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08. Juli 2006, 14:22 Uhr

Reservist Hitzlsperger

"Hoffe, dass ich zum Einsatz komme"

Er gehört zu den vier deutschen Feldspielern, die bei dieser WM noch nicht eingesetzt wurden. Heute ist für die Reserve gegen Portugal die letzte Chance. Mit SPIEGEL ONLINE sprach Thomas Hitzlsperger über sein Dasein als Aushilfe und Jürgen Klinsmanns Motivationskünste.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hitzlsperger, haben Sie und die Mannschaft das WM-Aus schon verdaut?

Hitzlsperger: Am Tag nach dem Spiel war es natürlich sehr schwer. Aber allmählich sind wir uns bewusst geworden, dass wir jetzt um Platz drei kämpfen müssen. Wir müssen uns gut vor den Zuschauern präsentieren, die uns so großartig unterstützt haben, und das Turnier vernünftig zu Ende spielen.

Ersatzmann Hitzlsperger (r., mit Teamkollegen Kehl): "Es hat viel Spaß gemacht"
Getty Images

Ersatzmann Hitzlsperger (r., mit Teamkollegen Kehl): "Es hat viel Spaß gemacht"

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie das Spiel gegen Italien von der Bank aus erlebt?

Hitzlsperger: Es war aufregend, dramatisch und mit einem bitteren Ende. Wir haben gut gespielt, die Italiener auch. Wenn man dann so spät die Tore bekommt, ist das ganz hart. Es haben ja schon alle mit dem Elfmeterschießen gerechnet, aber das wollten die Italiener auf jeden Fall verhindern.

SPIEGEL ONLINE: Portugals Vorstoß ins Halbfinale hat viele überrascht. Wie muss man gegen diese Mannschaft, auf die Deutschland heute um 21 Uhr im Spiel um den dritten Platz trifft, agieren?

Hitzlsperger: Wir müssen gegen Portugal einfach unser Spiel weiterspielen, so wie wir es bisher gemacht haben. Offensiv nach vorne und mit einer guten Abwehrleistung. Die Defensive ist vor der WM ja viel kritisiert worden, aber sie hat hier eine sehr gute Leistung gezeigt.

SPIEGEL ONLINE: Rechnen Sie mit einem Einsatz, noch dazu im Stadion Ihres Clubs VfB Stuttgart?

Hitzlsperger: Es ist bekannt, dass der Bundestrainer Veränderungen vornehmen will. Oliver Kahn wird im Tor spielen, Marcell Jansen wohl linker Verteidiger, und für Per Mertesacker kommt Robert Huth. Ich hoffe natürlich, dass ich zum Einsatz komme. Ob es dann von Anfang an oder von der Bank ist, muss man sehen.

SPIEGEL ONLINE: Was nehmen Sie persönlich aus der WM mit?

Hitzlsperger: Ich nehme viel Positives mit. Es hat in der Nationalelf viel Spaß gemacht, weil wir gemerkt haben, was passieren kann, wenn man an eine Sache glaubt. Das haben in Deutschland nicht alle getan, aber der Kern, die Trainer und die Mannschaft, haben es immer geglaubt. Man muss sich Ziele setzen und dann hart daran arbeiten, sie zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Die sogenannten "Ergänzungsspieler" waren bei dieser WM alle sehr loyal und teamorientiert. Woran lag das?

Hitzlsperger: Jürgen Klinsmann hat uns allen verdeutlicht: Wenn wir den Titel holen wollen, dann geht das nur zusammen – auch mit den Ergänzungsspielern. Wenn alle zusammenhalten, kann man sehr weit kommen. Das war auch ein Grund für den Erfolg, obwohl es am Ende nur das Halbfinale geworden ist. Daran haben auch die Ergänzungsspieler ihren Anteil.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Jürgen Klinsmann als Bundestrainer weitermacht?

Hitzlsperger: Ich hoffe es. Ich weiß nicht, wie es in ihm aussieht, und er wird es sich sicher gut überlegen. Er hat alles richtig gemacht, er hat gute Ideen und sollte diesen Weg weitergehen.

Die Fragen stellte Malte Oberschelp

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