Remis gegen Real Barça feiert Einzug ins Finale der Champions League

Der FC Barcelona steht im Endspiel der Champions League. Im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid genügte dem spanischen Meister nach dem Hinspiel-Erfolg ein Unentschieden. Dabei führte Barça den Erzrivalen phasenweise vor.

DPA

Hamburg - Es ist selten, deshalb soll es gleich zu Beginn festgehalten werden: Die beste Szene dieses Champions-League-Halbfinales hatte nicht Barcelonas Superstar Lionel Messi. Das Duell mit Erzfeind Real Madrid war 54 Minuten alt, als Andrés Iniesta, ein weiterer Ausnahmekünstler Barças, die gegnerische Abwehr mit einem einzigen Pass aushebelte. Der spanische Nationalspieler bediente Pedro und feierte Sekunden darauf dessen Führungstreffer zum 1:0. Barcelonas Einzug ins Finale war nach dem 2:0-Erfolg im Hinspiel perfekt, selbst das Tor von Madrids Marcelo (64. Minute) zum 1:1 (0:0)-Endstand konnte daran nichts mehr ändern.

"Natürlich sind wir richtig glücklich, dass wir gewonnen haben, besonders gegen Real Madrid", sagte Iniesta. Während die Katalanen vom nächsten Europapokal-Triumph träumen dürfen, bleibt es für Real und seinen umstrittenen Coach José Mourinho in dieser Saison bei einem Titel. Der Portugiese hatte nach dem Hinspiel gepöbelt, gewettert und geschimpft: Für die Pleite hatte er scheinbar unendlich viele Gründe ausgemacht: den Schiedsrichter, die Uefa, die Welt. Der Trainer, der während der Partie wegen Meckerns auf die Tribüne verbannt worden war, sorgte mit seinen Aussagen nach dem Schlusspfiff für einen Skandal.

Im Rückspiel sahen die Zuschauer im Camp Nou von dem exzentrischen Coach nichts, obwohl extra für ihn eine Loge eingerichtet worden war. Dafür agierte sein Team etwas offensiver als zuletzt. Anders als vor einer Woche schien Madrid von Beginn an mitspielen zu wollen. Aitor Karanka, Reals Co-Trainer und in Barcelona Stellvertreter von Mourinho, setzte im Sturm von Beginn an auf Gonzalo Higuaín und brachte im Mittelfeld Kaká statt Mesut Özil, der zunächst auf der Bank saß.

Die Gäste, die neben dem verletzten Sami Khedira auch auf die gesperrten Verteidiger Sergio Ramos (Gelb) und Pepe (Rot) verzichten mussten, attackierten früh - und zwar zunächst ohne grobe Fouls. Dennoch blieb die Verwarnung von Reals Ricardo Carvalho nach Foul an Messi (13.) die erste bemerkenswerte Szene des Spiels. Barcelona schien beeindruckt von der Kompaktheit des Gegners und kam kaum zu gelungenen Spielzügen.

Die Gastgeber, bei denen Iniesta nach einer Beinverletzung zurückkehrte, hatten durch eine Standardsituation die erste Chance. Nach einer Ecke von rechts stand Sergio Busquets im Fünfmeterraum frei, köpfte aber direkt in die Arme von Reals Torwart Iker Casillas (22.). Madrid kontrollierte zu diesem Zeitpunkt das Spiel, ließ zwingende Aktionen aber vermissen. Für eine Mannschaft, die mindestens drei Tore erzielen musste, zeigten Cristiano Ronaldo und Co. zu wenig. Schiedsrichter Frank de Bleeckere, vor dem Spiel von Mourinho kritisiert, zeigte sich in der 28. Minute zudem großzügig, als er Carvalho nach einem erneuten Foul an Messi nicht vom Platz stellte.

Barça-Chancen im Minutentakt

Dank des Argentiniers kippte die Partie. Seinen Schuss aus 17 Metern parierte Casillas zwar (32.), doch fortan spielte nur noch Barça. Nach Flanke von Dani Alves zielte Messi rechts vorbei (33.), David Villa scheiterte an Reals Keeper (34.), Pedro verzog (35.). Die beste Möglichkeit vor der Pause hatte wieder Messi, der Casillas mit einem Rechtsschuss zu einer Glanztat zwang (37.). Und Real? Hatte wieder Glück, als Carvalho nochmals Messi ohne Konsequenzen foulen durfte (43.).

Zur zweiten Halbzeit erschien er mit seiner Mannschaft deutlich eher auf dem Platz als Barcelona. Jetzt mussten in 45 Minuten mindestens zwei Tore her, um die Verlängerung zu schaffen. Doch etwaige Hoffnungen auf einen frühen Treffer zerstörte Barcelona in Person von Iniesta und Pedro, der Casillas mit einem Schuss ins rechte untere Eck keine Chance ließ: 1:0 (54.). Im Gefühl des sicheren Finaleinzugs wurde Barcelona nachlässig. Real kam mit seiner ersten echten Chance zum Ausgleich. Nachdem Ángel di María nur den Pfosten traf, durfte er ungehindert Linksverteidiger Marcelo bedienen, der den Ball in den Winkel jagte (64.).

