste Tor gespielt. Und das bei über einer Stundeit dem Spielstand von 0:0, der den Abstieg bedeutet hätte. Gegen eine Mannschaft, die mit Elf Spielern im eigenen Strafraum verteidigt, gewinnt auch kein anderer Bundesligist mit mehr als 2:0. Ach ja, und kämpferisch war die Eintracht ebenfalls besser.
zieglerm 24.05.2016
3. Wenn eine Mannschaft in 180 Minuten nicht aufs gegnerische Tor schießt ...
... bzw. laut eigenem Bekunden nicht schafft, dann ist das ein Klassenunterschied. Das Frankfurt es dann nicht geschafft hat, einen deutlicheren Sieg einzufahren spricht dann halt dafür, dass Nürnberg drittklassig gespielt hat und Frankfurt zweitklassig. Ähnlich schlecht hat aber auch Bayern gegen Madrid gespielt und die Spiele waren genauso unansehnlich, insofern ist die Eintracht doch in erstklassiger Gesellschaft ;-)
frankfurterbub1997 24.05.2016
4. Nie mehr 2te Liga!
Erst einmal vorne weg: ein sehr schlechter Kommentar. Wenn man der Meinung ist, dass das Verhalten von unseren Spielern nicht erstliga gerecht ist, dann frage ich mich doch wer denn überhaupt noch für die 1 Liga bleibt? In dieser Saison gab es genug Situationen in denen Spieler,von den großen Vereinen, wie dem FC Bayern zum Beispiel ähnliche Tricks angewendet haben.. Oder Darmstadt, die die ganze Saison widerlichen Fussball gespielt haben. Im großen und ganzen muss man einfach sagen, dass die bessere Mannschaft mehr als zurecht gewonnen hat! Und da kann der liebe Autor, schreiben was er will... Recht hat er nicht!
NightToOblivion 24.05.2016
5.
Gehen Freiburg oder Leipzig wäre das wohl mächtig schief gegangen.
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