René Rydlewicz "Was soll die Jammerei?"

Am Sonntag empfängt Energie Cottbus in der Fußball-Bundesliga Hansa Rostock. Hansas René Rydlewicz im Interview mit SPIEGEL ONLINE über das erste Bundesliga-Ostderby seit sechs Jahren.

Von Clemens Gerlach


SPIEGEL ONLINE:

Seit dem Aufeinandertreffen von Dresden und Leipzig in der Saison 1993/94 ist Energie Cottbus gegen Hansa Rostock die erste Partie zweier ehemaliger DDR-Mannschaften. Wie aufgeregt sind Sie vor der historischen Begegnung, Herr Rydlewicz?

René Rydlewicz: Überhaupt nicht, das ist ein ganz normales Spiel für mich.

SPIEGEL ONLINE: Warum so distanziert? Immerhin sind Sie in der Nähe von Cottbus geboren und haben drei Jahre für Energie gespielt.

Rene Rydlewicz: "Kontinuierliches Wirtschaften, keine Spinner"
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Rene Rydlewicz: "Kontinuierliches Wirtschaften, keine Spinner"

Rydlewicz: Das ist in der Jugend gewesen und schon lange her. Ich habe keine Beziehungspunkte mehr zu Energie. Ich freue mich aber, meine Verwandten nach langer Zeit mal wieder sehen zu können. Die kommen alle ins Stadion und halten natürlich zu mir.

SPIEGEL ONLINE: Also eine private Veranstaltung und nichts für Ostalgiker?

Rydlewicz: Wir wollen in Cottbus gewinnen - das interessiert mich. Mit dem Gegensatz von Ost und West ist es sowieso nicht mehr so krass. Die Mentalität ist schon eine andere, aber vieles ist ähnlich geworden.

SPIEGEL ONLINE: Für Cottbus-Trainer Eduard Geyer bestehen noch immer fundamentale Differenzen. Er hat sogar wiederholt behauptet, Ostvereine würden benachteiligt.

Rydlewicz: Diese Erfahrung habe ich persönlich noch nicht gemacht. Für mich ist das nur Jammerei. Was soll's? Es lohnt sich nicht, darüber zu diskutieren. Jede Mannschaft hat Situationen, in denen sie vom Schiedsrichter mal begünstigt wird und mal benachteiligt. Jeder erlebt ungerechte Entscheidungen.

SPIEGEL ONLINE: Augen zu und durch?

Rydlewicz: Was soll es dem Schiri bringen, gegen einen Ostverein zu pfeifen? Welches Interesse könnte der DFB haben, dass kein Ostclub in der ersten Liga spielt? Aber natürlich gibt es noch Unterschiede.

SPIEGEL ONLINE: Welche meinen Sie?

Rydlewicz im Zweikampf mit dem Hachinger Altin Rraklli: "Was soll es dem Schiri bringen, gegen einen Ostverein zu pfeifen"
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Rydlewicz im Zweikampf mit dem Hachinger Altin Rraklli: "Was soll es dem Schiri bringen, gegen einen Ostverein zu pfeifen"

Rydlewicz: Die Vereine im Westen hatten mehr Zeit, sich Geld zu verschaffen. Die sind im Vorteil, wenn sie Spieler holen wollen. Wenn man die Ostfußballer nimmt, die im Westen Fuß gefasst haben, kommt man aus dem Zählen nicht mehr raus.

SPIEGEL ONLINE: Von den 36 Proficlubs hierzulande sind nur drei aus dem Osten. Wird sich daran etwas ändern?

Rydlewicz: Hansa Rostock macht es doch vor, wie es gehen kann. Kontinuierliches Wirtschaften, keine Spinner. Das Ostseestadion wird für mehrere Millionen Mark modernisiert.

SPIEGEL ONLINE: Das ist die Ausnahme.

Rydlewicz: Rostock ist schon ein Vorbild, an dem sich andere Vereine im Osten orientieren können. Ich will jedenfalls mit Hansa Rostock höher angreifen und auch einmal international spielen.



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