Madrid mühte sich, Druck aufzubauen. Inzwischen war auch Özil eingewechselt worden. Doch Barcelona war wie schon im Hinspiel die bessere Mannschaft. Scheinbar mühelos konnte das Team von Pep Guardiola wieder zulegen. Bis zum Abpfiff beschäftigten Messi, Xavi und Iniesta Reals Defensive, die Gäste hielten mit Härte dagegen. Marcelo sah nach einer Grätsche gegen Messi Gelb (75.). Lassana Diarra hätte nach einem Foul an Javier Mascherano mit Gelb-Rot vom Platz fliegen müssen (83.). Die letzten Minuten verstrichen ohne Gefahr für die Heimmannschaft und unter Dauer-Jubel der Zuschauer. Emotionaler Höhepunkt in der letzten Minute: Éric Abdial, vor sechs Wochen an einem Lebertumor operiert, dufte unter tosendem Applaus sein Comeback geben.

Im Finale am 28. Mai (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird der FC Barcelona im Londoner Wembleystadion wohl auf Manchester United ( 2:0-Hinspiel-Sieg gegen Schalke 04) treffen und um den dritten Champions-League-Sieg in den vergangenen sechs Jahren kämpfen. Das letzte Mal triumphierten sie 2009. Finalgegner damals: Manchester United.

FC Barcelona - Real Madrid 1:1 (0:0)
1:0 Pedro (54.)
1:1 Marcelo (64.)
Barcelona: Valdés - Alves, Mascherano, Piqué, Puyol (90.+1 Abidal) - Busquets - Xavi, Iniesta - Villa (74. Keita), Messi, Pedro (90.+3 Afellay)
Real: Casillas - Arbeloa, Carvalho, Albiol, Marcelo - Diarra, Xabi Alonso - Christiano Ronaldo, Kaká (60. Özil), Di María - Higuaín (55. Adebayor)
Schiedsrichter: Frank De Bleeckere (Belgien)
Zuschauer: 97.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Pedro - Carvalho (4), Diarra (2), Alonso (2), Marcelo, Adebayor (3)

insgesamt 36 Beiträge
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mpk 03.05.2011
1. Madrids Trainer hätte sich besser
auf seine eigene Mannschaft konzentriert, hätte dann nicht verwiesen werden müssen. Denn es gilt weiter: Der Ball ist rund ...
emiliolojo 03.05.2011
2. Entschuldigung
Zitat von sysopDer FC Barcelona steht im Endspiel der Champions League. Im Halbfinal-Rückspiel gegen den Erzrivalen aus Madrid genügte dem spanischen Meister nach dem Hinspiel-Erfolg*ein*Unentschieden. Während*Barça streckenweise zauberte, blieb Real viel zu harmlos.******* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,760470,00.html
Aber ganz sicher haben sie das Spiel nicht gesehen anders kann ich mir es beim besten Willen nicht vorstellen. Klar ist eindeutig das Madrid ueberhaupt keine Chance hatte da alles schon von der Uefa so geplant war. Die 2 minuten extra Time ein Witz.
pampura 03.05.2011
3. barca
Zitat von emiliolojoAber ganz sicher haben sie das Spiel nicht gesehen anders kann ich mir es beim besten Willen nicht vorstellen. Klar ist eindeutig das Madrid ueberhaupt keine Chance hatte da alles schon von der Uefa so geplant war. Die 2 minuten extra Time ein Witz.
das klingt ja fast schon wie Sarkasmus....um es mal ohne zu erklären,Real hatte wirklich keine Chance das kleine Hoch nach dem Führungstreffer war ein nicht genug
wbtext 03.05.2011
4. Uefa
Zitat von emiliolojoAber ganz sicher haben sie das Spiel nicht gesehen anders kann ich mir es beim besten Willen nicht vorstellen. Klar ist eindeutig das Madrid ueberhaupt keine Chance hatte da alles schon von der Uefa so geplant war. Die 2 minuten extra Time ein Witz.
Aha, die Uefa hat Real also vorgeschrieben, nur einmal in 90 Minuten aufs Tor zu schießen. Und die braven Real-Spieler haben das natürlich umgesetzt. Weiterhin hat Messi den Carvalho permanent gefoult, der bestochene Schiri hat's natürlich andersrum gesehen. Das hätte glasklar die rote Karte für Messi geben müssen. Hätte der Ref mindestens sechs Minuten nachspielen lassen, hätte Real aufgrund seiner turmhohen Überlegenheit mindestens noch vier Tore geschossen. Auch den Dauerregen hat die Uefa veranlaßt. Real ist nicht nur das weitaus schlechtere Team, es ist auch ein schlechter Verlierer. Das hat es mit "Fans" wie emiliolojo gemeinsam.
flp8 03.05.2011
5. Interessant,
dass das zu Unrecht nicht gegebene Tor für Madrid in der 47" in diesem Artikel erwähnt wurde (Ronaldo wird gefoult und trifft beim fallen Mascherano - unbeabsichtigt). Das Spiel vielleicht am Ende anders ausgegangen... Naja, auf der anderen Seite hätte Madrid mal wieder mit 10 Spielern am Ende spielen müssen.
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